„Krankls Vergleich ist eine Beleidigung für Rugbyspieler“

Sport / 13.11.2020 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Aufgebracht: Hans Krankl (l.), Markus Kiesenebner und Emanuel Pogatetz (r.) mit Referee Mark Shield.gepa
Aufgebracht: Hans Krankl (l.), Markus Kiesenebner und Emanuel Pogatetz (r.) mit Referee Mark Shield.gepa

Nations League: Österreichs Nationalteam trifft am Sonntag (20.45 h) auf Nordirland.
Das Duell von 2004 ist vor allem dank der Aussagen des Ex-Teamchefs unvergessen.

Wien Es ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass es am Sonntag beim Nations-League-Spiel des österreichischen Nationalteams gegen Nordirland nicht so heiß zugehen wird, wie beim historischen 3:3 der beiden Teams im Herbst 2004 in Belfast. „Das ist Irre-Regulär“, sagte damals ÖFB-Teamchef Hans Krankl, nachdem Österreichs Team im Qualifikationsspiel für die WM 2006 in der 94. Minute noch den Ausgleich kassiert hatte. Legendär auch seine Aussage über das „Ungeheuer mit der Nummer 10, der a Rugbyspüla is und ka Fuaßboispüla.“

Nordirlands Nummer 10 von damals ist heute 45 Jahre alt – und heißt James Quinn. Die VN haben ihn in England aufgespürt – und er hat die andere, unbekannte Seite der Geschichte erzählt. „Also wenn mich Hans Krankl mit einem Rugbyspieler vergleicht, dann ist das eine Beleidigung für jeden Rugbyspieler. Das sind richtig zähe und harte Burschen. Ich habe in meiner Karriere viel ausgeteilt und eingesteckt, aber diesen Vergleich maße ich mir nicht an.“

Ein absolut emotionaler Abend

Für Quinn selbst war das Spiel gegen Österreich aber aus einem ganz anderen Grund ein Drama, das er bis heute nicht überwunden hat. „Ich bin kein emotionaler Mensch, ich weine nicht. Aber nach diesem Spiel bin ich das einzige Mal in meinem Leben heulend in der Kabine gesessen. Ich habe Gelb bekommen für ein Foul, das ein anderer Spieler begangen hat. Dadurch war ich im nächsten Spiel gesperrt. Und so musste ich zusehen, wie wir im Old Trafford in Manchester gegen England gespielt haben. Ich komme aus einer richtigen Arbeiterfamilie, bin in England geboren und aufgewachsen, habe auch als Profi noch mit meinem Vater auf der Baustelle gearbeitet. Meine gesamte Familie wäre bei diesem Spiel gewesen, die Nationalmannschaft war und ist sportlich das Ein und Alles für mich.“ Er teilt heute noch die Ansicht von Krankl, dass der australische Schiedsrichter Mark Shield völlig überfordert war. „Ohne ihn wäre das Spiel nicht so brutal geworden, und wir würden heute nicht darüber reden. Ich war nach dem Spiel beim Schiedsrichter in der Kabine. Er hat sich entschuldigt und wohl selbst gewusst, dass er mit der Partie völlig überfordert war.“

Sehr gut kann er sich der 50fache Nationalteamspieler noch an die Härte im Spiel erinnern. „Das war schon an der Grenze, aber als Stürmer hab’ ich mehr eingesteckt als ausgeteilt. Mein Fuß war am Tag nach dem Spiel drei Mal so groß wie normal und passte in keinen Schuh hinein. Ich habe als Legionär in den Niederlanden gespielt. Wir mussten, damals noch per SMS, unseren Klub sofort im Fall von Verletzungen informieren. Ich wollte das verheimlichen, um am Wochenende spielen zu können, fiel dann aber länger aus.“

„Ich komme nach Österreich“

Ein Versprechen hat er abgegeben. „Wenn Corona vorbei ist, dann komme ich nach Österreich. Schauen wir, wie die Leute im Pub reagieren, wenn ich sage, dass ich Nordirlands Nummer 10 bin, der ein Rugbyspieler und kein Fußballspieler ist . . .“

„I bin gezeichnet von an Match – 3:3 – des ma gwunna håbn.“

Heute ist James Quinn Coach bei Soilhull Moors FC, einem Klub in den . . .
Heute ist James Quinn Coach bei Soilhull Moors FC, einem Klub in den . . .
. . . West Midlands. Das Bild von 2004 zeigt ihn im Duell mit Andreas Ibertsberger.Solihull/gepa
. . . West Midlands. Das Bild von 2004 zeigt ihn im Duell mit Andreas Ibertsberger.Solihull/gepa

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