VN-Interview: So will es Luka Brajkovic in die NBA schaffen.

Sport / 13.07.2021 • 18:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
VN-Interview: So will es Luka Brajkovic in die NBA schaffen.
Luka Brajkovic beim Gespräch im Feldkircher Reichenfeld. In einem Jahr will er als NBA-Spieler in seine Heimatstadt kommen. VN/STEURER

Luka Brajkovic im Interview über sein hartes Training, seine Erwartungen an die kommende Saison und das große Ziel NBA.

Feldkirch Nachwuchs-Basketballer Luka Brajkovic hat ein hartes Trainingscamp in Serbien hinter sich. Seine ganze dortige Arbeit war ausgerichtet auf eine hoffentlich erfolgreiche vierte Saison im College-Basketball der USA. Das große Ziel des Feldkirchers: Der NBA-Draft im kommenden Jahr. Vor seiner Rückreise in die Staaten stand der 22-jährige Spieler der Davidson Wildcats Rede und Antwort.

Luka, Sie wollten in der letzten Saison zum Führungsspieler der Davidson Wildcats aufsteigen. Ist Ihnen das gelungen?
Brajkovic Ich habe jetzt im Sommer sicher die Arbeit geleistet, dass ich das schaffen kann. So hart wie heuer habe ich noch nie gearbeitet – körperlich und basketballerisch bin ich auf einem sehr guten Niveau. Die Arbeit ist also erbracht, ich hoffe, dass sich das dann auch auszahlt.

Was erhoffen Sie sich persönlich von der kommenden Saison?
Brajkovic Dieses vierte Jahr wird für mich die beste Möglichkeit sein, mich zu zeigen, vor allem in Hinblick auf die NBA nächstes Jahr. Wenn ich den Sprung mache, den ich mir erhoffe, werden meine Chancen sicherlich am besten sein. Der Leistungsdruck ist von den Trainern und von den Medien sicher größer – man erwartet, dass ich ein Spieler bin, der viel Verantwortung trägt. Diese Rolle will ich natürlich erfüllen, aber für mich persönlich bedeutet so ein Druck ja nichts Schlechtes.

Wo stehen Sie in einem Jahr?
Brajkovic Hoffentlich in der NBA, hoffentlich irgendwo professionell. Deshalb tut man sich das ganze Training auch an.

Was fehlt Ihnen noch, um auf das enge Radar der NBA-Scouts zu kommen?
Brajkovic Was mir in den letzten drei Jahren sicherlich gefehlt hat, sind das Körperliche und die Robustheit im Spiel. Deshalb war das auch ein großer Fokus, ich habe an meinem Körper gearbeitet, ich habe am Kontaktspiel gearbeitet und natürlich auch an meinen Würfen. Die NBA bleibt deshalb auf jeden Fall das Ziel. Ich habe alles dafür getan.

Gibt es für Sie eine Form von Plan B, falls es mit der NBA nicht klappt?
Brajkovic Ja, dann will ich sehr gerne irgendwo in Europa professionell spielen. Ich habe zwar noch keine Ahnung, wo das sein könnte, aber ich wäre auch damit sehr glücklich.

VN-Interview: So will es Luka Brajkovic in die NBA schaffen.
Luka Brajkovic im Einsatz für die Davidson Wildcats. Weiss

Konnten Sie sich schon in der vergangenen Saison steigern, letztes Jahr hatten Sie Ihre zweite Spielzeit bei den Wildcats ja als „durchwachsen“ bezeichnet.
Brajkovic Mir ist es zum Beispiel gelungen, mich bei meinen Dreier-Würfen zu steigern. Von weniger als einem geworfenen Dreier pro Spiel habe ich mich auf drei pro Spiel gesteigert – und einen getroffen. Wenn du ein großer Spieler bist und nicht werfen kannst, bist du im Basketball praktisch eine ausgestorbene Spezies. Drum bin ich froh, dass ich das jetzt kann, auch mit großen Steigerungen im konditionellen Bereich.

Sie waren für mehrere Wochen zum Training im serbischen Novi Sad, wie war diese Erfahrung für Sie?
Brajkovic Ich war für einen Monat dort. Es gab jeden Tag nur Individualtraining für mich, alles ausgerichtet auf die kommende Saison. Ich wollte so etwas schon länger machen, letztes Jahr war es wegen Corona aber leider nicht möglich. Nun habe ich die Chance genützt, das hat mir echt geholfen.

Woran wurde speziell gearbeitet?
Brajkovic Wir hatten eigentlich das volle Programm. Außerdem hatte ich eine ziemlich genaue Überwachung der Ernährung, die wurde grammgenau abgestimmt; und ich habe auch sehr viel Krafttraining gemacht.

VN-Interview: So will es Luka Brajkovic in die NBA schaffen.
Brajkovic (mitte) lud zum Gespräch in die Feldkircher Innenstadt. VN/STEURER

Wir stehen nun seit eineinhalb Jahren unter dem Einfluss der Pandemie, wie hat sich das auf Sie und Ihre Sportausübung ausgewirkt?
Brajkovic In der letzten Saison waren elf unserer 13 Spieler mit Corona infiziert, ich auch. Deshalb mussten wir dann einen Monat aussetzen, waren im Hotel isoliert. Bei mir hat sich das vor allem auf das Gewicht ausgewirkt: Ich hatte keinen Geruchs- und Geschmackssinn, hatte keinen Appetit. Auch in den letzten Wochen der Saison habe ich bemerkt, dass es mir körperlich nicht mehr so gut ging.

Was trauen Sie Ihrer Mannschaft in der kommenden Saison zu?
Brajkovic Wir haben leider zwei wichtige Guards verloren, die werden schwer zu ersetzen sein. Es sind aber auch zwei Spieler von der Highschool gekommen und ein Spieler ist aus Michigan zu uns gewechselt, das ist eines der besten Programme in Amerika. Der wird uns sicher sehr helfen können. Aber ich habe noch nicht viel mit der Mannschaft trainiert, also kann ich dazu noch nicht sehr viel sagen. Man erwartet aber auch nicht viel von uns.

Der Sport wird immer moderner, wie hat sich Ihr Spiel in den letzten Jahren entwickelt?
Brajkovic Ich weiß noch, dass ich wirklich als reiner Center nach Davidson gekommen bin, da waren meine Möglichkeiten sehr beschränkt. Ich entwickle mich immer weiter, ich habe viel an meinen Zügen und Würfen von außen gearbeitet. Die Dreier sind für einen Center speziell wichtig.

Wie steht es um Ihre akademische Laufbahn, wie lässt sich das Studium mit dem Sport vereinbaren?
Brajkovic In der kommenden Saison bin ich fertig mit dem Studium, dann werde ich einen Bachelor in Political Science (Politikwissenschaften, Anm.) haben. Es gab stressige Zeiten, vor allem mit dem engen Spielplan, aber die Professoren zeigen auch Verständnis.

VN-Interview: So will es Luka Brajkovic in die NBA schaffen.
Der 2,08-Meter-Mann hat in den kommenden Wochen und Monaten große Aufgaben zu bewältigen. VN/STEURER