Thiem und Djokovic vor der Haustür

Sport / 12.04.2021 • 21:08 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der Dornbirner Philipp Oswald hat eine realistische Chance, beim Finalturnier in Innsbruck dabei zu sein. Letztmals war der 35-jährige Doppelspezialist beim 3:1-Erfolg im April 2018 in Moskau gegen Russland im Davis-Cup-Team im Einsatz.GEPA
Der Dornbirner Philipp Oswald hat eine realistische Chance, beim Finalturnier in Innsbruck dabei zu sein. Letztmals war der 35-jährige Doppelspezialist beim 3:1-Erfolg im April 2018 in Moskau gegen Russland im Davis-Cup-Team im Einsatz.GEPA

Innsbruck mit Madrid und Turin Ende November Schauplatz des Davis-Cup-Finalturniers.

Innsbruck „Das wird ein sportliches Großereignis, vergleichbar mit der Fußball-EURO 2008 in Österreich. Dass wir im Fernduell gegenüber London und Glasgow den Vorzug erhalten haben, kann man als kleine Sensation bezeichnen“, betonte ÖTV-Präsident Magnus Brunner. Knapp sechs Monate nach der Übernahme der Präsidentschaft im Österreichischen Tennisverband (ÖTV) darf sich der 48-jährige Bregenzer über einen historischen Erfolg abseits des Tennisplatzes freuen. Neben Madrid und Turin wurde Innsbruck als Schauplatz des Finalturniers im Davis Cup auserkoren. Ab 25. November werden im wichtigsten Bewerb für Nationalteams im Herrentennis unter anderem Dominic Thiem, Novak Djokovic oder Alexander Zverev in der rund 7000 Zuschauer fassenden Olympiaworld zu bestaunen sein. In jeder der drei Städte werden jeweils zwei Dreiergruppen in der Vorrunde sowie ein Viertelfinale ausgetragen. In Madrid finden zusätzlich die Halbfinals und das Endspiel statt.

Österreich hat sich im März 2020 mit einem 3:1-Heimsieg in Graz gegen Uruguay für die Finalrunde qualifiziert und trifft in der Gruppe F auf Serbien und Deutschland. Parallel dazu duellieren sich in der Gruppe C Frankreich, Großbritannien und Tschechien. Die jeweiligen Gruppensieger und die besten zwei Zweitplatzierten der sechs Pools qualifizieren sich für die K.-o.-Runde. Der genaue Spielplan wird Mitte Mai in Madrid ausgelost.

Der Nationenvergleich war 2020 wegen der Coronapandemie ausgefallen, in diesem Jahr wird die Veranstaltung von ursprünglich sieben auf elf Tage ausgedehnt und geht bis zum 5. Dezember. Die Änderungsvorschläge kamen von der Investmentfirma Kosmos um Fußballstar Gerard Piqué, die die reformierte Veranstaltung seit 2019 finanziert.

Durch die Anpassungen wurde der Spielplan entzerrt, der bei der Premiere 2019 aus allen Nähten geplatzt war. So endete die Vorrundenpartie zwischen den USA und Italien erst um 4.04 Uhr nachts. Ab dem Jahr 2022 soll die Endrunde von 18 auf 16 teilnehmende Teams reduziert werden.

Gesamtbudget sechs Millionen

Maßgeblichen Einfluss für den Zuschlag für die vom ÖTV zusammen mit Herwig Straka (Geschäftsführer Agentur e|motion) geplante Veranstaltung hatten laut Brunner „die geografische Lage im Herzen Europas“, das „Tiroler Konzept mit der Gastfreundschaft“ und „die ideale Höhenlage“, da die Entscheidung in Madrid unter ähnlichen Voraussetzungen fällt.

Die Budgetsumme des Events liegt laut Straka bei knapp sechs Millionen Euro. Der Anteil des Bundes daran beträgt laut Sportminister Werner Kogler 1,5 Millionen, dazu kommen die Landesförderung und der Zuschuss von der Tirol Werbung mit insgesamt zwei Millionen. „Wir sind bei der Bewerbung aus finanzieller Sicht an unsere Grenzen gegangen“, betont Brunner. „Für den österreichischen Tennissport ist das natürlich genial. Es ist eine vielleicht einmalige Möglichkeit für unsere Fans, Weltklassetennis vor der Haustüre zu sehen, und soll den Tennissport weiter beflügeln.“

Nicht zuletzt wegen der Hammergruppe könnte laut Brunner der Heimvorteil den Unterschied ausmachen. „Ich gehe davon aus, dass beide Gegner in stärkster Formation antreten werden. Nicht zuletzt deshalb wäre das Erreichen des Viertelfinales genial und eine historische Leistung.“

Gelingen soll das mit der Unterstützung des Publikums, wo nicht zuletzt wegen der geografischen Nähe der Gegner mit einer Auslastung von 50 bis 75 Prozent gerechnet wird. „Wir hoffen natürlich alle, dass vor Zuschauern gespielt werden kann“, so Sportminister Kogler, der ergänzte: „Möglicherweise wird dies aber mit Einschränkungen verbunden sein.“

Mit Philipp Oswald könnte ein „Lokalmatador“ aus dem Westen im ÖTV-Team aufscheinen. „An mir soll es nicht liegen. Für mich wäre es auf jeden Fall eine Ehre, dabei zu sein“, betonte der Doppelspezialist aus Dornbirn. VN-JD

„Der Zuschlag ist der Hammer und mit der Fußball-EM 2008 vergleichbar.“

Der Dornbirner Philipp Oswald hat eine realistische Chance, beim Finalturnier in Innsbruck dabei zu sein. Letztmals war der 35-jährige Doppelspezialist beim 3:1-Erfolg im April 2018 in Moskau gegen Russland im Davis-Cup-Team im Einsatz.GEPA
Der Dornbirner Philipp Oswald hat eine realistische Chance, beim Finalturnier in Innsbruck dabei zu sein. Letztmals war der 35-jährige Doppelspezialist beim 3:1-Erfolg im April 2018 in Moskau gegen Russland im Davis-Cup-Team im Einsatz.GEPA

Tennis

Davic-Cup-Finalturnier 2021

Gruppenphase, 25. bis 30. November

Spielort Madrid

Gruppe A: Spanien (TV, Nr. 3 aktuelles Davis-Cup-Ranking), Russland (13.) und Ecuador (24.)

Gruppe B: Kanada (6., Finalist 2019), Kasachstan (12.) und Schweden (14.)

Spielort Innsbruck

Gruppe C: Frankreich (1.), Großbritannien (10.) und Tschechien (18.)

Gruppe F: Serbien (7.), Deutschland (8.) und Österreich (15.)

Spielort Turin

Gruppe D: Kroatien (2.), Australien (11.) und Ungarn (23.)

Gruppe E: USA (5., mit 32 Titeln Rekordsieger), Italien (9.) und Kolumbien (19.)

Viertelfinale

Erster Gruppe A – einen der zwei Gruppenzweiten*

Erster Gruppe B – einen der zwei Gruppenzweiten*

Erster Gruppe C – Erster Gruppe F**

Erster Gruppe D – Erster Gruppe E***

*… Madrid; **…Innsbruck; ***… Turin

Halbfinale und Finale (5. Dezember) in Madrid