Zeitdruck und weitere Ungereimtheiten

Sport / 10.11.2020 • 22:07 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Weltcup- und Trainingsstrecke in der Flexenarena einmal von oben betrachtet, mit Blick in Richtung Zielraum.Paulitsch/3
Die Weltcup- und Trainingsstrecke in der Flexenarena einmal von oben betrachtet, mit Blick in Richtung Zielraum.Paulitsch/3

Der nahe Weltcuptermin habe dazu geführt, einige Arbeiten vor entsprechender Genehmigung zu beginnen.

Zürs Am Parkplatz vor der Flexen­arena, der im Winter vollgeparkt mit Autos von Ski-Tagesgästen ist, bleibt manch ein Autofahrer stehen. Kurz aussteigen und selbst ein Bild schießen vom im Zielbereich gut zwei Meter dicken Schneeband, auf dem am 26./27. November die Skistars um Weltcuppunkte fahren werden. Zumal es in den vergangenen Tagen, ja Wochen seitens des Naturschutzes, der Behörden und der Politik massive Kritik an den Vorarbeiten gegeben hat und gibt. Derweil wird in den nächsten Tagen bzw. Nächten, sofern sich die nötigen kalten Temperaturen einstellen, die Piste für die Rückkehr des Ski-Weltcups nach Vorarlberg und auch für den winterlichen Trainingsbetrieb des heimischen Nachwuchses fertiggestellt.

Derweil sehen sich die Betreiber der Flexenarena angesichts der nunmehr politischen Auseinandersetzung um den Bau der 380 m langen und im Startbereich steilen Strecke genötigt, ihre Vorgehensweise ins rechte Licht zu rücken. Dass bei Temperaturen knapp unter dem zweistelligen Plusbereich und Sonnenschein dabei auch das Wetter ein Thema war, wundert nicht. Vorrangig aber wurde nochmals Stellung zu den „drei Anzeigen, von fünf weiß ich nichts“ (Stefan Jochum) – die VN berichteten – bezogen und die Förderungsgelder des Landes angesprochen. Zumal LR Johannes Rauch hinsichtlich der Landesgelder ausdrücklich darauf hingewiesen hat, die Landesmittel in Höhe von 1,3 Millionen Euro zurückzufordern, sofern „wissentlich gesetzliche Vorgaben nicht erfüllt würden“. Damit, so der Umweltlandesrat weiter, sei in seinen Augen das „Recht auf Förderung verwirkt“. Allerdings, und das hat er in einer Anfrage der Abgeordneten Nadine Kasper (Grüne) ausdrücklich festgehalten, werde die Auszahlung seitens des Landes, wie für größere Förderungen von Infrastrukturprojekten üblich, über mehrere Jahre verteilt. Die erste Tranche wird demnach erst 2021 ausbezahlt werden. Dann gebe es auch die erste Rechnungsstellung, wie Peter Scrivener, der Stefan Jochum als Geschäftsführer der Sportstätte Lech Zürs GmbH folgen wird, sagt.

Zeitfenster knapp bemessen

Jochum selbst, seit gut drei Wochen als neuer Bürgermeister in Lech im Amt, betont anlässlich einer Begehung der Flexenarena noch einmal den Zeitdruck, der nach dem Ende der Planungphase im März und dem unmittelbar folgenden Lockdown aufgrund der Coronavirus-Pandemie geherrscht habe, für die Arbeiten an der Weltcup- und Trainingsstrecke. Dass dies nicht immer terminkonform mit den erteilten Fristen bzw. Bewilligungen passierte, sei man sich zwar bewusst. Den Vorwurf, wissentlich Strafen in Kauf genommen zu haben, will Jochum, der sein Amt als Geschäftsführer der Sportstätte Lech Zürs übergeben hat, so nicht stehen und unkommentiert lassen. Zumal die Flutlichtanlage naturschutzrechtlich verhandelt und genehmigt worden sei. „Es war immer die Rede davon, Teile dieser Anlage nur temporär zu errichten und nach dem Rennen wieder zu entfernen“, führte Jochum aus. „Es war klar, dass nur die Masten für den Betrieb der Trainingsstrecke bleiben und diese nach der Skisaison abgebaut werden.“ Als im Zuge der Projektplanung aber festgestellt wurde, dass aus Sicherheitsgründen Fundamente für verbleibende Masten notwendig sind. Die Anträge dafür seien bei der Gemeinde Lech eingereicht wurden. Hingegen gibt es laut Jochum bereits einen Bescheid der Gemeinde für die Beleuchtung der Weltcuprennen nach dem Veranstaltungsgesetz. Und die Finanzen betreffend verwies er darauf, dass die Projektbetreiber für das 2,7-Mio.-Euro-Projekt selbst noch rund 800.000 Euro aus Sponsorengeldern zur Abdeckung der Kosten zu lukrieren hätten. VN-cha

Von links: Philipp Zangerl, Stefan Jochum, Walter Hlebayna und Peter Scrivener.
Von links: Philipp Zangerl, Stefan Jochum, Walter Hlebayna und Peter Scrivener.
Walter Hlebayna (r.) erklärt die Typographie der Strecke.
Walter Hlebayna (r.) erklärt die Typographie der Strecke.

Ein Interview mit VSV-Präsident Walter Hlebayna ist auf VN.at zu sehen.

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