„Das anspruchsvollste Auto meiner Karriere“

Sport / 09.04.2021 • 22:26 Uhr / 7 Minuten Lesezeit

Der dreifache DTM-Champion geht nun in der Formel E auf Trophäenjagd.

Rom Der Wahlbregenzer Rene Rast nahm sich im Vorfeld des Rennwochenendes in der Formel E in Rom Zeit für die VN, um Einblicke in sein neues Betätigungsfeld zu geben. Der 34-jährige Deutsche tauschte den Benzinmotor gegen einen Elektromotor, kehrte nach vier Jahren der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft (DTM) den Rücken und fährt nun für Audi in der Formel E.

Herr Rast, mit wie viel Wehmut haben Sie nach den vielen Erfolgen Abschied von der DTM genommen?

Rast Mit wenig, um ehrlich zu sein. Die DTM war Zeit meines Lebens immer das große Ziel von mir. Nachdem ich es 2017 in die DTM schaffte, konnte ich mir mit drei Titeln und einem Vizetitel alle meine Träume erfüllen. Also alles erreicht und jetzt sehe ich die Formel E als neues Kapitel.

Sie hatten im letzten Jahr die Möglichkeit, sechs Rennen in Berlin in einem Formel E-Auto zu absolvieren. Haben Sie danach entschieden, heuer in der Formel E zu starten?

Rast Es war sehr gut für mich, dass ich diese sechs Rennen machen konnte. Für mich war es ein Versuch, zu sehen, ob ich auch in einem Formel-E-Rennauto schnell sein kann oder ob es mir überhaupt liegt. Das hat es, ich konnte sogar einmal aufs Podium fahren. Das hat die Entscheidung leichter gemacht.

Wie groß sind die Unterschiede zwischen den Rennautos der beiden Rennserien?

Rast Die sind groß. Eine komplexe Sache, weil ich in Rennen mit einem Formel E-Wagen nicht nur darauf schauen muss, schnell zu sein, sondern ich muss Energiemanagement betreiben. Die Energie ist ja, weil eben batteriebetrieben, limitiert und ich muss in den 45 Minuten im Rennen das Beste herausholen – und dazu auch schnell sein. Das alles macht die Sache sehr interessant.

Kann man sagen, dass Sie im Auto Teil eines überdimensionalen Computerprogramms sind?

Rast So weit würde ich nicht gehen. Am Ende muss ich ja das Auto fahren. Aber klar, das Auto beinhaltet viele Softwaresysteme, die ich bedienen muss. Bedeutet, man muss sehr viel Arbeit in einen Formel-E-Boliden investieren als Fahrer.

Wie sehr kommt Ihnen da Ihr Ruf als Perfektionist zugute?

Rast Sehr, ich liebe es, im und am Detail zu arbeiten. Die Crux an der Sache ist aber, dass ein Renntag kurz ist. Da bleibt nicht viel Zeit, um zu tüfteln. Die große Arbeit geschieht dann unter der Woche im Simulator.

Was macht die Formel E in ihren Augen aus?

Rast Mit dieser Rennserie hat man den Trend der Zeit getroffen. E-Mobilität ist überall ein großes Thema. Mit der Formel E versucht man, noch mehr Aufmerksamkeit für dieses Thema zu bekommen, damit sich die Leute noch besser damit identifizieren können. Die Rennserie erzeugt somit Nähe zu den Menschen. Für mich selbst kann ich nur sagen: Das ist das anspruchsvollste Auto, in dem ich in meiner Karriere gesessen bin.

Dann passt es gut, dass man die Rennen auf Stadtkursen durchführt.

Rast Das ist eine coole Sache, auf der ganzen Welt in Städten zwischen den Wohnhäusern zu fahren. Oder wie jetzt in Rom unweit vom Kolloseum. Dazu sind die Stadtkurse enorm herausfordernd, keine 08/15-Rennen. Jede Strecke hat seine Eigenheiten, die es zu bewältigen gilt.

Parallel zu Ihrem Einstieg in die DTM 2016 sind Sie auch nach Vorarlberg gezogen. Ihr Resümee bis dato?

Rast Meine Familie und ich haben uns vom ersten Tag an hier wohlgefühlt. Wir haben vor zwei Jahren ein Haus in Bregenz bezogen, mein Sohn geht hier zur Schule und unser Ziel ist es, im Ländle zu bleiben. Mir gefällt es, wie die Leute hier miteinander umgehen, dazu ist die Lebensqualität mit dem Bodensee und den Bergen super. Schön langsam kommen wir auch mit den Dialekten klar, weil wir uns hier einen großen Freundeskreis aufbauen konnten.

Im Bodenseeraum leben viele weitere Motorsportler. Tauschen Sie sich mit denen auch in Ihrer Freizeit aus?

Rast Man kennt sich natürlich, aber eigentlich fahren wir unterschiedliche Rennserien. Deshalb hält sich der Kontakt in Grenzen. Ich persönlich trenne gerne Arbeit von Freizeit. Es tut gut, wenn man nachhause kommt und etwas Abstand vom Motorsport nehmen kann. Aber natürlich gab es schon mal das eine oder andere Treffen

Wie schaut langfristig Ihre sportliche Zukunft aus? Stichwort Le Mans oder Rallye Dakar.

Rast Erstmal steht die Formel E im Fokus. Da wollen wir mit Audi konkurrenzfähig sein. Auch schon heute in Rom, was allein schon schwer genug ist. Le Mans ist bei mir sicher ein großes Thema. Ein Sieg in Le Mans steht ganz fett auf meiner Liste. Laut Plan will Audi 2023 dort antreten und da mache ich mir schon Hoffnungen, Teil dieses Teams zu sein. Rallye ist ein ganz anderes Terrain, in dem ich mich aktuell nicht sehe. Aber sag niemals nie, wer weiß was noch kommt.

Wie haben Sie den Tod von Walter Lechner aufgenommen? Er war in Ihrer Karriere doch eine prägende Figur.

Rast Das war eine sehr traurige Nachricht, die mich sehr betroffen gemacht hat. Ich verdanke Walter sehr viel. Er hat mir eine Chance gegeben, im Lechner Racing Team und ich konnte mich unter seiner Führung weiterentwickeln. Ich durfte unter ihm Titel im Porsche Supercup feiern, wir hatten eine schöne Zeit. Gerne hätte ich nochmal mit ihm gesprochen. Wir hatten, vor allem nach meinen Siegen in der DTM, immer tolle Gespräche.

Abschließend: Sie kommen aus Frankfurt, wo der Altacher Adi Hütter gerade Erfolge mit der Eintracht feiert. Verfolgen Sie das?

Rast Da muss ich Sie enttäuschen. Ich hatte und habe keinen Kontakt mit Fußball. Daher kann ich dazu wirklich nichts sagen.

Zur Person

Rene Rast

Der deutsche Rennfahrer machte sich in der DTM in kurzer Zeit zu einer Legende. Nun fährt er in der Formel E.

Geboren 26. 10. 1986 in Minden (D)

Familie in Partnerschaft, ein Sohn

WohnortBregenz (seit 2016)

Laufbahn verschiedene Rennserien (2005 bis 2016), DTM (2017 bis 2020), Formel E (2021)

Erfolge DTM-Meister (2017, 2019, 2020)