Aus dem Nachtzug ins Achtelfinale

Sport / 03.11.2020 • 18:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Dornbirner Philipp Oswald (r.) und Partner Marcus Daniell bezwangen in der Auftaktrunde Kevin Krawietz/Alexander Zverev mit 7:6 und 6:4.GEPA
Der Dornbirner Philipp Oswald (r.) und Partner Marcus Daniell bezwangen in der Auftaktrunde Kevin Krawietz/Alexander Zverev mit 7:6 und 6:4.GEPA

Oswald/Daniell überraschen beim ATP-1000er-Turnier in Paris.

Paris Der Dornbirner Philipp Oswald und sein neuseeländischer Doppelpartner Marcus Daniell liefern einen bärenstarken Saisonendspurt ab. Nach dem erstmaligen Einzug ins Achtelfinale bei den US Open in New York, dem Viertelfinal-Aus bei den Generali Open in Kitzbühel (ATP 500), dem Triumph beim ATP-250-Sandplatzturnier auf Sardinien und dem Halbfinale beim ATP 250 in Köln sowie dem Viertelfinale letzte Woche beim ATP 250 im kasachischen Nur-Sultag wollten der 34-jährige Oswald und sein um drei Jahre jüngerer Teamkollege eigentlich die Saison beenden. „Vor der Abreise in Kasastan haben wir geschaut, ob unser Ranking für eine Teilnahme am ATP-1000er in Paris ausreichen würde. Als wir dann aber gesehen haben, dass eigentlich alle Topteams genannt haben, war eigentlich klar, dass es nicht klappen würde“, erklärt Oswald. „Ich habe dann aber doch noch vor dem Abflug eine Nennung abgegeben.“

Bei der Ankunft in Vorarlberg war die Verwunderung dann groß, dass Oswald/Daniell auf Position zwei der Warteliste standen. „Wir haben dann die Vor- und Nachteile abgewogen, ob wir die Anreise machen sollen, uns dann aber doch in den Nachtzug gesetzt und sind nach Paris gefahren. „Wenn kein weiteres Team ausgefallen wäre, wäre die Anreise umsonst gewesen und wir hätten unverrichteter Dinge wieder heimreisen müssen.“

Sofort nach Ankunft in der französischen Hauptstadt wurde der obligate PCR-Schnelltest abgeliefert, und dann ging es ins Hotel. Zwischen der Information des negativen Tests und dem ersten Einsatz vergingen nicht einmal vier Stunden. „Das ganze Drumherum war natürlich nicht optimal. Doch wir wollten die Chance nutzen.“

Mit den Deutschen Kevin Krawietz und Alexander Zverev stellte sich dem vorarlbergerisch-neuseeländischen Duo eine hochkarätige Auftakthürde in den Weg. Krawietz hatte zusammen mit Andreas Mies sowohl 2019 als auch 2020 die French Open gewonnen, und Zverev ist immerhin die Nummer sieben der aktuellen ATP-Einzelrangliste. „Wir haben uns von den Erfolgen und klingenden Namen des Gegners nicht beeindrucken lassen, sind von Beginn an richtig gut in Fahrt gekommen und konnten unser Spiel bis zum letzten Ballwechsel durchziehen.“ Am Ende stand nach 83 Minuten ein 7:6(5)-, 6:4-Erfolg zu Buche. „Es war wirklich ein Duell auf Augenhöhe, bei dem Nuancen zugunsten von uns entschieden haben“, beschreibt Oswald.

Nur das halbe Preisgeld erhalten

Trotz der Freude hatte der Sieg allerdings doch einen kleinen Wermutstropfen: Da Oswald/Daniell als sogenanntes Alternates Duo nachgerückt sind, mussten sie die Hälfte des Preisgeldes von 21.870 Euro abgeben. „Die ATP hat für den Fall, dass ein gemeldetes Team aufgrund eines Coronafalles nicht spielen kann, die Regelung getroffen, dass dieses Doppel (in diesem Fall Rajeev Ram/Joe Salisbury) trotzdem das Preisgeld (Anm. 11.550 Euro) bekommt“, spezifiziert Oswald das Prozedere.

Gegner im Achtelfinale beim mit 3,732.680 Euro dotierten Hartplatzhallenturnier sind am Mittwoch oder spätestens Donnerstag die auf Position acht gereihten Jürgen Melzer/Eduardo Roger-Vasselin. Unabhängig vom Ausgang haben Oswald und Daniell beschlossen, nach Paris die Saison zu beenden. „Marcus, dessen Frau in Dornbirn weilt, überlegt, ob er seinen Aufenthalt in Vorarlberg noch etwas verlängern wird und wir gemeinsam im VTV-Campus im Dezember die Vorbereitung auf die am 18. Jänner beginnenden Australian Open absolvieren. Vorerst gilt aber die volle Konzentration dem Turnier in Paris. Der Erfolg gegen Krawietz/Zverev bestätigt, dass wir uns vor keinem Gegner fürchten müssen und vieles möglich ist.“

„Nicht nur wegen der Vorzeichen sind wir als Außenseiter in die Partie gegangen.“

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