So kämpft Austria Lustenau um die Lizenz

Sport / 17.04.2021 • 05:55 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Lustenaus Bürgermeister tut alles in seiner Macht stehende, um die Austria in Sachen Lizenz zu unterstützen.<span class="copyright">Hartinger</span>
Lustenaus Bürgermeister tut alles in seiner Macht stehende, um die Austria in Sachen Lizenz zu unterstützen.Hartinger

Im Lager von Austria Lustenau arbeitet man mit Hochdruck am wirtschaftlichen Fortbestand.

Lustenau Die Aufregung bezüglich der Verweigerung der Lizenz für Austria Lustenau schlug in den letzten Tagen hohe Wellen. Seit Montag sind die Vereinsverantortlichen im Dauereinsatz, um noch die fehlenden Unterlagen für die Einreichung eines Protest des Eintscheides am Dienstag in Wien beim Protestkomitee auf die Beine zu stellen. Die Crux an der Geschichte: Es steht und fällt mit dem geplanten Projekt des Stadionbaus. Bekommt die Austria nicht den Beleg für eine Baueinreichung des Projektes, in das bereits rund 800.000 Euro geflossen sind, schaut es in der Vereinskasse und dem Budget für die nächste Saison zappenduster aus. Grund dafür ist ein Belohnungsystem der Bundesliga, die der Austria 230.000 Euro pro Saison zusprechen würde, wenn dem Antrag einer Lizenz für die höchste Liga stattgegeben wird. Das beinhaltet aber eben ein bundesligataugliches Stadion bzw. den Nachweis, in naher Zukunft Adaptierungen am Planet Pure Stadion durchzuführen. Bei der Austria noch nicht passiert, daher fehlen Stand jetzt 460.000 Euro.

„Wir werden dem Protestschreiben der Austria einen Gemeindebeschluss beilegen.“

Kurt Fischer, Bürgermeister Lustenau

Hilfestellung von allen Seiten

Ein Mann der Taten ist Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer, wenn es um den Sport in der Gemeinde und im besonderen um die Austria geht. Nicht nur, dass der 57-Jährige nach der Lizenzverweigerung durch den Senat 5 scharfe Worte in Richtung Bundesliga gefunden hatte, nunmehr hat er das knappe Zeitfenster – Protestfrist bis 21. April – genutzt, um mit dem Land Vorarlberg und den Klubverantwortlichen die Vorgangsweise zu besprechen. Im Mittelpunkt dabei die Stadionfrage. Und da zeichnet sich laut Fischer, auch dank der Unterstützung durch das Land, eine Lösung ab. „Wir werden dem Protestschreiben der Austria einen Gemeindebeschluss beilegen“, erklärt Fischer. In diesem sowohl die Förderzusage des Landes hinterlegt als auch der Beschluss der Gemeinde, hinsichtlich der wichtigen Kriterien in der Stadionfrage innert der Fristsetzung der Liga zu reagieren. Dabei geht es um die geforderten überdachten Sitzplätze ebenso wie um das beanstandete Flutlicht. „Wir werden diese Bauetappe im Gesamtplan entweder vorziehen oder gegebenfalls eine rasche Zwischenlösung verwirklichen.“ Das Versprechen des Bürgermeisters in Richtung Bundesliga ist quasi ein Türöffner für die Erteilung der Lizenz durch das Protestkomitee. Zumal es seitens des Landes die Zusicherung gib, das Umsetzungsversprechen der Gemeinde in finanzieller Hinsicht mit einer Förderung in Höhe von 50 Prozent der Gesamtkosten zu stützen.

„Wir wollen“, so Rüscher, „unseren Teil dazu beitragen, den Weiterbestand des Vereins in der 2. Liga zu sichern.“

Martina Rüscher, Sportlandesrätin


Seitens des Landes Vorarlberg klärt Sportlandesrätin Martina Rüscher auf: „Grundsätzlich kann ich die Entscheidung der Liga nicht nachvollziehen. Gerade in Zeiten von Corona und bei einer Verzögerung der Baueinreichung von nur drei Wochen.“ Deshalb unterstütze das Land den Protest der Austria und stehe dazu, eine vorgezogene Bundesligatauglichkeit des Stadions finanziell zu unterstützen. „Wir wollen“, so Rüscher, „unseren Teil dazu beitragen, den Weiterbestand des Vereins in der 2. Liga zu sichern.“ Dieses Versprechen gibt es nach Gesprächen mit dem Landeshauptmann auch vom Koalitionspartner. So bestätigt Johannes Rauch, Landesrat und Landessprecher der Grünen Vorarlberg, gegenüber den VN die volle Unterstützung für die Austria bezüglich der „notwendigen Schritte für die Lizenzerteilung“.

Besuch beim Ex

Wie schwer die Last der fehlenden Lizenz auf die Klubverantwortlichen drückt, beweist auch die Tatsache, dass eine Abordnung unter der Führung von Valentin Drexel das Gespräch mit Expräsident Hubert Nagel gesucht hat. „Ich kann ihnen nur den Rat geben, in Kontakt mit den Fans zu bleiben, auf die Leute zuzugehen – und das nicht nur in schlechten Zeiten.“ Mehr wollte der 69-Jährige nicht über das Gespräch verraten. Nur eines konnte sich der Ex-Klubchef nicht verkneifen: „Sportlich wird es heuer eh‘ keinen Absteiger geben.“

„Ich kann ihnen nur den Rat geben, in Kontakt mit den Fans zu bleiben, auf die Leute zuzugehen – und das nicht nur in schlechten Zeiten.“

Hubert Nagel, Ex-Präsident von Austria Lustenau
Auch ein Treffen zwischen Vorstandmitgliedern und dem ehemaligen Präsidenten Hubert Nagel fand statt.<span class="copyright">sam</span><span class="copyright">s</span>
Auch ein Treffen zwischen Vorstandmitgliedern und dem ehemaligen Präsidenten Hubert Nagel fand statt.sams

Fakt ist aber, dass es bei der Austria eben finanziell hakt. Bis Mittwoch müssen die Unterlagen für den Protest zur Zulassung in Wien sein. Danach entscheidet das Protestkomitee, ob die Austria eine Lizenz erhält. „Das Protestschreiben inklusive Gemeindebeschluss in Sachen Stadion ging bereits gestern per Post nach Wien, am Mittwoch folgen die weiteren Unterlagen zum Thema Zulassung“, erklärt Vorstandssprecher Bernd Bösch und bestätigt, „dass aktuell alle mit Hochdruck am Werk sind. Wir müssen, für den Fall, dass der Protest bezüglich Stadion abgelehnt wird, schauen, dass wir uns dann finanziell zumindest so stark wie möglich präsentieren“. Von einem positiven Ausgang ist Bösch überzeugt, „was dann ein kräftiges Lebenszeichen der Austria-Familie sein würde“. VN-MKR/CHA