Eishockeytalent Taibel steht im Schaufenster

Sport / 21.04.2021 • 23:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eishockeytalent Taibel steht im Schaufenster
Jonas Taibel bei seiner Premiere im Dress der Rapperswil Lakers, beobachtet von Verteidiger-Kollege Jeremy Wick (r.) und dem Lausanner Ronalds Kenins. TJ

Der 16-jährige Crack aus Rankweil stürmt bei der WM für das Schweizer Nationalteam.

Rankweil Mit Jonas Taibel schickt sich das nächste Vorarlberger Eishockeytalent an, Karriere zu machen. Der 16-Jährige aus Rankweil feierte am 5. April seine Premiere in der Kampfmannschaft des Schweizer National-League-Vereins Rapperswil-Jona. Neben der österreichischen Staatsbürgerschaft besitzt der gebürtige Feldkircher auch den Schweizer Pass. Ab 26. April verstärkt Taibel als jüngster Kaderspieler die eidgenössische Nationalmannschaft bei der Unter-18-A-Weltmeisterschaft in Frisco (USA).

Wurzeln in der Schweiz

Er wurde im Nachwuchs der VEU Feldkirch groß, über den SC Rheintal führte der Weg nach Rapperswil. Seit 2016 durchläuft er beim St. Galler Spitzen-Eishockeyklub die Kategorien Mini-Top, Novizen Elite und U-20-Top. Sechs Volltreffer und zwölf Vorlagen in 14 Spielen mit der U-20-Top-Auswahl sowie 66 Punkte in 33 Einsätzen mit den U17 bescherten dem Stürmer nicht nur sein erstes Spiel mit der ersten Mannschaft, sondern auch die Einberufung in die Schweizer WM-Auswahl. Das Trikot mit dem Kreuz auf der Brust trug er erstmals im U-16-Team, verzeichnete in 18 Einsätzen sieben Tore und zwei Vorlagen.
Der Zugang in die Schweiz ist familiär bedingt, erklärt Vater Jörg Taibel: „Meine Schwiegermutter ist Schweizerin, meine Frau Petra hat beide Pässe und unsere Kinder ebenfalls.“ Der Vater des Eishockeytalents spielte selbst viele Jahre im VEU-Nachwuchs. „In der Ära von Ralph Krueger wurde aber alles professionalisiert, nur wenige aus der U-20-Mannschaft schafften den Aufstieg. Neben dem Einser-Team gab es nur noch Hobby-Eishockey um elf Uhr in der Nacht.“ Taibel Senior war später noch für den EHC Montafon tätig, nahm einen Vertrag in Dornbirn aufgrund der Geburt des Sohnes nicht wahr und beendete die aktive Tätigkeit schließlich beim Verein in Rankweil.
Jonas wurde bereits als Elfjähriger in eine österreichische Auswahl einberufen. Mit der Anfrage des Ostschweizer Verbandes, beim Bibi-Torriani-Cup mitzuspielen, bog die Laufbahn des Jungcracks weiter Richtung Westen ab. Jörg Taibel: „In der Schweiz ist man international mehr gefordert. Die Nationalteams treffen auf Nationen wie Tschechien, Finnland oder Schweden. Das ist ein ganz anderes Niveau, alles ist sehr proefssionell.“ Als 15-Jähriger bekam der Junior die Einberufung für die Olympischen Jugendspiele in Lausanne, vor einer Kulisse von jeweils 9500 Zuschauern steuerte er in zwei Spielen eine Vorlage bei.

Schule geht vor

Erst spät kam Taibel beim U-18-Nationalteam auf den Radarschirm: „Weil Rapperswil keine U-20-Elitemannschaft, sondern nur ein Topteam unterhält. Und noch dazu die Meisterschaft wegen der Corona-Pandemie frühzeitig beendet wurde“, erklärt Jörg Taibel. Rapperswil und sein Spieleragent intervenierten beim Verband, der Mittelstürmer machte die Vorbereitung mit.
In drei Testpartien gegen das ältere U-19-Aufgebot – zwei Spiele gewannen die Jüngeren – konnte er Trainer Marcel Jenni überzeugen. „Jonas hat auch den letzten Cut überstanden, flog mit nach Amerika“, erzählt Vater Taibel. Noch eine Bedingung gab es vor der Abreise: „Jonas absolviert die dreijährige Handelsschule in Feldkirch. Bei den Prüfungen musste er bis Ostern positiv beurteilt werden – das hat er geschafft.“
In Rapperswil ist Taibel bei einer Gastfamilie untergebracht. „Er wird vom Klub außerordentlich gut gefördert“, sagt Papa Taibel. Bei seiner Premiere in der National League bekam er 12:25 Einsatzminuten, durfte auch in Unterzahl aufs Eis. Die St. Galler gewannen gegen Lausanne, dort stand übrigens Kruegers Sohn Justin in der Aufstellung, mit 7:5. Rapperswil stattete Jonas mit einem zweijährigen Rookie-Vertrag aus. Der beinhaltet aber auch eine Freigabe für ein eventuelles Engagment das Ausland. „Er hat, wie jeder junge Eishockeyspieler, den Traum, einmal in Kanada oder Amerika zu spielen“, sagt der Vater.
Bei der WM in Frisco steht er erstmals außerhalb Europas im Schaufenster, er ist im Aufgebot der Schweizer der jüngste Spieler. In der Gruppenphase der A-WM treffen die Schweizer ab 26. April auf Lettland, Weißrussland (27.), Schweden (29.) und Kanada (30.).

Ein Traumsturm

Die Erinnerungen an Feldkirch werden bleiben. Jonas Taibel bildete bei den Minis mit Vinzenz Rohrer (derzeit ZSC Lions) und Timo Sticha (VEU) eine Angriffslinie, die weit und breit konkurrenzlos war. „Dieser Sturm war mit viel Talent und Spielwitz unterwegs“, erzählt Stichas Vater Thomas. „Unter Trainer Mario Hois wurde fast jedes Turnier gewonnen, auch gegen Gegner wie München oder Salzburg. Diese drei standen eine Stufe über allen anderen.“