„Der Sportler bestimmt selbst die Wertigkeit“

Sport / 18.07.2021 • 17:49 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Der Sportler bestimmt selbst die Wertigkeit“

Sportschütze Wolfram Waibel jun. ist der letzte Medaillengewinner und in Tokio zum achten Mal bei Sommerspielen dabei.

Tokio Wenn in Vorarlberg von Olympischen Sommerspielen die Rede ist, ist der Name Waibel allgegenwärtig. Wolfram Waibel senior ist mit insgesamt fünf Teilnahmen der Rekordhalter in der insgesamt 60 Aktive umfassenden Statistik. Gleichzeitig nahm der heute 74-Jährige 1992 in Barcelona gemeinsam mit seinem Sohn Wolfram an Sommerspielen teil.

Nicht nur was die Anzahl der Einsätze im Zeichen der fünf Ringe betrifft, wurde der Vater von seinem Sohn übertroffen. Der heute 51 Jahre alte Junior holte 1996 in Atlanta mit Silber im Luftgewehr und Bronze in der Kleinkaliber-Dreistellung nicht nur die letzten der insgesamt drei Vorarlberger Medaillen bei Sommerspielen. Nach vier Olympiastarts als Aktiver zwischen 1992 und 2004 ist der Hohenemser in Tokio zum vierten Mal in Folge als Trainer dabei. Nach den Einsätzen 2008 und 2012 als Schweizer Nationaltrainer kommt Waibel jun. nach 2016 nun in Japan zum vierten Mal als Trainer zu olympischen Ehren. „Eine Nominierung zur Olympischen Spielen ist aus meiner Sicht immer noch das höchste der Gefühle und eine besondere Auszeichnung und Ehre. Da gibt es aus meiner Sicht auch keinen großen Unterschied, ob dies als Aktiver oder als Trainer der Fall ist.“

Wettkampf und Drumherum

Keine Zweifel lässt der zweimalige Medaillengewinner darüber aufkommen, ob die Olympischen Spiele in Tokio durch die coronabedingten Einschränkungen an Wertigkeit verlieren: „Die derzeitige Siutation als Katastrophe zu bezeichnen, wäre absolut nicht richtig. Natürlich wäre mir auch lieber, wenn die Sommerspiele so wie in der Vergangenheit mit Zuschauern und allen positiven Begleiterscheinungen über die Bühne gehen würden. Doch abgesehen von einigen wenigen Sportarten wie Fußball, Tennis oder Basketball ist ein Olympiastart immer noch das größte der Gefühle. Ein Sportler muss unter den gegebenen Umständen für sich selbst entscheiden, was für eine Wertigkeit er dem Olympiastart einräumt.“

Der Dauerbrenner im Zeichen der fünf Ringe betont gleichzeitig, dass bei der Denkweise ein klarer Unterschied zwischen dem Wettkampf und dem Drumherum gemacht werden muss: „Im Schießsport ist es so, dass während des Wettkampfes die gleichen Gesetze gelten, wie vor den Coronabeschränkungen. In der Phase des Wettkampfes ist egal, ob nur Aktive und eine begrenzte Anzahl an Betreuern und Funktionären in der Halle sind. Der große Unterschied ist sicherlich die Situation danach. Da spielt es schon eine große Rolle, ob bei einer Siegerehrung dieZuschauer da sind oder die Flowerzeremonie unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgt. Speziell für das Gros der Amateursportler sind es solche Momente, die einen über viele Jahre zum täglichen Training motivieren.“

Ähnlich wie Vorarlbergs Paradeschütze charakterisiert auch Gymnastin Caroline Weber die Thematik: „Ein Start bei Olympia ist und bleibt ein großartiges Erlebnis und ist mit keiner anderen Sache vergleichbar“, betont die 35-Jährige, 2008 und 2012 bei Sommerspielen als Aktive dabei. „Es ist natürlich extrem schade, dass in Tokio keine Zuschauer erlaubt sind. Ich hoffe und wünsche mir, dass die Sportler aber trotzdem den vielleicht einzigartigen und unvergleichlichen olympischen Flair doch genießen können.“

„Ein Olympiastart ist und bleibt für den Großteil von Sportlern das größte der Gefühle.“

Die Lustenauerin Elisa Hämmerle (l.) ist die 13. Aktive der Vorarlberger Turnerschaft bei Sommerspielen. Philipp Oswald (r.) aus Dornbirn ist nach Julian Knowle und Tamira Paszek der dritte heimische Tennisspieler, der im Zeichen der fünf Ringe aufschlägt. GEPA/VN-Serra
Die Lustenauerin Elisa Hämmerle (l.) ist die 13. Aktive der Vorarlberger Turnerschaft bei Sommerspielen. Philipp Oswald (r.) aus Dornbirn ist nach Julian Knowle und Tamira Paszek der dritte heimische Tennisspieler, der im Zeichen der fünf Ringe aufschlägt.
GEPA/VN-Serra
Die Feldkircherin Bettina Plank hat die Ehre, als einzige rot-weiß-rote Kämpferin bei der Olympiapremiere des Karatesports in Tokio auf der Kampffläche zu stehen.ÖKB/Roth
Die Feldkircherin Bettina Plank hat die Ehre, als einzige rot-weiß-rote Kämpferin bei der Olympiapremiere des Karatesports in Tokio auf der Kampffläche zu stehen.ÖKB/Roth
57 Jahre nach dem Olympiadebüt ihrer Klubkollegen Werner Fischer/Karl Geiger 1964 in Tokio sorgt das 49er-Duo Benjamin Bildstein (r.) aus Wolfurt und Vorschoter David Hussl an selber Stelle für ein Revival des YC Bregenz auf der olympischen Bühne.GEPA
57 Jahre nach dem Olympiadebüt ihrer Klubkollegen Werner Fischer/Karl Geiger 1964 in Tokio sorgt das 49er-Duo Benjamin Bildstein (r.) aus Wolfurt und Vorschoter David Hussl an selber Stelle für ein Revival des YC Bregenz auf der olympischen Bühne.GEPA