ÖHB reformiert Österreichs Handball

Sport / 18.04.2021 • 22:05 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Österreichs Verantwortliche im Handball haben ein riesiges Reformpaket verabschiedet.

Wien Neben der Aufstockung der beiden höchsten Spielklassen im Männer Handball auf zwölf Teams in der spusu LIGA, steht eine Zweiteilung der Hauptrunde der spusu Challenge in eine Süd-Ost-Staffel und eine Nord-West-Staffel im Zentrum des Reformpakets. Weitere Eckpunkte sind die Neugestaltung des U20 Bewerbs, sowie der Ausbau österreichweiter Nachwuchsbewerbe. Zudem wurde auch der 26. Juni als Termin für die Bundeshauptversammlung festgelegt, in dessen Rahmen unter anderem die Neuwahl des ÖHB Direktoriums erfolgen soll.

Keine Absteiger

Ab der kommenden Saison 2021/2022 wird die höchste Handballliga Österreichs, die spusu LIGA, zwölf Teams umfassen. Aus der laufenden Saison wird es keinen Absteiger geben und gleichzeitig steigen zwei Vereine aus der spusu Challenge in die oberste Spielklasse auf. Der Modus für die Zwölferliga soll einen Grunddurchgang umfassen, mit Hin- und Rückrunde. Im Anschluss geht es für die Top 8 direkt in die K.-o.-Duelle, die Teams auf den Plätzen 9 bis 12 spielen in einem Play-off um den Klassenerhalt. Die aktuelle zweite Meisterschaftsphase, die Bonus- bzw. Quali-Runde, findet in dieser Form nicht mehr statt.

Teilung in zweithöchster Liga

Die Hauptrunde der spusu Challenge wird künftig in eine Staffel Süd-Ost und Nord-West geteilt. Je Staffel sind maximal zehn Vereine teilnahmeberechtigt. Durch diese Neustrukturierung der zweithöchsten Spielklasse sollen vor allem Vereine aus den Bundesländern Salzburg, Tirol und Vorarlberg, die aktuell in unterklassigen Ligen in angrenzenden Nachbarländern spielen, wieder an einem bundesweiten heimischen Spielbetrieb teilnehmen. Die Staffel Süd-Ost umfasst die Bundesländer Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Steiermark und Wien. Die Staffel Nord-West Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Von September bis Februar wird ein Grunddurchgang in der jeweiligen Staffel ausgetragen, im Anschluss in einem österreichweiten Meister Play-off um den Aufstieg und in regionalen Play-offs gegen den Abstieg gespielt.

Future Team lösen U20 ab

Die U20 Teams werden in „Future Teams“ umgewandelt, um diesen Bewerb als Übergangsbewerb in die Kampfmannschaften aufzuwerten. Für die künftigen Future Teams sind alle Spieler des ältesten U16 Jahrganges und älter spielberechtigt. Für jeden Spieler über 20 Jahre muss mindestens ein Spieler U20 am Spielbericht aufscheinen. Der Spielbetrieb der Future Teams ist in den kommenden drei Saisonen an jenen der jeweiligen Mannschaft der spusu LIGA, bzw. spusu Challenge gekoppelt – mit Ausnahme der Future Teams der spusu LIGA Vereine aus Vorarlberg und Tirol – diese werden bereits ab der kommenden Saison an der West-Staffel der Challenge teilnehmen.

Ab der Saison 2024/25 sollen alle Future Teams von den Kampfmannschaften entkoppelt werden und als eigenständige Teams antreten. Dazu ist geplant, eigene Regionalligen in Ostösterreich zu etablieren, an denen auch die aufstrebenden LV-Teams teilnehmen können.

Aufstiegsturniere

Ebenfalls geregelt wurde das Aufstiegsprozedere in die spusu Challenge bzw. Bundesliga Frauen: Die Meisterschaften der Landes- bzw. Regionalliga konnten aufgrund der Covid-19-Pandemie nicht abgeschlossen werden. Mittels Aufstiegsturnieren zum Ende des laufenden Spieljahres, werden die jeweiligen Aufsteiger ermittelt.

Meilenstein für die Jugend

Auf Basis der positiven Erfahrungen, die man bisher mit der Ausrichtung der Elite Cups und der Nachwuchs-Meisterschaften im Spitzensport gesammelt hat, wurde ein massiver Ausbau der österreichweiten Elite Cup Bewerbe beschlossen: Ab der kommenden Saison werden je 24 männliche Jugend-Mannschaften an den Elite Cups U14, U16 und U18 teilnehmen können sowie 24 Mädchen-Teams der Altersklasse U14. Die Teilnahme an den Elite Cups U14 und 16 männlich sowie U14 weiblich wird für die Vereine der spusu Liga bzw. WHA verpflichtend, wodurch eine positive Konkurrenz bereits im Jugendalter sichergestellt werden soll.

Treiber der Reform

Im Lager des österreichischen Rekordmeisters Bregenz Handball zeigt man sich erfreut über die Umsetzung des Reformpakets. War man doch schon seit Langem Befürworter und Treiber der Veränderungen im österreichischen Handball. „Wir sind sehr zufrieden mit diesem Schritt. Wir sehen mit dieser Reform ein großes Potenzial für die Entwicklung des Handballs in Österreich. Angefangen mit der Zwölferliga bis hin zum Fokus auf die Jugend“, erklärt Bregenz-Geschäftsführer Björn Tyrner. Die Zwölferliga sieht der 36-Jährige als Zugpferd, „wobei der Modus für die Findung des österreichischen Meisters den größten Mehrwert mitbringt. Dadurch herrscht vor allem für die Handballfans Klarheit, welche Platzierung ihr Lieblingsteam erreichen muss, um in das Viertelfinale einzuziehen“.

Darüber hinaus sieht Tyrner in der Teilung der zweiten Leistungsstufe enormes Entwicklungspotenzial. „Dadurch kann man es eventuell Teams schmackhaft machen, wieder in einer österreichischen Liga zu agieren, statt sich regional in ausländischen Ligen zu messen. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, erklärt der ehemalige Handballprofi.

„Wir sehen in der Reform großes Potenzial für die Entwicklung des Handballs.“