Verstappen dominierte in Imola

Sport / 18.04.2021 • 21:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bisher feierte die Formel 1 immer mit Champagner. In Imola verspritzen Hamilton und Verstappen erstmals Schaumwein der Kellerei „Ferrari“.ap, Reuters
Bisher feierte die Formel 1 immer mit Champagner. In Imola verspritzen Hamilton und Verstappen erstmals Schaumwein der Kellerei „Ferrari“.ap, Reuters

Hamilton rettete die WM-Führung, Regen sorgte für Dramatik und viel Action.

Imola Was Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko schon lange ankündigte und bisher Wunschdenken war, scheint nun eine echte Chance zu haben: Dass Max Verstappen und Red Bull Racing nach den WM-Titeln greifen. Denn nach dem um 0,7 Sekunden verpassten Erfolg im Saisonstart in Bahrain gewann der Niederländer am Sonntag den zweiten Saisonlauf um den Grand Prix der Emilia Romagna in Imola nach turbulentem Verlauf mit 22 Sekunden überlegen vor WM-Titelverteidiger Lewis Hamilton. Dass sich Verstappens elfter Erfolg, der 65. für sein österreichisch-britisches Team, nicht für die erste WM-Führung eines RBR-Piloten seit Ende 2013 ausging, war Hamiltons Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde zuzuschreiben. Aber: Bisher waren Siege im fünften Saisonrennen Verstappens früheste Erfolge (2016, 2020), aber noch nie einer im zweiten Anlauf.

Dummer Fehler

Das WM-Duell ist also lanciert. Auch wenn Hamilton zugab, nach seinem Ausrutscher in den Sand in Runde 34 sicher nicht an die WM, sondern nur an seinen „dummen Fehler“ gedacht zu haben. Doch der folgende heftige Crash zwischen seinem Teamkollegen Valtteri Bottas und Mercedes-Protegé George Russell (Williams) vor der Tamburello-Schikane sorgte für einen Rennabbruch – was Hamilton ermöglichte, zuerst aus seiner Sackgasse zu kommen und beim Re-Start als Achter zur Verfolgung Verstappens anzutreten. „Ich bin glücklich, dass ich mein Auto überhaupt heimbringen konnte, denn heute war nicht mein bester Tag“, erklärte der Rekordchampion, der aus der Pole Position vom als Drittem gestarteten Verstappen vor der ersten Schikane überholt wurde und bei leichter Berührung einen Seitenteil seines Frontflügels verlor. „Das kostete zwei Zehntel pro Runde“, merkte Mercedes-Teamchef Toto Wolff nachher an. Doch Hamilton, der sicher nicht unglücklich schien, war so fair festzuhalten: „Gratulation an Max für seinen unglaublichen Job, und auch an Lando für seine tolle Leistung.“ Denn der junge McLaren-Pilot lag nach dem Neustart, bei dem er sogar kurz Verstappen angriff, bis zur 60. von 65 Runden auf Platz zwei, „doch dann konnte ich Lewis nicht mehr halten, er war einfach schneller.“

Verstappen aber zeigte sich als fast fehlerfreier Meister seines Faches, der zu Beginn auf noch nasser Piste und bei leichtem Regen sofort einen Respektabstand zu Hamilton herausfuhr. Fast fehlerfrei deswegen, weil er auf den Medium-Trockenreifen vor dem Re-Start fast von der Piste geflogen wäre.

„Es war herausfordernd“

Die „Sekundanten“ der beiden Topteams konnten sich nicht mit Ruhm bedecken: Bottas nach verpatztem Qualifying (8.) steckte bis zum Crash mit Russell im Mittelfeld, Sergio Pérez erhielt wegen Überholens in der ersten Safety-Car-Phase zehn Strafsekunden und rutschte später nochmals von der Strecke – keine WM-Punkte für Platz zwölf. Einen Podestplatz Ferraris im ersten der beiden italienischen Heimrennen verhinderten Hamiltons Aufholjagd und Norris‘ Durchhalten, so blieben für Charles Leclerc und Carlos Sainz die ehrenwerten Ränge vier und fünf – die hätte man im Vorjahr noch gefeiert. Für Pierre Gasly aus dem Heimteam AlphaTauri war Rang acht nach Platz fünf in der Startaufstellung eine Enttäuschung, doch der Franzose war nach falscher Reifenwahl beim Start (Vollregenreifen statt Intermediates) chancenlos und wurde nach hinten durchgereicht, erfing sich aber.

Bei den schwierigen Bedingungen zahlten vor allem die Neulinge Masepin (sichtlich überfordert), Schumacher und Tsunoda Lehrgeld. „Es war sehr herausfordernd heute“, befand aber auch der Sieger. „Es war die gesamte Zeit schwierig, auf der Strecke zu bleiben“, sagte Verstappen, „der Re-Start war kritisch, aber sonst ist es gut gelaufen.“ Und zur knapp verpassten WM-Führung meinte der 23-Jährige cool: „Das ist noch eine sehr lange Saison.“

„Es ist eine sehr lange Saison, das holen wir schon noch auf. Da kommt noch einiges.“

Startduell: Verstappen und Hamilton.
Startduell: Verstappen und Hamilton.
Lando Norris fuhr engagiert zu Rang drei.
Lando Norris fuhr engagiert zu Rang drei.