Austrias Klubkasse freut sich über 750.000 Euro

Sport / 14.07.2021 • 11:30 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Austrias Klubkasse freut sich über 750.000 Euro
Anlässlich seines Besuches in der Sportredaktion der Vorarlberger Nachrichten sprach Fußball-Unternehmer Ahmet Schäfer über seine Beteiligung bei der Austria Lustenau. SERRA

„Einstandsgeschenk“ von Fußballunternehmer Ahmet Schäfer, der sich 25 Prozent der Austria GmbH sichert.

Schwarzach Sie war ein Wechselbad an Emotionen, die Saison 2020/21. Abgesehen von Corona durfte Ahmet Schäfer als Klubbesitzer von Clermont Foot 63 den Aufstieg in die französische Ligue 1 bejubeln, während ihm sein Fußballnetzwerk CSC mit den Partnerklubs Austria Lustenau und Vendsyssel FF Sorgenfalten verursachte. Doch der 40-Jährige, der sich im Interview klar als Fußballunternehmer deklariert, wirkt ob seines finanziellen Verlustes von mehr als 2,1 Millionen Euro in Dänemark sehr besonnen, wenn er die Dinge beim Namen nennt. Dazu zählen auch die sportlichen und infrastrukturellen Defizite in Lustenau. Allein es gibt einen kleinen, feinen Unterschied: Die Austria und die Menschen in der Stickergemeinde haben es ihm persönlich angetan, sodass er noch mehr Bereitschaft zeigt, mehr Risiko für den Erfolg einzugehen. Heißt im Klartext: Seine Firma CSC übernimmt 25 Prozent der Austria GmbH und schießt 750.000 Euro in das Drei-Millionen-Budget des heimischen Zweitligaklubs zu.

Ihre Anwesenheit in Lustenau ist ja fast eine Sensation. Sie waren praktisch nie hier. Warum nicht?

Das hat mit der besonders intensiven Zeit in den letzten Monaten zu tun. Wir hatten in Clermont sehr viel zu tun. Und dann gab es die Probleme mit unserem ehemaligen dänischen Verein Vendsyssel. Ehemalig deswegen, weil wir uns von dort zurückgezogen haben. Wir hatten dort den Klub vom vormaligen Besitzer Jacob Andersen gekauft. Dieser blieb mit zehn Prozent noch im Aktionariat drinnen. Er war dann weiter als Übergangsgeschäftsführer so tätig, als hätte sich nichts verändert und als ob er frei entscheiden könne. Es kam zu Konflikten und wirtschaftlichen Ungereimtheiten. Sportlich gerieten wir in eine Negativspirale. Wir konnten den Klub zwar sportlich stabilisieren und retten. Letztlich haben wir den Klub zum symbolischen Preis von einem Euro wieder an den vormaligen Besitzer zurückgegeben – mit einem beträchtlichen Verlust unsererseits. Kurzum: Ich habe für all diese Dinge sehr viel Zeit gebraucht. Jetzt haben wir nur noch Clermont und Lustenau und können unsere Ressourcen darauf konzentrieren. Wir wollen Lustenau jetzt richtig aufbauen.

Sie reden im Zusammenhang mit der Austria jetzt auch von Besitz. Hat sich da etwas in der Partnerschaft verändert?

Ja, es hat sich. Wir werden uns unter Einhaltung aller rechtlichen und formellen Abläufe mit 25 Prozent in die Austria als Gesellschafter einbringen.

Was bedeutet das für die Austria wirtschaftlich?

Dass wir uns mit 750.000 Euro in die Gesellschaft einkaufen. Die GmbH hätte dann einen Wert von drei Millionen Euro. Und das zusätzlich zu den Spielern, die wir der Austria zur Verfügung stellen. Im vergangenen Jahr waren das Leistungen im Ausmaß von 685.000 Euro. Die vier Spieler wurden von Clermont bezahlt. Auch die von uns gestellten Personen im Verein bezahlen wir extra. Und das ohne Gewinn. Weil wir noch keinen dieser Spieler verkauft haben. Wir sind natürlich Geschäftsleute, Unternehmer, die Geld verdienen wollen. Wir sind im Fußballbusiness tätig. Aber für die Austria ergeben sich Synergien, die als zusätzliches Produkt zur Verfügung stehen.

Fußball, die etwas andere Tabelle

Details zur Tabelle der anderen Art (Umfrage der Vereinigung der Fußballer/VdF)

2. Liga

 1. FC Liefering 10 10 9 10 10 10 10

 2. GAK 10 10 10 9 9 9 9

 3. FC BW Linz 10 9 9 9 9 10 9

 4. SK Rapid Wien II 10 9 8 7 9 7 9

 5. FC Juniors OÖ 9 9 9 8 8 7 8

 6. SK Austria Klagenfurt 9 9 9 8 8 7 8

 7. Kapfenberger SV 1919 9 9 9 8 8 8 8

 8. FC Mohren Dornbirn 9 9 8 6 7 9 7

 9. SK Vorwärts Steyr 10 9 8 7 7 6 8

10. Young Violets Austria Wien 10 9 8 7 4 9 8

11. FC Wacker Innsbruck 9 9 8 6 8 8 6

12. Floridsdorfer AC Wien 8 8 7 5 5 9 8

13. SV Horn 9 7 7 5 4 9 7

14. SV Lafnitz 10 8 5 7 8 6 4

15. SV Amstetten 10 9 7 6 6 5 3

16. SC Austria Lustenau 7 8 7 7 5 4 7

Die Punkte wurden in einer Spielerumfrage ermittelt und beziehen sich auf folgende Fragen:

Frage 1: Pünktlichkeit der Auszahlung von Gehältern; Frage 2: Klarheit der Verträge; Frage 3: Lohnfortzahlung bei Verletzungen; Frage 4: Informationsaustausch (Management und Mannschaft); Frage 5: Image des Klubs; Frage 6: Medizinische Betreuung im Verein; Frage 7: Angemessene Ausrüstüng

Das klingt fürs Erste sehr verheißungsvoll. Wie stark werden Sie die Dinge in Lustenau bei der Austria nun bestimmen? Die sportlichen Probleme waren bei der Austria ja mit denen in Dänemark vergleichbar.

Ja, das war sicher so. Ich will Vorgänger-Trainer Kiene keinen Vorwurf machen. Aber wir haben gesehen, dass er die Mannschaft nicht mehr so erreicht hat, wie wir uns das erhofft hatten. Jetzt kann man natürlich sagen, dass in der Arbeit und der Weiterentwicklung junger Spieler ein gewisses Maß an Volatilität zu erwarten ist. Dass du nicht so viel Konstanz hast wie in einer Mannschaft mit lauter 28- bis 30-Jährigen, die schon lange in der zweiten Liga gespielt haben. Es ist trotzdem wichtig, eine Kontinuität zu erreichen. Das wird mit jungen Spielern jedoch immer schwierig bleiben. Da ist der Trainer gefordert. Heuer versuchen wir eben auch Dinge abseits des Platzes zu verbessern, so in der Gesamtbetreuung der Spieler.

Die Austria ist laut einer aktuellen Tabelle der Spielergewerkschaft an letzter Stelle gereiht. Der Bedarf nach Verbesserungen scheint also sehr groß zu sein?

Das zeigt, dass man überall besser werden muss. Dazu zählt vor allem die medizinische Betreuung und das Image. Das hat unter der Lizenzierungsgeschichte stark gelitten. Aus meinen Erfahrungen mit Clermont weiß ich: Da ist es gelaufen und alle waren happy. Und dann gibt es eben auch das Gegenteil.

Was hat sich seit Ihrer Partnerschaft mit der Austria bis heute am Verhältnis zum Verein verändert?

Es hat sich in dieser Zeit im zwischenmenschlichen Bereich viel Vertrauen entwickelt. Wir haben eine solide Basis aufgebaut mit einem offenen Dialog und gemeinsam eine Strategie entwickelt. Auf dem Feld hat sich das noch nicht niedergeschlagen. Es braucht viel Zeit und den Versuch, Spieler so lange wie möglich zusammenzuhalten. Das gelingt natürlich nicht immer, weil wir auch Geld verdienen wollen. Dass wir unsere Partnerschaft nicht stark genug verständlich gemacht haben und den Leuten gesagt haben, was wir eigentlich hier machen, hat mir nicht gefallen. Wichtig ist jetzt, dass wir an einer gemeinsamen Strategie arbeiten und sie mit den entsprechenden Spielern bestücken. Es sollen Spieler sein, die uns allen Freude machen werden.

Inwiefern spüren Sie eine Verantwortung für den Verein und nicht nur für Ihre Geldtasche?

Die Frage ist doch: Ist man im Spielerverkaufs- oder im Klubgeschäft tätig? Für uns gilt das Motto: Das eine tun, das andere nicht lassen. Bestes Beispiel ist Clermont: Da hat der Klub durch den Aufstieg enorm viel an Wert gewonnen. Auf dem Weg dahin haben wir aber auch einen Adrian Grbic für zehn Millionen Euro verkauft. Das zeigt: Mit dem Eintritt ins Aktionariat sage ich mir dann oft halt eher, ich habe lieber etwas Kleines von etwas Großem und helfe es aufbauen, als auf einen Spieler fokussiert zu sein. Wir müssen eine gute Balance finden.

Die Austria-Fans wird das vor allem am Beispiel Brandon Baiye interessieren, den alle gern noch da hätten.

Das ist ein gutes Beispiel. Wenn jetzt für ihn ein gutes Angebot kommt und beim Erlös fließt auch Geld an die Austria, können wir zeigen, dass er bei der Austria zum Leader gereift ist. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie jemand auch den Klub aufwertet. Es ist also immer eine Frage der Balance. kh-cha