Maradonas Tod vereint die Welt im Schmerz

Sport / 26.11.2020 • 22:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Argentiniens verstorbenes Fußball-Idol Diego Maradona wurde bereits auf dem Friedhof der Gemeinde Bellavista im Nordwesten von Buenos Aires beigesetzt.Reuters
Argentiniens verstorbenes Fußball-Idol Diego Maradona wurde bereits auf dem Friedhof der Gemeinde Bellavista im Nordwesten von Buenos Aires beigesetzt.Reuters

Die Trauer um Argentiniens
Fußball-Ikone verbindet Fans weltweit.

Buenos Aires Der weinende River Plate-Anhänger, der von verfeindeten Boca-Juniors-Fans tröstend in den Arm genommen wird. Tausende Argentinier, die am blauweiß erleuchteten Obelisken inmitten von Buenos Aires gleichgesinnt singen. Das Antlitz Diego Maradonas auf einer Hauswand in Neapel im Schein bengalischer Feuer. Zwei Städte, nein, die Welt ist seit Mittwoch in Schmerz und Trauer um den größten Fußballer einer Epoche vereint.

Am Tag danach pilgerten Trauernde weit vor Toröffnung zur Casa Rosada, dem rosafarbenen Präsidentenpalast in Argentiniens Hauptstadt. Die Regierung rechnet mit einer Million, die sich von ihrem dort aufgebahrten, an einem Herz- und Atemstillstand verstorbenen Idol verabschieden wollen. Auf dem Balkon der Residenz hatte sich Maradona 1986 als Weltmeister feiern, aber auch 1990 nach dem verlorenen Finale trösten lassen.

Der Linksfuß, glühender Verfechter des kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro, der ebenfalls an einem 25. November (2016) verstarb, wurde am Mittwoch leblos in seinem Bett vorgefunden. Akute Herzinsuffizienz ergab die Autopsie, zudem ein daraus resultierendes Lungenödem. Nach dem Notruf standen neun Rettungswagen vor seinem neuen Anwesen in Tigres. Keiner hätte rechtzeitig herbeieilen können.

Und während die Prominenz noch ihrer Trauer in mitfühlenden Worten freien Lauf ließ, gehörte Maradona bereits dem Fußball-Fußvolk. An jedem anderen Tag hätte der River-Plate-Fan mit seinem Sonnenhut in rot-weißen Vereinsfarben am Haupteingang des Boca-Tempels La Bombonera Prügel bezogen, doch diesmal war er jedoch begehrtes Selfie-Motiv. Weil, wie bei vielen seiner Landsleute, die Tränen kullerten.

Stadion soll umbenannt werden

In Neapel, wo Maradona mit dem SSC 1987 und 1990 die Meisterschaft und 1989 den UEFA-Cup gewann, strömten die Menschen trotz coronabedingter Ausgangssperre auf die Straßen, Fans zündeten Knallkörper und bengalische Feuer. Das Stadio San Paolo soll gar in Stadio Diego Armando Maradona umbenannt werden. In Buenos Aires hielt La 12, Bocas berüchtigter Fanklub, lautstark Totenwache am Plaza de Mayo.

Kurioserweise spiegelten die letzten Tage Maradonas Auf und Ab im Leben zwischen Fußballkunst, Starkult und Drogensumpf wider. Am 30. Oktober, als er 60 wurde, trat er letztmals öffentlich auf, erbärmlich torkelnd, um Worte ringend. Darauf folgte die Einlieferung in ein Krankenhaus, eine Not-OP am Hirn, die schnelle Entlassung, der Umzug in ein neues Heim, die Zuversicht aller – Familie, Ärzte, Fans – auf eine erneut schnelle Genesung.

Doch die Abschottung während der Pandemie, die Tabletten gegen seine Schlafstörung, die gleichzeitig mit Alkohol besänftigte Depression gaben dem schon vom langjährigen Drogenkonsum und einem wegen Fettsucht gelegten Magen-Bypass angeschlagenen Künstler am Ball – und mehr konnte er auch nie – den Rest.

Diego Armando Maradona Franco ist tot. Ein Herz- und Atemstillstand. Nicht auf dem Fußballplatz, nach keiner Drogenorgie, fernab eines überbordenden Gefühlsrausches, vielmehr schlafend im Bett. Am Ende war „D10s“, der Fußball-Gott mit der Zehn auf dem Rücken, doch ein Normalsterblicher.

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