„Jedes Wochenende ist Zeugnisverteilung“

Sport / 19.07.2021 • 21:29 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Das neue, jüngere Gesicht, Bildmitte Samuel Mischitz, des Cashpoint SCR Altach.gepa
Das neue, jüngere Gesicht, Bildmitte Samuel Mischitz, des Cashpoint SCR Altach.gepa

SCRA-Geschäftsführer Christoph Längle (51) über Finanzen, die Causa Martin Kobras und die neue Mannschaft.

Altach Erstmals nach dem 2. März 2020 ist die Cashpoint Arena am Samstag im Heimspiel gegen den LASK ohne Zuschauer-Beschränkung zugänglich. Waren es vor 503 Tagen mehr als 4000 Fans, die einen 3:2-Heimsieg über Abonnement-Meister Salzburg bejubelten, so hofft SCRA-Geschäftsführer Christoph Längle doch, dass mit Anpfiff um 17 Uhr an der 5000er-Marke gekratzt wird. Der Vorverkauf und die „spürbare Lust der Zuschauer nach dem Live-Erlebnis Fußball im Stadion“ lassen ihn optimistisch dem Saisonstart entgegenblicken. Dies trotz des „Wirkungstreffers Cup“, der laut dem 51-Jährigen doch einigermaßen unerwartet kam. „Wir waren alle überzeugt, die Hürde zu meistern. Wenn du dann in der ersten Runde gegen einen Amateurverein ausscheidest, fühlt es sich wie ein Schlag in die Magengegend an. Gut, dass wir es am Samstag wiedergutmachen können.“ Doch im VN-Gespräch nahm Längle auch zur Causa Martin Kobras Stellung.

Die Enttäuschung des Torhüters könne er, so Längle, voll und ganz verstehen. In sportliche Entscheidungen des Cheftrainers und seines Trainerteams werde er jedoch nicht eingreifen. „In den meisten professionell geführten Klubs, die ich kenne, sind die Trainer für die Aufstellung zuständig und nicht der Geschäftsführer und der Präsident. Wir haben diesbezüglich eine klare Rollenverteilung und auf diesem Weg den SCR Altach in den letzten 20 Jahren professionalisiert.“ Dennoch wäre es, so Längle, sinnvoll gewesen, wenn es auch ein Vereinsstatement gegeben hätte, denn: „Wir würdigen die Verdienste von Martin Kobras für unseren Klub zu jeder Minute.“

Neues Gesicht der Mannschaft

In der anstehenden Saison gelte es nun den Spagat zwischen Umbruch der Mannschaft und Erwartungshaltung der Fans zu schaffen. Das Gefühl, dass „etwas am entstehen ist“, lasse er sich deshalb auch durch das Cup-Aus nicht nehmen. Wohlwissend, dass Fußball extrem volatil und zu einem Tagesgeschäft geworden sei. „Jedes Wochenende ist Zeugnisverteilung“, sagt Längle. Dennoch habe man versucht, in diesem Sommer eine langfristige Planung anzugehen. „Dass sie in Teilen hart ausgefallen ist, war nicht so geplant. Die Abgänge von Manfred Fischer, Daniel Maderner oder Samuel Oum Gouet müssen erst noch aufgefangen werden. Bei Mandy sind wir als Klub finanziell an unsere Grenzen gegangen, was er auch sehr geschätzt hat. Dennoch hat er sich anders entschieden. Maderner war so nicht geplant, aber das Angebot sehr lukrativ. Auch Samuel hätten wir gerne noch in Altach gehalten. Sein Vertrag wäre 2022 ausgelaufen, und uns war klar, dass wir hier handeln werden.“

Jetzt brauche die Mannschaft einfach auch Zeit, um die Spielidee auch umsetzen zu können. Längle ortet jedenfalls viel Potenzial im Kader, weil „wir dynamischer geworden sind und an Tempo gewonnen haben“. Und so habe man sich in der Transferzeit bewusst für junge Österreicher und ein paar Routiniers entschieden.

Wirtschaftlich auf gutem Wege

Die Transfereinnahmen des Sommers 2020 werden sich allerdings erst im Geschäftsbericht 22 niederschlagen. Für die anstehende Saison plant man beim Cashpoint SCR Altach mit einem Budget von knapp neun Millionen Euro. Vor allem der Mannschaftsbereich verschlingt, auch aufgrund des erweiterten Betreuerstabes mehr denn je. Positiv deshalb, dass sowohl der Dauerkartenverkauf als auch im Sponsorenbereich ein Plus verzeichnet werden kann. So werde man das Wirtschaftsjahr 2020/21 mit einem Plus abschließen. „Das ist schon jetzt klar.“ Dennoch werde man weiter nach dem Motto verfahren: Die Wirtschaft gibt den Sport vor. „Damit sind wir gut gefahren. Dass es nicht überall so läuft, sieht man bei Vereinen, die gezwungen sind, Leute mit an Bord zu holen – egal ob national oder regional.“

Plädoyer an die SCRA-Fans

Mit einem Blick Richtung Saisonstart am Samstag kommt noch einmal das Thema Martin Kobras und Fans zur Sprache. Doch die Frage, ob er denn Sympathie-Bekundungen erwarte, könne er nicht beantworten. Klar sei jedoch, so Längle, dass es die Leute beschäftigt. „Der Bezug zu einem Spieler, der seit zwölf Jahren im Verein ist, der mehrmals Fußballer des Jahres war, ist naturgemäß ein besonderer. Unser Torhüter heißt nun aber Tino Casali, und ich hoffe, dass er mit der gleichen Leidenschaft unterstützt wird. Das geht naturgemäß nicht von heute auf morgen, und er weiß auch, dass er liefern wird müssen. Dass die Fans den Martin ins Herz geschlossen haben, ist allen klar, doch darunter soll Tino nicht leiden.“ Wichtiger ist für ihn, dass eine Mannschaft auf dem Platz stehen wird, die „alles für den SCRA Altach tut und die Scharte aus Kalsdorf ausmerzt“.

„Sportliche Entscheidungen hat das Trainerteam zu treffen und nicht die Klubführung.“

Christoph Längle sieht den Klub auf einem guten Wege.Steurer
Christoph Längle sieht den Klub auf einem guten Wege.Steurer