Eine Serie, die unerreicht bleibt

Sport / 09.07.2021 • 09:30 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
<p class="caption">Hermann Bischof war  1981 beeindruckender Seriensieger im Formel Ford von Walter Lechner.<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker">noger, FF, www.technischesmuseum.at</span></p>

Hermann Bischof war 1981 beeindruckender Seriensieger im Formel Ford von Walter Lechner. noger, FF, www.technischesmuseum.at

Hermann Bischof fuhr vor 40 Jahren in der
Formel-Ford-Meisterschaft zwölf Siege am Stück ein.

Schwarzach Es war eine Erfolgsserie, die sich wohl nicht wiederholen lässt. Vor 40 Jahren fuhr Hermann Bischof in der österreichischen Formel Ford die Konkurrenz in Grund und Boden, gewann zwölf Rennen in Serie. Einmalig, was nach dem letzten Erfolg passierte: Der Bizauer hängte den Helm an den Nagel, beendete an Ort und Stelle seine Motorsportkarriere.

Lechner erkannte das Talent

Im Jahr 1981, Niki Lauda nahm gerade eine Auszeit, der hungrige österreichische Rennsportnachwuchs versuchte, das auszunützen. Im vermeintlichen „Lauda-Nachfolgespiel“ dabei war auch der schnelle Bregenzerwälder Bischof. Der damals 26-Jährige stand nach einigen harten, aber erfolgreichen Lehrjahren in einem Werks-Formel Ford des Lechner-Teams bei der Staatsmeisterschaft und im Formel-Ford Cup am Start. Lechner, vor kurzem verstorbener Teamchef, war überzeugt: Der Gewinn der gut dotierten Meisterschaften führt vor allem über Bischof. Die Handschlagabmachung der beiden war kurz und bündig: So lange Bischof gewinnt, bleibt er im Auto. „Für mich als Pilot war es ein guter Deal.“ Die Lechner Boliden waren damals das Nonplusultra. Ebenso spannend: Bischofs Auto wurde in Deutschland auch eingesetzt – mit Stefan Bellof am Steuer.

Diplom und Traumpodium

Der Ländle-Kapazunder gewann zu Ostern die erste Doppelveranstaltung. Ganz zur Freude einiger anwesender Engländer, Hersteller der PRS-Renner. Es folgte Sieg auf Sieg, im Juli hatte der schlaksige Bursche alle Formel-Ford-Rennen im Land für sich entschieden, die Erfolgsserie dauerte nun bereits ein Jahr.
Der Wälder hatte dann eine berufliche Weiterbildung abzuschließen und am Salzburgring ein rennfreies Wochenende. Lechner lenkte den Boliden mit der Nummer 1 selbst, aber einen Sieg für den Teamchef und regierenden FF-Europameister spielte es nicht.
Bischof, nun Exportkaufmann mit Unidiplom, stieg also wieder ins Auto – und siegte weiter. Die Saisonhöhepunkte waren schließlich zwei Rennen im Spätsommer auf dem Österreichring. Das eine beim Grand Prix, wo Bischof das topbesetzte und hautenge Formel-Ford-Rennen gewann. In Abwesenheit von Lauda gab es doch noch einen österreichischen Sieger auf dem Stockerl. Kurz darauf ein Staatsmeisterschaftslauf. Im Training landete ein gewisser Gerhard Berger, 21 Jahre jung, eine Sekunde hinter Bischof. Erstaunliches Detail: Bischof hatte zu Saisonende den Nummer-eins-Wagen dem zweiten Fahrer im Team überlassen und fuhr gegen Berger in einem Auto der Lechner Rennfahrerschule. Heiß her ging es dann im Rennen. „Berger machte einen Frühstart, es gab mehrere Berührungen zwischen uns“, erinnert sich Bischof. Den Sieg ließ er sich aber nicht nehmen. In dem wilden Rennen am „Ring“, über das Berger bis heute mehrfach berichtete und zuletzt in einem Podcast erzählte, fasste er für ein stürmisches Manöver eine Strafminute aus. Eine Sanktion, mit der Bischof im Cockpit rechnete. Der Routinier gewann, ohne mit Rookie-Berger aufs Äußerste gehen zu müssen. Der Tiroler war da bereits ein Marko-Schützling und nutzte die Formel Ford klug zur Imagepflege und für seinen Aufstieg.
Zwölf Meisterschafts- und Cupbewerbe en suite und drei Titel waren nach der Saison unter Dach und Fach. Den Titel als Staatsmeister hatte Bischof im Formel Ford Jo Gartner, der in der F-2 Klasse punktete, weggeschnappt. Der FF-Cup-Sieg gelang über eine Meute schneller und international etablierter Junger, darunter der heutige Alpha-Tauri-Teamchef Franz Tost. Dazu kam noch der Vorarlberger Meistertitel im Wertungssport, knapp vor Walter Pedrazza.

Mission erfüllt

Einen vergleichbaren Siegeslauf in einer gut besetzen Formel-Rennserie hatte es wohl bis dahin und auch danach in Österreich nicht gegeben. An Preisgeld fuhren Bischof und Bellof dem Lechner Team 1981 mit ein und demselben Formel Ford einen Betrag herein, der in heutigen Nachwuchskategorien nicht zu erzielen ist.
Für Bischof war die Mission erfüllt. Am Ende einer Traumsaison nahm er seine Utensilien aus dem Teambus, verabschiedete sich bei der Mannschaft. Sieben Jahre zuvor, beim ersten Rennen, hatte Bischof nach Ankunft am „Ring“ zu mitternächtlicher Stunde müde auf dem Siegespodest sitzend einen Gedanken: „Wenn ich Österreichs Nummer 1 in der Formel Ford bin, könnte ich aufhören.“ Helmut Marko, bereits damals Talentescout, fragte nach: „Was machst jetzt aus den Titeln?“ – „Ich habe einen Beruf und einen guten Job, mit dem Rennfahren höre ich auf“. Das kostete den „Doktor“ sogar ein Lächeln.

Mit dem Erreichten zufrieden

Bischof hatte sich schon vor diesen Erfolgen als Privatfahrer unter den Profis wie Berger, Gartner, Lechner oder Landsmann Peter Schindler einen Namen gemacht. In „abenteuerlicher und unfallträchtiger Weise“, wie er es in einer VN-Ausgabe 1981 beschreibt. „Im Jahr 1974 kaufte ich einem in Deutschland stationierten US-Soldaten – er brauchte Geld für die Heimreise – billig einen Lotus Formel-Ford ab. Ich fuhr dann in der ÖM und sogar bei EM-Läufen, wo Jan Lammers oder Derek Warwick gewannen.“ Bei internationalen Rennen gab es mit einem besseren Auto erste Podiumsplätze. Aber noch mehr Ausfälle. Ein schwerer Unfall 1976 warf Bischof endgültig zurück, es erfolgte für ihn, den Privatfahrer, der Umstieg in die kostendeckende französische Rallycross Meisterschaft, wo er unter Bruno Saby, Jean-Pierre Beltoise oder Jean-Pierre Jarier ordentliche Platzierungen erreichte und viel dazulernte. Mit einer A-Finalplatzierung, vor Franz Wurz, verschaffte er sich 1978 auch in der ÖM Ansehen. „Walter Lechners Respekt vor meiner fahrerischen Leistung brachte mich schließlich zurück ins Formel-Ford-Geschehen. Dort staunte die Konkurrenz, als es von mir serienweise Siege gab, meine wilde und unstete Zeit vorbei war.“ Um eine Etage höher zu klettern, war die finanzielle Basis nicht da. „Für den Einstieg in die Formel 2 fehlte mir damals ein von Sponsoren erbrachter Betrag. Da ich diese Geldgeber nicht suchen wollte, musste ich gut gemeinte Angebote von verschiedenen Teams ablehnen – aber ich hatte ja eine gesicherte Berufsexistenz und eine Familie.“
Bischof blieb über die Jahre hinweg in verschiedensten Bereichen dem Motorsport verbunden. Es gibt sogar noch eine Einladung für ein spätes Abschiedsrennen demnächst im Histocup, falls es die Coronabestimmungen zulassen. An Geschwindigkeit hat er – zumindest in einem anderen Genre – nichts eingebüßt: In flottem Tempo administriert der Hobbyjournalist und VN-Mitarbeiter die von ihm gegründete Facebook-Gruppe Legenden des österreichischen Autorennsports.

Hermann Bischof erinnert sich an sein Karriereende: „Ich habe einen Beruf und einen guten Job, mit dem Rennfahren höre ich auf.“ Noger
Hermann Bischof erinnert sich an sein Karriereende: „Ich habe einen Beruf und einen guten Job, mit dem Rennfahren höre ich auf.“ Noger
Erste Fahrt aufs Podium, 1975 mit neuem Wagen (Nummer 3) Zweiter bei der ÖM auf dem Salzburgring. www.technischesmuseum.at
Erste Fahrt aufs Podium, 1975 mit neuem Wagen (Nummer 3) Zweiter bei der ÖM auf dem Salzburgring. www.technischesmuseum.at
Ganz oben, Formel-Ford-Sieger im GP-Österreich 1981
Ganz oben, Formel-Ford-Sieger im GP-Österreich 1981
<p class="infozeile">Walter Lechners motivierendes Briefing: „Dein Sieg ist heute vor der GP-Kulisse einfach alternativlos.“</p>

Walter Lechners motivierendes Briefing: „Dein Sieg ist heute vor der GP-Kulisse einfach alternativlos.“