Zu früh loslassen geht gar nicht

Sport / 26.03.2021 • 19:04 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der älteste im Fahrerfeld, der Finne Kimi Räikkönen.afp/gepa
Der älteste im Fahrerfeld, der Finne Kimi Räikkönen.afp/gepa

Auch mit 40 Jahren lockt die Königsklasse. Alonso und Räikkönen debütierten vor 20 Jahren.

Sakhir Yuki Tsunoda (20) ist einer von drei Debütanten in der am Sonntag (17 Uhr) beginnenden Formel-1-Saison und der jüngste Pilot auf dem Bahrain International Circuit. Als er gerade zehn Monate alt war, begann im März 2001 ebenfalls ein Grand-Prix-Jahr. Mit vier Debütanten namens Alonso, Bernoldi, Montoya und Räikkönen.

Jetzt sind zwei davon wieder oder noch immer in der Formel 1. Dabei haben sie das höchste Ziel schon erreicht: Fernando Alonso (ESP) als Weltmeister 2005 und 2006, Kimi Räikkönen (FIN) als Champion unmittelbar darauf (der letzte für die Rote Scuderia).

Die Formel 1 lockt wieder

Der Finne hatte Spaß auf Rallyepfaden, doch die Erfüllung war es nicht. Der Asturier hat nach zwei Versuchen in Indianapolis dort noch etwas zu erledigen, aber das muss jetzt warten. Und in seinem Formel-1-Sabbatical gewann er en passant einen WM-Titel auf der Langstrecke und zwei Mal in Le Mans.

Räikkönen ist 41, Alonso wird im Juli 40. Zu alt für die Formel 1? Experten sehen das nicht so. „Wer alt und gut ist, ist gut genug“, formuliert es David Coulthard – der selbst heute 50 Jahre alt wird und in Räikkönens und Alonsos Debütjahr als Vizeweltmeister hinter Michael Schumacher seine beste Saison hatte. Über Alonso sagt er: „Fernando sieht seine Mission noch unerfüllt. Er will es nochmals wissen.“ Zu Räikkönen meint Coulthard, der ihn aus gemeinsamer Mercedes-Zeit bestens kennt: Mit seiner Erfahrung ist er für Alfa-Sauber enorm wichtig.“ Dass der „Iceman“ bei Laune bleiben könnte, darauf deuten auch die Testzeiten hin: Mit der Aero-Beschränkung heuer (Unterboden) waren alle Teams im Test langsamer als beim GP im November – doch Alfa-Sauber „verlor“ am geringsten, scheint Fortschritte gemacht zu haben.

Viel Erfahrung und Speed

Von einem starken Alonso im auf Alpine umgetauften Renault ist auch Weltmeister-Macher Toto Wolff überzeugt: „Er ist einer der begabtesten Fahrer und einer der stärksten Kämpfer, er wird konkurrenzfähig sein. Der will zeigen, dass er es noch kann.“ Da stimmt auch der Tiroler Ex-F1-Pilot Karl Wendlinger zu: „Alonso ist fahrerisch noch immer einer der Besten. Und er ist ein Typ. Die Formel 1 braucht dringend Typen! Man kann sagen: Er nimmt einem Jungen den Platz weg. Aber ein Junger, der richtig gut ist, wird seinen Weg machen.“

Räikkönen wird für Alfa-Sauber vor allem durch Erfahrung und Speed wertvoll sein. Vor seinem 331. Grand Prix bekennt er: „Ich habe die Rennen in der Winterpause vermisst, obwohl sie kürzer war. Testen ist okay, aber was zählt, sind Rad-an-Rad-Kämpfe.“ Das klingt nicht nach F1-Überdruss.

Alonso muss noch mehr Verantwortung übernehmen. Denn er ist das Aushängeschild des auf Alpine umgemodelten Renault-Teams. Dass dies möglich wurde, war dem neuen Konzernchef Luca de Meo (53 – führte Seat in die Erfolgsspur) zu verdanken, der als Rennsportfan gilt und die erst 2016 wieder aktivierte Traditionsmarke Alpine ordentlich pushen will. „Renault ist seit 44 Jahren in der Formel 1, als Motorhersteller oder mit Auto und Motor. Als ich den Konzern übernahm, wollte ich nicht der sein, der diese Geschichte beendet.“ Rund um Routinier Alonso und Nachwuchsmann Esteban Ocon wurde eine komplett neue Teamführung als Dreigestirn mit Manager Laurent Rossi (dem Alpine-Markenchef), Sportleiter Davide Brivio (der vom MotoGP-Weltmeister Suzuki wechselte) und Techniker Marcin Budkowski installiert.

Der Angriff der jungen Wilden

„Seit ich für Alpine unterschrieb, habe ich viel physische und mentale Energie in dieses Projekt investiert. Ich lernte sehr viel in den Jahren abseits der Formel 1. Ich bin für eine herausfordernde Saison voll motiviert“, gibt Alonso vor seinem 313. Grand Prix zu Protokoll. Auch er scheint „heiß“ zu sein.

Was Räikkönen und Alonso gemeinsam mit Weltmeister Lewis Hamilton (36) als Oldie-Trio gegen den Rest, von dem elf Gegner 25 oder jünger sind, ausrichten werden, verspricht Spannung in der neuen Saison. Und es stellen sich zwei Fragen: Ob Yuki Tsunoda in 20 Jahren auch noch Formel 1 fährt? Und ob es sie dann noch gibt?

„Die Frage nach meinem Alter überrascht mich ein bisschen. So alt bin ich doch gar nicht.“