Deshalb verlor Altachs Kobras den Nummer-eins-Status

Sport / 15.07.2021 • 20:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Deshalb verlor Altachs Kobras den Nummer-eins-Status
Altach-Kapitän Martin Kobras muss sich nun mit der Rolle des Ersatztorhüters begnügen. GEPA

SCRA-Urgestein, Torhüter und Rekordspieler Martin Kobras (35) zum zweiten Mal von Trainer Damir Canadi degradiert.

Altach Mit einem Knalleffekt startet der Cashpoint SCR Altach in die neue Saison. Doch nicht das Cupspiel in Karlsdorf steht im Mittelpunkt, vielmehr die zweite Degradierung von Torhüter Martin Kobras (35) unter Trainer Damir Canadi zur Nummer zwei. War es 2015 Andreas Lukse, der vom Cheftrainer zur Nummer eins befördert wurde, so darf sich nun Tino Casali (25) über das Vertrauen freuen. Der gebürtige Kärntner löst das SCRA-Urgestein im Tor ab. „Es ist keine Entscheidung gegen Martin, sondern für Tino“, streut Canadi („Zwei überragende Torleute“) beiden Torhütern Rosen und spricht davon, es sich nicht leicht gemacht zu haben. Zumal er Kobras attestiert, großen Anteil am sportlichen Aufstieg des SCR Altach als auch für seine Trainerkarriere gehabt zu haben. Deshalb bleibe er ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft, zumal gerade die jungen Spieler von seiner Erfahrung und Routine profitieren können. Die Enttäuschung des Spielers, der seine Situation aktuell nicht kommentieren wollte, könne er durchaus nachvollziehen. Deshalb wollte und konnte Canadi auch zwei Tage vor dem Spiel in Karlsdorf nicht bestätigen, dass Kobras – wie vorgesehen – im Cup das Tor stehen werde. „Er wird womöglich ein paar Tage brauchen, um die Entscheidung zu verdauen. Diese wird er auch erhalten und deshalb werden wir sehen, ob er am Samstag bereit ist.“ Zumal selbst das Lob des Trainers, der den Lingenauer als „wichtige Gallionsfigur, der weiter eine wichtige Rolle in unserer Mannschaft einnehmen wird“ bezeichnete, bei Kobras den Schmerz des sportlichen Stachels derzeit nicht lindern dürfte.

Überraschende Wachablöse

Verständlich, war Kobras mit seinen Leistungen doch maßgeblich daran beteiligt, dass der Cashpoint SCR Altach in der so schwierigen Saison 2020/21 am Ende doch den Klassenerhalt geschafft hat. Mit 357 Spielen für die Rheindörfler ist der Torhüter nicht nur der Rekordspieler, sondern auch eine Klublegende. Nun ist seine Zukunft durchaus ungewiss, auch wenn sein Vertrag noch bis Saisonende läuft. Dabei war vorgesehen, dass sich Sportchef Werner Grabherr im Laufe der Saison mit dem Torhüter über dessen Vorstellungen über die aktive Karriere hinaus zu halten. „Es muss immer unser Bestreben sein zu versuchen, einen Spieler wie Martin Kobras in einer anderen Rolle weiter an den Verein zu binden“, hatte Grabherr nicht erst bei seinem Amtsantritt betont.

„Kobras ist eine Gallionsfigur. Und es ist keine Entscheidung gegen Martin, sondern für Tino.“

Damir Canadi über die neue Rollenverteilung der Torhüter


Nicht zuletzt deshalb kommt die Wachablöse von Kobras einigermaßen überraschend. Zumal dieser in der Vorsaison auch für einen weiteren Bestwert eines Torhüters des Cashpoint SCR Altach seit dem Wiederaufstieg 2014 gesorgt hatte: In zwei Bundesligaspielen hatte er jeweils zehn Schüsse abgewehrt – das war Saisonhöchstwert. Und in der Jahrestabelle der abgewehrten Torschüsse in Prozent war er mit einer Quote von 69,6 hinter Patrick Pentz (Austria Wien/72,5 %) und Jörg Siebenhandl (SK Sturm/70,6 %) auf Rang drei gelegen.
Mit Ende der vierten Vorbereitungswoche war Canadi, zusammen mit seinem Trainerstab zur Überzeugung gelangt, Casali aufgrund dessen physischer Präsenz den Vorzug zu geben. „Er ist spielerisch ein perfekt ausgebildeter Torhüter“, hält der 51-jährige Coach große Stücke auf seine neue Nummer eins, die im Vorjahr den Weg über Mattersburg ins Rheindorf fand. Der mit 1,92 Meter etwas größere Keeper (Anm. d. Red.: Kobras, 1,82 m) hat bislang 14 Bundesligaspiele bestritten, darunter fünf für den SCRA. In diesen war er nie ohne Gegentreffer geblieben. Ganz anders im Cup, wo er alle drei Spiele bestritt, zwei Siege feierte und eine Partie ohne Gegentor beendete. Sein BL-Debüt feierte der Villacher ausgerechnet bei einem Ex-Altach-Trainer: Unter Klaus Schmidt debütierte er für Mattersburg am 13. April 2019 bei der Niederlage (1:2) gegen Rapid.