Das war die EURO 2020

Sport / 11.07.2021 • 19:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wie bei so vielen Matches bei der EURO gingen auch Belgiens und Italiens Kicker vor Spielbeginn auf die Knie. apa
Wie bei so vielen Matches bei der EURO gingen auch Belgiens und Italiens Kicker vor Spielbeginn auf die Knie. apa

Vom Eriksen-Drama bis zum Kniefall – die Europameisterschaft sorgte für Aufsehen.

London Die erste paneuropäische Europameisterschaft ist zu Ende. Einen Monat lang begeisterten 24 Mannschaften in zwölf Austragungsländern die Fußballfans. In 51 Spielen kristallisierten sich etliche Tops, Flops und viel Gesprächsstoff heraus.

Tops

Gesprächsstoff und Drama. Überraschend mutig ging es bei dieser EM zu. Teams mit Offensivambitionen wurden oft belohnt, die EM endet mit einem Torrekord seit Einführung der Gruppenphase bei Endrunden. Selbst wenn im Finale kein Treffer fällt, hätte es 2,745-mal pro Spiel „geklingelt“. 2000 in den Niederlanden waren es durchschnittlich 2,742 Tore. Und spannend ging es zu: Die Hälfte der 14 K.o.-Spiele vor dem Finale ging in die Verlängerung.

Die Flügelspieler. Nicht nur für Trainer-Legende Fabio Capello haben die Flügelspieler besondere Duftmarken gesetzt. Englands Sterling, Italiens Chiesa, Spinazzola und Di Lorenzo, der Niederländer Denzel Dumfries oder Dänemarks Joakim Maehle gehörten zu den auffälligsten Spielern des Turniers.

ÖFB-Team. Den ersten Sieg einer österreichischen Mannschaft bei einer EM-Endrunde feierten David Alaba und Co. gleich im ersten Spiel gegen Nordmazedonien (3:1), so richtig in Stimmung kamen die rot-weiß-roten Fans aber erst zum Ende der Gruppenphase. Mit einem 1:0 gegen die Ukraine gelang der Sprung ins Achtelfinale, in der die Auswahl von Franco Foda Mitfavorit Italien einen heißen Fight auf Augenhöhe lieferte und sich erst in der Verlängerung mit 1:2 geschlagen geben musste.

Italien. Die Squadra zog nicht nur ins EM-Finale ein, sie brach auf größter Bühne mit alten Traditionen: Italien ist unter Roberto Mancini längst kein Defensiv-Apostel mehr, die Azzurri begeisterten mit herzerfrischenden und wohlgetrimmten Offensiv-Vorstellungen, scheuten aber – wenn es darauf ankam – nicht den Blick ins Catenaccio-Handbuch. Das bekam nach einigem Kampf auch das ÖFB-Team zu spüren.

Cristiano Ronaldo. Zur erfolgreichen Titelverteidigung reichte es mit der portugiesischen Auswahl nicht und auch Ronaldos Auftritte sollen schon einmal besser gewesen sein. Dafür sammelte der inzwischen 36-jährige Superstar weiter fleißig Rekorde. Ronaldo erzielte bei diesem Turnier fünf Tore und ist mit nun 14 Treffern bei EM-Endrunden mit Abstand die Nummer eins. Mit gesamt 109 Länderspiel-Toren stellte er auch die Bestmarke des Iraners Ali Daei ein.

Der Kniefall. Als das politische Symbol schlechthin wird der Kniefall von diesem Turnier in Erinnerung bleiben. Vor jeder ihrer Partien gehen die englischen Nationalspieler kurz vor dem Anpfiff für einen Moment mit dem Knie auf den Boden – als Geste gegen Rassismus. Einige Teams solidarisierten sich, andere lehnten den Kniefall ab. Österreichs Nationalteam kniete nie.

Flops

Die Gruppe F. Mit Weltmeister Frankreich, EM-Titelverteidiger Portugal und Deutschland spielten drei Mitfavoriten in der „Horrorgruppe“. Das Trio hatte aber schon in der Gruppenphase mit dem krassen Außenseiter Ungarn Probleme, im Achtelfinale kam schließlich für alle drei Teams das frühe Aus.

Kylian Mbappe

Der 22-jährige Stürmer war der designierte Topstar dieser EM. Doch im Generationsduell mit Cristiano Ronaldo konnte der Bereits-Weltmeister von Paris Saint-Germain bei weitem nicht mit, avancierte mit dem verschossenen Elfmeter gegen die Schweiz zum tragischen Helden Frankreichs.

Türkei. In der Qualifikation hatten die Türken mit einem Sieg über Weltmeister Frankreich, 23 Punkten aus zehn Spielen und nur drei Gegentoren überzeugt. Die
Endrunde wurde für Teamchef Senol Günes und sein Team zur Blamage.

UEFA-Politik. Druck auf Dänemark nach dem Eriksen-Zusammenbruch, das Abwälzen der Verantwortung in der Corona-Frage auf die lokalen Behörden und dann noch ein Regenbogen-Verbot: Der Kontinentalverband schoss nicht nur mit der Untersagung, die Münchner Arena vor dem Spiel gegen Ungarn in Regenbogenfarben zu illuminieren, ein Eigentor.

Talk

Emotion vs. Superspreader. Endlich wieder Stimmung in den Stadien Europas – oder ein Hochfest für das Coronavirus? In Ungarns Hauptstadt Budapest ein volles Haus, in London befeuerten „Sweet Caroline“ schmetternde Engländer die Euphorie. Die Fangesänge und volle Stadien lösten endlich die trostlosen Bilder mit leeren Stadien ab, doch es bleibt die Frage der Verhältnismäßigkeit. Müssen die Emotionen, die König Fußball einforderte, mit der Gesundheit von Menschen bezahlt werden?

Österreichs Nationalteam, angeführt von David Alaba, war eine EM-Überraschung.
Österreichs Nationalteam, angeführt von David Alaba, war eine EM-Überraschung.