Der Kapitän sagt goodbye

Sport / 08.07.2021 • 23:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Kapitän sagt goodbye
Olivier Magnan zieht in Dornbirn nach 478 Spielen mit 27 Toren, 104 Assists und 521 Strafminuten einen Schlussstrich. ©CDM/Blende47

Für Olivier Magnan ist nach 478 Spielen in Diensten des Dornbirner EC Schluss.

Dornbirn Mit dem Abschied von Olivier Magnan geht bei den Messestädtern eine Ära zu Ende. Der Verteidiger absolvierte 478 Erstligaspiele für Dornbirn und traf dabei 27 Mal ins Tor. 2012 wechselte der 35-Jährige vom HC Pustertal zu den Bulldogs. Die letzten drei Jahre führte er den DEC als Kapitän auf Eis. In wenigen Tagen geht es für ihn und seine Familie zurück in die Heimat.

Kurz nach dem Ende der Saison haben Sie gemeint, dass Sie sich gut vorstellen könnten, noch eine weitere Spielzeit in Dornbirn zu bleiben. Was ist passiert?
Magnan Wir haben gewusst, dass wir irgendwann diese Entscheidung treffen müssen. Nun ist es doch schneller passiert als gedacht. Meine Frau beginnt im August in Kanada zu arbeiten. Ich hatte bis Anfang Juni noch keinen neuen Vertrag erhalten. Somit war es klar, dass wir nach neun Jahren in Vorarlberg die Koffer packen und in unserer Heimat zurückkehren werden.

Wie schwer fällt Ihnen dieser Schritt?
Magnan Oje, dass ist alles nicht so einfach. Wir haben ernsthaft darüber nachgedacht in Österreich zu bleiben. Meinen beiden Kids gehen hier zu Schule und sprechen perfekt Deutsch. Wir haben viele Freunde in Vorarlberg. Die österreichische Lebensweise hat uns gut gefallen. Glauben Sie mir, dieser Abschied ist mit sehr viel Wehmut verbunden. Aber wir blicken nach vorne und freuen uns natürlich auf die Rückkehr. Wir waren im Sommer 2018 das letzte Mal zu Hause in Nordamerika.

Hängen Sie damit auch Ihre SChlittschuhe an den Nagel?
Magnan Wie schon erwähnt, ich wollte noch einige Jahre spielen. Aber mit diesem Abschied endet auch meine Profikarriere. Aber keine Sorge, es wird mir nicht langweilig werden.

Was sind Ihre Pläne?
Magnan
Bereits im August steige ich in meiner Heimatstadt ins Nachwuchshockey ein. Ich unterstütze dort ein Trainerteam und werde mich hauptsächlich um die Verteidigungsarbeit kümmern.

Reizt Sie auch die Arbeit als Coach?
Magnan
Das wird sich zeigen. Ich habe noch keine Coaching-Erfahrung. Ich möchte hier Schritt für Schritt Fuß fassen und dann werden wir sehen, wohin das führt.

Sie sind in der Saison 2012/13 das erste Mal für Dornbirn aufgelaufen. Kein anderer Bulldogs-Spieler hat so viele Erstliga-Matches für den DEC bestritten. Was wird Ihnen in Erinnerung bleiben?
Magnan
Die Jahre, in denen wir den Einzug ins Playoff geschafft haben. Da haben wir gutes Eishockey gespielt und als Underdog dem Favoriten Salzburg im Viertelfinale ziemlich zugesetzt.

Normalerweise ziehen Legionäre nach einem oder zwei Jahren zum nächsten Verein weiter. Warum sind Sie dem DEC so lange treu geblieben?
Magnan
Mir war immer wichtig, dass die Rahmenbedingungen auch abseits der Eisfläche stimmen. Das war in Dornbirn stets der Fall. Meine Frau, meine Kinder und ich haben einen großartigen Freundeskreis im Ländle. Das hat sehr viel erleichtert und uns ein „zu-Hause“-Gefühl vermittelt.

Auch das zehnte Jahr des DEC in der höchsten Spielklasse geht nicht ohne großen Kaderumbruch über die Bühne. Ist dieser ständige Wechsel für Ihr Ex-Team die größte Hürde, um sich als Mannschaft sportlich weiterzuentwickeln?
Magnan
Zuerst bin ich überzeugt davon, dass sich Eishockey in der Messestadt seit dem Ligaeinstieg weiterentwickelt hat. Die Spielerbetreuung, das Coaching und die gesamte Organisation gewannen in den letzten Jahren an Qualität. Aber es stimmt schon, dass dieser jährliche Spielerwechsel wenig förderlich ist. Gerade in der letztjährigen Mannschaft steckte sehr viel Potential. Schade, da hätte man drauf aufbauen können. Neben der sportlichen Herausforderung ist es auch für die Fans schwierig, sich mit einem Team zu identifizieren, bei dem sich ständig die Gesichter am Eis verändern.

Sie haben 15 Jahre lang als Profispieler Ihr Geld verdient. Was werden Sie am meisten vermissen?
Magnan
Das wird sich noch zeigen. Aber es ist der erste Sommer ohne „Muss“. Ich kann selbst entscheiden, ob ich trainiere oder einfach nur faulenze. ABR