Es bleiben viele gute Gefühle

Sport / 19.04.2021 • 22:10 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Rang fünf im Super-G von Garmisch kam für Christine Scheyer etwas überraschend.APA
Rang fünf im Super-G von Garmisch kam für Christine Scheyer etwas überraschend.APA

Ski-Ass Christine Scheyer traut sich auch wieder Kombinationsbewerbe zu.

Götzis Der letzte Skitag in der vergangenen Woche von Christine Scheyer war sinnbildlich für die abgelaufene Saison. „Die Verhältnisse waren super“, erzählt die Speed-Spezialistin, nachdem sich die Damen des Österreichischen Skiverbandes für ein abschließendes Techniktraining im Kühtai getroffen hatten. „Es war die längste Saison, die ich seit Langem hatte“, freute sich die Götznerin, in den vergangenen Jahren von Verletzungen gebeutelt. Sie habe mit einem guten Gefühl abgeschlossen, nimmt die 26-Jährige viel Positives mit. „Und vor allem bin ich ausnahmsweise einmal fit, muss mich nicht mit einer Rehabilitation plagen. Ich will jetzt das Vorbereitungstraining gut nützen, einen Grundstock aufbauen“, gehen die Gedanken schon in Richtung nächste Saison. „Ich bin mir sicher, dass ich im Herbst besser dastehen werde als jetzt.“

Ein neuer Anlauf

Der Rückblick gibt Scheyer Mut. „Ich habe skifahrerisch zuletzt einiges korrigieren können.“ Was der Titel in der Kombination bei den österreichischen Meisterschaften am Glungezer bestätigt. Die Wirtschaftsstudentin („ich bin gerade wieder an Prüfungen dran“) bekam Geschmack auf eine zuletzt vernachlässigte Disziplin. „Der Slalom hat wieder funktioniert. Ich war die letzten Jahre schmerzgeplagt, darum habe ich die Kombination ausgelassen. Ich werde sie aber wieder ins Programm nehmen.“ Bei der Riesentorlauf-Meisterschaft schwang sie als Siebte ab. „Das war echt in Ordnung. Es war mir ein Anliegen, im Riesentorlauf zu starten, der letzte ist doch schon drei Jahre her.“

Ein Sprung ins kalte Wasser

Mehr als ein Jahr hatte die Pause nach einem Kreuzbandriss gedauert, im Dezember feierte Scheyer in Val d‘Isère ihr Comeback. „Ich habe sofort gemerkt, dass mir die Speed­erfahrung fehlt, das Vertrauen, die Selbstverständlichkeit. Das erste Rennen war brutal: steil, schnell, dunkel, da sind mir die Trainingskilometer abgegangen. Bedingt durch Corona ist das Chile-Training ebenso ausgefallen wie jenes in Copper Mountain. Wir haben uns natürlich gut vorbereitet, aber das war dann ein Klassenunterschied. Sozusagen ein Sprung ins kalte Wasser.“

Irgendwann sind die Ergebnisse gekommen, war die ehemalige Turnerin dann froh, dass es im Europacup in Zinal im Super-G die Plätze fünf und sieben gab. In St. Anton war ich dann enttäuscht“, sagt Scheyer zu den Weltcupresultaten 13 und 18. „Ein Trainer hat dann gesagt: ‚Erinnere dich, wo du vor einem Jahr warst.‘“ Als Vorläuferin im Super-G ging es besser: „Da wurde meine Zeit mitgestoppt. Ich habe dann gewusst, dass es nicht so falsch ist, was ich mache.“ Die Bestätigung kam auf dem Fuß mit Platz fünf in Crans Montana, der sich dann in Garmisch-Partenkirchen wiederholen ließ. „Den habe ich mit Handkuss genommen. Garmisch war noch nie so mein Hang, ich habe nicht erwartet, Fünfte zu werden.“ Auf die deutsche Weltcupstation folgte aber auch ein kleiner Rückschlag: „Ich habe das Knie überstrapaziert, musste den zweiten Bewerb auslassen. Bis dorthin hatte ich das Knie gut im Griff. Aber ich bin eine, die sich vor den Rennen gern viel einfährt. Wir waren vorher drei Tage am Berg, da habe ich gemerkt, es geht nicht mehr. Um nicht wieder in einem Verletzungs-Teufelskreis zu landen, habe ich dann ausgelassen, aber es hat mich schwer getroffen.“

Ein Spiegelbild

Bei der WM in Cortina fuhr Scheyer im Super-G zu Rang 17, „mit meiner Nummer war die Piste schon ramponiert, die skifahrerische Leistung konnte ich aber akzeptieren“. Die Abfahrt (19.) ging dann „in die Hose“, wie sie es selbst beschreibt. „Das spiegelt meine Abfahrtssaison wider: Im Training war ich angriffslustig, im Rennen dann gehemmt. Beim Weltcup-Abschluss in Fassa standen in der Abfahrt die Plätze 18 und 21, im Super-G Rang 12. „Die Ergebnisse hätten besser sein können. Allerdings habe ich gemerkt, dass ich vom Niveau besser unterwegs war als in der Saison zuvor.“

Kraft und Kondition werden im Hinblick auf die neue Saison wieder im Olympiazentrum in Dornbirn getankt, die neuen Head-Skimodelle sind ausgefasst. „In den nächsten Wochen gibt es aber eine Schneepause. Sollten die Bedingungen im Juli gut sein, werden wir irgendwo ein Trainingscamp einbauen. Fix los geht es auf Schnee dann wohl Ende August, Anfang September.“

Dass Olympische Winterspiele vor der Tür stehen, ist für Scheyer gleichzeitig Ansporn wie Mahnung. „Vor Südkorea habe ich mich viel zu viel darauf fokussiert, war verbissen – und das ist schiefgegangen. Diesmal werde ich aufs Knie Bedacht nehmen und mich ganz normal vorbereiten.“ VN-KO

„Ausnahmsweise bin ich am Saisonende fit, muss mich nicht mit der Reha plagen.“

Schwester Ella (10) ist Christine Scheyers größter Fan.cs
Schwester Ella (10) ist Christine Scheyers größter Fan.cs