Marc Girardelli

Kommentar

Marc Girardelli

Ende gut, alles gut

Sport / 22.03.2021 • 23:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Nach einem höchst versöhnlichen Abschluss beim Finale in Lenzerheide darf man stolz auf alle unsere Athleten sein. Klammert man den sehr fragwürdigen Wert des Nationencups mal aus, hat sich das ÖSV-Team wirklich großartig geschlagen. Wer hätte das nach dem Saison Opening in Sölden auch nur ansatzweise erwartet? Niemand!

Bei den Herren waren schon im Vorjahr gute Ansätze zu erkennen, aber dass dann daraus gleich zwei kleine Glaskugeln resultieren, war nicht zu abzusehen. Mit etwas Glück hätte es auch noch die Abfahrtskugel für Matthias Mayer werden können. Dieser kleine Makel war sicherlich auch der unglaublich schwierigen Saison geschuldet. Corona hat alle Winkel unseres Lebens beeinträchtigt, und es erscheint wie ein Wunder, dass die Weltcup-Saison überhaupt so durchgeführt werden konnte. Hier muss man ausnahmsweise mal der FIS ein Lob aussprechen, die sehr professionell und flexibel gearbeitet hat. Natürlich gab es ein paar Verschiebungen und Absagen, im Großen und Ganzen war das alles in der Toleranz, wie in den Jahren zuvor auch.

Die Krönung dieses Winters sollte ein Ereignis mit Vorarlberger Prägung werden. Katherina Liensberger ist zum großen Star des Weltcups aufgestiegen. Mit anfänglichen Top-Drei-Plätzen erregte sie Aufmerksamkeit. Dann verpasste sie einige Male den Sieg um Haaresbreite, und sie wurde ein Faktor in der internationalen Presse.

Dann kam Cortina

Was hier geschah, hatte es bisher noch nie in dieser Art gegeben. Kathi gewann souverän den Slalom gegen eine Vlhová in Hochform und heimste dazu noch Gold im Parallelbewerb und Bronze im Riesenslalom ein. Sie hat damit das ÖSV-Damenteam im Alleingang aus seiner größten Krise geführt.

Für das Saisonfinale standen ihre Chancen für die Slalomkugel zu diesem Zeitpunkt schlecht. Der Punkterückstand auf die beiden Dominatorinnen Vlhová und Shiffrin war einfach zu groß. Dann kam Aare mit miserablen Pisten- und Wetterbedingungen. Wer hier die Erfahrung der beiden großen Damen im Weltcup als Erfolgsgarant wertete, hatte nicht mit Katharina Liensberger gerechnet. Mit ihrer Leichtigkeit und Unbeschwertheit entwaffnete sie Vlhová und Shiffrin richtiggehend.

Genauso tat sie es beim Finale in Lenzerheide. Es gab nie einen Zweifel daran, wer hier gewinnen würde. Zumal der Druck für Vlhová am Ende der Saison schlichtweg zu groß war. Trotz des Gewinns des Gesamtweltcups haderte sie sichtbar über ihre Niederlage im Slalomweltcup gegen Kathi. Ein symbolischer Ritterschlag von einer der Größten im Sport.

Liebe Katharina, danke für die vielen großartigen Momente in diesem Winter!

„Katharina Liensberger hat das ÖSV-Damenteam im Alleingang aus seiner größten Kriste geführt.“

Marc Girardelli

sport@vn.at

Marc Girardelli zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten alpinen Rennläufern im Skizirkus.

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