Gunst der Stunde genutzt

Sport / 02.11.2020 • 18:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Es waren die vielen Nebengeräusche, die dem Derby zwischen der Austria und dem FC Dornbirn einen besonderen Charakter verliehen hatten. Vor allem Austria-Coach Alexander Kiene waren die Hände gebunden, denn gleich fünf Coronafälle in seinem Team stellten seinen Derby-Matchplan schon vor der Partie völlig auf den Kopf. Der 42-jährige Deutsche setzte dennoch auf das bewährte

4-2-3-1-System, sein Pendant Markus Mader begann in einer 4-4-2 Grundordnung. Der zeitige Treffer durch Franco Joppi spielte den Messestädtern zudem in die Karten und setzte den Favoriten früh unter Druck.

Was mir aufgefallen ist: Kiene hatte den FC Dornbirn vor dem Spiel gut analysiert. Er bezeichnete die Rothosen im „Austria-Kurier“ als unangenehmen Gegner, der mit seiner mannschaftlichen Geschlossenheit und einer starken Defensive jedem Team gefährlich werden kann. Die Stärken in der Offensive seien vor allem bei Standards und Konter. Er sollte Recht behalten, denn genau diese Besonderheiten zeichneten Dornbirn an diesem Tag aus. In der Defensive wurde kompakt als Block gegen den Ball gearbeitet. Die Abwehr stand bei Ballbesitz der Austria oft sehr tief. Die beiden Mittelfeld-Aussenspieler Aaron Kircher und Tom Zimmerschied ließen sich nach Ballverlust bzw. beim Spielaufbau der Austria im Wechsel nach hinten fallen und machten so aus einer Viererkette eine Fünferkette. Somit war nicht nur das Zentrum geschlossen, sondern auch die Breite gut zugestellt. Bei Ballgewinn wurde auf Konter gelauert. Ein Plan, der meiner Meinung nach sehr gut aufgegangen ist. Zudem passte die Spannung in den Zweikämpfen.

Die Austria dagegen hatte mit der Kompaktheit des Gegners ihre Mühe. Vor allem, weil das Flügelspiel nicht zum Tragen kam. Wallace und Fabian Gmeiner hatten auf der linken Seite wenig Raum, um ihre Gefährlichkeit in der Offensive auszuspielen. Mir persönlich fehlte zudem die Bewegung ohne Ball und die Durchschlagskraft in den Eins- gegen Eins-Situationen. Zwischen den Linien bewegten sich die Austria-Kicker nach Seitenwechsel oft zu statisch. Im Abschluss habe ich die letzte Konsequenz vermisst. Gegen Ende der Partie fehlte mir bei den Lustenauern zudem der Mut, im taktischen Bereich nochmals neue Akzente zu setzen. Weiters hatte ich das Gefühl, dass Dornbirn an diesem Tag physisch etwas frischer wirkte. Aus Sicht der Austria es einfach zu wenig, um ein Derby zu gewinnen.

Mein Fazit: Die Umstände vor dem Derby waren für die Austria natürlich nicht von Vorteil. Weiters kam dem FC Dornbirn mit dem frühen Tor der Spielverlauf entgegen. Dennoch bin ich der Meinung, dass sich die Mader-Elf den Sieg verdient hat. Sie hat mit ihrer mannschaftlichen Einheit bewiesen, wie man die Gunst der Stunde nutzen kann.

Dieter Alge (54) ist Fußballtrainer mit Erfahrung im Profi-, Amateur- und Nachwuchsbereich.

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