Würdiger Derbysieger

Sport / 14.04.2021 • 23:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Würdiger Derbysieger

Ich muss eingestehen, dass ich dieses klare Ergebnis im Derby zwischen dem FC Dornbirn und Austria Lustenau nicht erwartet habe. Zumal der 2:0-Erfolg der Rothosen kein Zufallsprodukt war, sondern durch eine taktisch starke Leistung, eine hohe Laufbereitschaft, Aggressivität und Siegeswille zustande kam. Der FC Dornbirn hat mich als Mannschaft mehr überzeugen können als der Gegner und er hat der Austria aufgezeigt, wie mit einfachem und geradlinigem Fussball Spiele entschieden werden können.

Beide Teams agierten im zweiten Ländle-Duell mit einer Dreierkette: Dornbirns Coach Markus Mader setzte auf seine bewährte 5-4-1-Grundordnung, die sich in der Offensive meist zu einem 3-4-3 veränderte. Austria-Trainer Alexander Kiene vertraute ebenfalls auf eine Dreierkette und ließ in einem 3-5-2 agieren. Bei diesem System sind die Flügel tendenziell schwächer besetzt, außer es bespielen zwei absolute Laufmaschinen auf dieser Position. Dafür ist das Zentrum kompakt. Für mich war in dieser Konstellation der Brasilianer Wallace eine Fehlbesetzung auf der Zehnerposition. Der 22-Jährige wirkte wie ein Fremdkörper und konnte nur wenige Akzente nach vorne setzen. Er hat seine Stärken klar über die Außenbahn und hätte seinem Team dort sicher mehr bringen können. Der Spielaufbau der Austria aus der Dreierkette ins Zentrum verlief zudem zu statisch. Mir fehlten die Rotationen und Freilaufbewegungen der zentralen Mittelfeldspieler. Über die hohen Außenspieler wurde der Weg nach vorne zu selten gesucht. Dadurch war die Austria sehr berechenbar. Und wie schon gegen die Young Violets hat mir das Gesamtbild der Grün-Weißen nicht gefallen. Bei den Gegentoren etwa war das Zweikampfverhalten erneut erschreckend. Zudem gibt einem die Truppe das Gefühl, dass auf dem Platz nicht jeder für jeden alles gibt. Auch die Systemumstellung (4-2-3-1) nach einer Stunde brachte keinen Erfolg. Natürlich fehlten der Kiene-Elf wichtige Spieler, das sollte aber keine Ausrede sein, zumal bei Dornbirn auch Stützen fehlten.

Mein Fazit: Die Messestädter durften nach 90 Derbyminuten zurecht jubeln. Die Heimelf war sehr gut organisiert und setzte immer wieder gefährliche Nadelstiche in der Offensive. Der Schlüssel zum Erfolg war aber sicher die Arbeit gegen den Ball sowie das gute Verhalten in der Defensive. Nach der Pause, mit der 2:0-Führung im Rücken, hielt zusehends die Lockerheit Einzug ins Spiel der Mader-Elf. Bei mehr Effizienz im Konterspiel der Rothosen hätte die Niederlage für die Austria noch schlimmer ausgehen können. Und: Doppeltorschütze Tom Zimmerschied war für mich „Man oft the Match“.

Dieter Alge (55) ist Fußballtrainer mit Erfahrung im Profi-, Amateur- und Nachwuchsbereich.