Freudentränen bei Liensberger

Sport / 21.03.2021 • 20:36 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Im Slalom in dieser Saison eine Klasse für sich. Der Lohn für Katharina Liensberger ist die kleine Kristallkugel.gepa
Im Slalom in dieser Saison eine Klasse für sich. Der Lohn für Katharina Liensberger ist die kleine Kristallkugel.gepa

Zweiter Weltcup-Slalomsieg und Gewinn der kleinen Kristallkugel für die Weltmeisterin.

Lenzerheide Die Siegerehrung nach dem Gewinn ihrer ersten Slalom-Kugel im alpinen Ski-Weltcup war durchaus eine bewegte für Katharina Liensberger. „Ich habe Freudentränen gehabt. Es ist schon sehr emotional das Ganze, wenn man für etwas so lange arbeitet und oft auch Tiefschläge und Rückschläge kriegt“, betonte die 23-Jährige. Ihre Konkurrentinnen überhäuften sie mit Lob. „Sie ist die beste Slalomfahrerin der Welt. Ich habe keine Worte“, sagte die Gesamtsiegerin Petra Vlhova.

„Es war für mich nicht immer leicht. Aber doch habe ich nie die Hoffnung aufgegeben und immer daran geglaubt, dass irgendwann alles zurückkommt im Leben“, erläuterte Liensberger, auf der zu Beginn der Vorsaison der Materialstreit lastete. In den neun Rennen in dieser Saison stand sie achtmal auf dem Podest, einzig in Jasna verpasste sie dieses als Vierte. Viermal musste sie sich mit Platz zwei zufriedengeben. In Semmering fehlten ihr Ende Dezember elf Hundertstelsekunden auf den Sieg, in Zagreb sogar nur fünf.

Konstanz und Durchhaltevermögen

Bei der Weltmeisterschaft in Cortina d‘Ampezzo schlug Liensberger dann zu – und das gleich doppelt: Gold im Slalom und unter kuriosen Umständen im Parallel-Einzel. „Die WM war vielleicht auch ein bisschen überraschend für manche, weil es nur ein einziges Rennen, ein einziger Tag ist“, erklärte sie. „Oft könnte man meinen, ab und zu gibt es gute Tage, ab und zu gibt es nicht so gute Tage. Aber schlussendlich zeigt die Slalom-Kristallkugel jeden Tag von einer Saison. Das ist das, auf das ich hingearbeitet habe. Dass ich so stark abschließen kann, ist bezaubernd.“

Die Kugel spiegle „das große Ganze“ wider. „Die Konstanz und die Ausdauer, das Durchhaltevermögen, das zeigt sich auf jeden Fall, weil es einfach über einen längeren Zeitraum ist“, meinte die Vorarlbergerin in Lenzerheide. Auch Mikaela Shiffrin, dieses Jahr Zweite im Slalom-Weltcup, unterstrich dies. „Sie hat eine außergewöhnliche Konstanz und ihr höchstes Level ist das höchste von allen. Es ist unglaublich verdient, dass sie in diesem Jahr die Kugel gewinnt“, urteilte die US-Amerikanerin und ergänzte: „Es ist wirklich toll, ihr Skifahren im Moment zu sehen.“

Damen-Rennsportleiter Christian Mitter verwies auf die mentale Stärke der Göfnerin. „Das ist schon imponierend, jetzt wieder – ähnlich wie bei der WM – im zweiten Durchgang einen draufzusetzen“, sagte der Steirer und hob dazu die Zielstrebigkeit Liensbergers hervor: „Sie arbeitet immer an sich, sie lernt schnell. Sie möchte keine Zeit an irgendwelche unwichtige Sachen verschwenden, sondern arbeitet an der Essenz des Skifahrens. Das machen viele andere auch, aber sie bringt es halt dann auf den Punkt.“

Neues Ziel Gesamtweltcup

Keine Eile hat Liensberger bei einem anderen, noch größeren Traum: Gesamtweltcup. Um eine reelle Chance zu haben, müsste sie wohl auch Super-G und Abfahrt in ihr Programm aufnehmen, das „soll kommen, wenn der richtige Zeitpunkt ist“. Sie wisse, „dass es für Athletinnen, die eine ganze Saison über auch Speedrennen dazunehmen, wirklich eine sehr strenge Saison ist“. Eine ausgelaugte Vlhova, die heuer die große Kugel erstmals in die Slowakei brachte, konnte das bestätigen. „Ich werde mit meinen Trainern jetzt gut durchbesprechen, was macht Sinn, was macht keinen Sinn“, sagte Liensberger.

Vorerst aber galt es, den Moment zu genießen. Auch wenn die neue Leaderin im ÖSV-Damenteam im abschließenden Riesentorlauf durchaus ein wenig Müdigkeit verspürte. „Ich merke, dass ich jetzt körperlich am Ende bin. Ich habe alles gegeben heute, mehr war nicht drinnen“, sagte Liensberger, die erklärte, die ganze Saison über „viel Spaß“ gehabt zu haben. „Ich bin superhappy, froh und dankbar und stolz zugleich, dass mir das mit meinem Team gelungen ist und wir so großartige Momente zusammen erleben durften.“

Und einen dieser Momente teilte Vater Thomas Liensberger mit seiner Tochter. So setzte er sich nach dem ersten Durchgang im Damenslalom ins Auto und fuhr von Göfis nach Lenzerheide. „Ich habe es nicht mehr ausgehalten“, erzählte er. „Diese Saison ist wie ein Märchen“, lautete seine Bilanz nach dem Riesentorlauf, den er wieder via Fernsehen mitverfolgte.

Stellvertretend für den gesamten Skiverband gratuliere ich Katharina Liensberger und Alessandro „Izzy“ Hämmerle zu ihren außergewöhnlichen Leistungen, die sie über die gesamte Saison gezeigt haben. Ich bedanke mich bei den beiden, sie haben uns viel Spannung und natürlich auch viel Freude beschert. Allen Vereins- und Verbandsmitgliedern, allen Funktionärinnen, allen Helferinnen, Betreuerinnen und Trainerinnen haben die beiden gezeigt, wie wichtig es ist, dass alle Stufen, beginnend beim Elternhaus bis hin zur Nationalmannschaft, hervorragend funktionieren. Nur so können solche Erfolge auch zustande kommen. Liensberger und Hämmerle sind in den letzten Jahren zu großen Vorbildern für unsere Jugend geworden. Walter Hlebayna (55), VSV-Präsident

Stellvertretend für den gesamten Skiverband gratuliere ich Katharina Liensberger und Alessandro „Izzy“ Hämmerle zu ihren außergewöhnlichen Leistungen, die sie über die gesamte Saison gezeigt haben. Ich bedanke mich bei den beiden, sie haben uns viel Spannung und natürlich auch viel Freude beschert. Allen Vereins- und Verbandsmitgliedern, allen Funktionärinnen, allen Helferinnen, Betreuerinnen und Trainerinnen haben die beiden gezeigt, wie wichtig es ist, dass alle Stufen, beginnend beim Elternhaus bis hin zur Nationalmannschaft, hervorragend funktionieren. Nur so können solche Erfolge auch zustande kommen. Liensberger und Hämmerle sind in den letzten Jahren zu großen Vorbildern für unsere Jugend geworden. Walter Hlebayna (55), VSV-Präsident

Vorarlberger Weltcupsiege

Gesamt- bzw. Disziplinen-Weltcupsiege

Katharina Liensberger (23)
2020/21 (Slalom)

Anita Wacher (54)

1992/93 (Gesamt); 1989/90 und 1993/94 (Riesentorlauf); 1989/90, 1992/93 und 1995/96 (Kombination)

Wiltrud Drexel (70)

1968/69 (Abfahrt)

Marc Girardelli (57)

1984/85, 1985/86, 1988/89, 1990/91 und 1992/93 (Gesamt); 1988/89 und 1993/94 (Abfahrt); 1984/85 (Riesentorlauf); 1983/84, 1984/85 und 1990/91 (Slalom); 1988/89, 1990/91, 1992/93 und 1994/95 (Kombination)

Hubert Strolz (58)

1987/88 (Kombination)

Gerhard Nenning †

1968 (Abfahrt)