So konnte Austria Lustenau das Budgetloch stopfen

Sport / 21.04.2021 • 20:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bundesliga darf man im Planet Pure Stadion nicht spielen. Jetzt kämpft Austria Lustenau um die Zulassung für die 2. Liga.<span class="copyright">austria Lustenau</span>
Bundesliga darf man im Planet Pure Stadion nicht spielen. Jetzt kämpft Austria Lustenau um die Zulassung für die 2. Liga.austria Lustenau

Planet Pure Stadion auch in zweiter Instanz nicht bundesligatauglich. Dafür konnte Austria Lustenau 460.000 Euro auf die Beine stellen.

Lustenau Sah man die Ablehnung des Stadionprojekts in Lustenau in erster Instanz des Senats 3 vor einer Woche nach als „Schuss vor den Bug“ an, ist die erneute Nichterteilung ein wahrer Keulenschlag für die Grün-Weißen. Das geplante Stadionprojekt wurde nicht für die Bundesliga zugelassen, damit gehen der Austria insgesamt 460.000 Euro an Lizenzboni flöten. Begründet haben dies die Herren in Wien damit, dass es keine fixen Finanzierungszusagen zum Gesamtprojekt von Stadt und Land gebe, es Verzögerungen im Baueingabeprozess gibt, und dass der alternative Etappenbauplan nicht den Neubaukriterien entspricht. Ein verheerendes Urteil, da die Vereinsverantwortlichen und auch Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer sowie Vertreter des Landes darauf bestanden haben, geforderte Kriterien erfüllen zu können.

“Gestern kurz vor 16 Uhr haben uns noch rund 10.000 Euro gefehlt. Die haben wir auch noch aufgetrieben.”

Christoph Wirnsperger, Finanzen Austria Lustenau

Keine Lizenzverhinderer

Lustenaus Gemeindeoberhaupt erlebte gestern ein Déjà-vu. Erreichte ihn die Lizenzverweigerung in erster Instanz am 13. April während einer Sitzung der Fachplanungsgruppe zum Thema „Reichshofstadion neu“, so sah er sich gestern während einer erneuten Sitzung der Projektgruppe mit der Ablehnung des Stadionprojekts konfrontiert. Seine Reaktion war erneut heftig, weshalb er diese Mitteilung nicht unkommentiert stehen lassen wollte. Zumal in Sozialen Medien die Gemeinde und das Land als „Lizenzverhinderer“ ihr Fett abbekommen. „Ich mag eine harte Spielart, hart aber fair“, poltert der 57-Jährige im Sportjargon. Eine unfaire und spaltende Gangart aber schmerze ihn persönlich, zumal es auch dem Thema schade.

“Das ist ein völlig sinnloses Theater vonseiten der Bundesliga rund um das Stadion und bedeutet einen Imageschaden für den Verein.”

Kurt Fischer, Bürgermeister Lustenau


Fischer weist energisch zurück, seitens der Planung säumig zu sein, vielmehr spricht er wie Stadionplaner Bernardo Bader von einem „ehrgeizigen und zukunftsweisenden Projekt“. Dieses sei am 19. Februar 2020 mit dem Start der Einreichplanung so richtig gestartet worden. Mit dem Ziel, diese im April 2021 abzuschließen. Dass nun seitens des Senats 3 die fehlenden Finanzierungszusagen zum Gesamtprojekt von Gemeinde und Land kritisiert werden, ist aus seiner Sicht nicht nachvollziehbar. Zudem solle man in Wien endlich erkennen, dass es in Vorarlberg zwei hervorragende Stadionprojekte („Sowohl in Altach als auch in Lustenau“) gibt, die zusammen nicht annähernd so viel kosten, wie in anderen Bundesländern ein Stadion. Deshalb spricht Fischer erneut von einem „völlig sinnlosen Theater“ und einem „enormen Imageschaden für den Verein“.

Starkes Zeichen der Austria-Familie

Verbunden mit der Ablehnung des Stadionprojekts und den fehlenden 460.000 Euro droht nun der Super-GAU für die Austria: Einstellung des Profibetriebs nach 27 Jahren. Gestern um 16 Uhr hat der Klub die letzten Unterlagen nach Wien gesandt, die den finanziellen Nachweis erbringen sollen, dass eine Durchführung des Spielbetriebs doch möglich ist. Bis zur letzten Sekunde haben Vereinsverantwortliche alles unternommen, um das Budgetloch zu stopfen, was laut Finanzchef Christoph Wirnsperger auch gelang. „Kurz vor 16 Uhr haben uns noch rund 10.000 Euro gefehlt, die haben wir dann auch noch aufgetrieben. Somit steht in meinen Augen einer Zulassung für die 2. Liga nichts mehr im Weg, und ich gehe davon aus, dass wir diese auch bekommen.“ Über die Crowdfunding-Plattform konnte man 227.868 Euro (Stand 21. April, 16 Uhr) lukrieren. Den Rest steuerten Gönner und vorwiegend Sponsoren, die sich bereit erklärten, ihre Sponsorverträge sofort statt im Mai zu unterschreiben, bei. Wirnsperger sieht in diesem Kraftakt, innerhalb kürzester Zeit fast eine halbe Million Euro auf die Beine zu stellen, „ein starkes Zeichen der Austria-Familie“. Die endgültige Entscheidung fällt das Protestkomitee am 27. April. VN-CHA/MKR