Erlösung für Messi

Sport / 11.07.2021 • 19:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Lionel Messi gewinnt mit der Copa América sein erstes großes Turnier.

Rio de Janeiro Der lang ersehnte Erfolg mit dem Nationalteam rührte Lionel Messi zu Tränen. Sichtlich ergriffen kniete der argentinische Superstar nach dem 1:0 (1:0) im Finale der Copa América über Brasilien auf dem Rasen des Maracanã-Stadions und bedeckte sein Gesicht mit den Händen. Wenig später ließen ihn seine Mitspieler auf ihren Schultern hochleben. „Was für ein schöner Wahnsinn. Das ist unglaublich“, kommentierte der 34-Jährige den ersten Gewinn einer bedeutenden Trophäe im Nationaltrikot. „Ich glaube, dass sich Gott diesen Erfolg für mich aufgehoben hat – in einem Finale gegen die Brasilianer in ihrem Land.“

Dank des Siegtreffers von Ángel Di María (21.) ging für Messi ein Traum in Erfüllung. Nach zuvor vier verlorenen Endspielen gab es endlich Grund zum Jubeln. „Ich war früher traurig. Aber ich wusste, dass es irgendwann passieren würde“, schwärmte Messi. „Ich hatte noch keinen glücklicheren Moment als diesen.“

Loblieder auf Messi

„Champion im Hof des Feindes“, kommentierte die Zeitung „La Nación“ und feierte Messi: „Es ist passiert. Er weint, ist ungläubig und bewegt. Er fliegt durch den Himmel von Rio, angetrieben von seinen Mannschaftskameraden, die seit frühester Kindheit um die Niederlagen ihrer Mannschaft geweint haben müssen.“

Buenos Aires stand Kopf

Nach dem Abpfiff strömten rund um den Obelisken im Zentrum der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires Tausende Fans zusammen, um den Triumph von Rio zu feiern. Sie schwenkten Flaggen und skandierten „Champion, Champion“. „Danke Messi, das werden wir dir nicht vergessen“, sagte ein Fan im Argentinien-Trikot im Fernsehsender TN. Im rund 2000 Kilometer entfernten Rio sprach Messi noch auf dem Platz via Telefon mit seiner Familie, nachdem er die Copa-América-Trophäe in Empfang genommen hatte. Dabei hielt er die goldene Medaille in die Kamera und rief: „Ich habe gewonnen, ich habe gewonnen.“

Der Kreis schließt sich

Die letzte Lücke in der imposanten Karriere des sechsmaligen Weltfußballers ist damit geschlossen. Denn bei aller Genialität war ihm ein historischer Sieg mit der Albiceleste bisher verwehrt geblieben. Die im Fußball nicht wirklich bedeutsame Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking und der U-20-Weltmeistertitel 2005 wurden seinen Ansprüchen nicht gerecht. Aus Frust über die anhaltende Erfolglosigkeit hatte er am 26. Juni 2016 gar seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt, nachdem Argentinien das Endspiel der Copa América erneut gegen Chile im Elfmeterschießen verloren und Messi dabei einen Elfmeter verschossen hatte. Sein Rücktritt vom Rücktritt nur wenige Monate später sorgte für landesweite Erleichterung.

Durststrecke beendet

Der Sieg über Brasilien beendete Argentiniens 28 Jahre währende Durststrecke im Fußball seit dem Copa-Gewinn von 1993. Dazu trug Messi mit vier Toren und fünf Vorlagen maßgeblich bei. Zusammen mit Brasiliens Superstar Neymar wurde er zu den besten Spielern der Südamerika-Meisterschaft gewählt.

Nur wenige Tausend Zuschauer konnten das Endspiel im legendären Maracanã live verfolgen. Die Stadtverwaltung von Rio de Janeiro hatte wegen der Corona-Pandemie nur ein begrenztes Publikum zugelassen. Etwa 4500 Fans und geladene Gäste waren letztlich im Stadion und machten dennoch ordentlich Stimmung.

„Gott hat sich diesen Erfolg für mich aufgehoben. Im Finale in Brasilien gegen Brasilien.“