Routiniers mit ehrgeizigem Ziel

Sport / 21.07.2021 • 21:36 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der Dornbirner Philipp Oswald (r.) und sein Grazer Doppelpartner Oliver Marach mit den olympischen Ringen und der bekannten Regenbogenbrücke im Hintergrund.
Der Dornbirner Philipp Oswald (r.) und sein Grazer Doppelpartner Oliver Marach mit den olympischen Ringen und der bekannten Regenbogenbrücke im Hintergrund.

Tennisduo Oswald/Marach startet in Tokio in eine neue Zeitrechnung.

Tokio Beim bereits am Samstag beginnenden olympischen Tennisturnier sind aus heimischer Sicht die Blicke auf den Dornbirner Philipp Oswald und den in Panama lebende Grazer Oliver Marach gerichtet. Die beiden Routiniers, mit insgesamt 76 Jahren hinter den um sechs Monate älteren Brasilianern Bruno Suares/Marcelo Melo die zweitälteste Paarung in Tokio, wird aber nicht nur bei den Sommerspielen in Japan, sondern auch bis Jahresende zusammen agieren.

Während der seit wenigen Tagen 41 Jahre alte Marach bereits vor vier Jahren in Rio an der Seite von Alex Peya Fünfter wurde, feiert Oswald sein Debüt im Zeichen der fünf Ringe. Der mit exakt zwei Meter größte Athlet im ÖOC-Aufgebot zeigt sich überwältigt von den ersten Eindrücken: „Ich war ja schon einige Male in Tokio und habe im Verlauf meiner knapp 15-jährigen Karriere als Profispieler schon einige Städte und Länder gesehen. Doch was hier in Tokio abgeht, ist einfach sensationell. Ich finde das Land super cool, es ist so speziell und die Leute faszinieren mich jedes Mal noch mehr. Die Disziplin, die sie ausstrahlen, wenn sie sich in Zweierreihe ohne Drängeleien für die U-Bahn anstellen, obwohl Tausend Leute warten, ist einfach beeindruckend und vorbildlich.“

Beeindruckende Erfolgsbilanz

Von ihrer besten Seite wollen sich die beiden Routiniers aber auch bei ihren Auftritten im Ariake Tennis Park präsentieren. „Wir zählen sicher nicht zu den Topfavoriten, doch wenn wir einen guten Tag haben, können wir jeden Gegner schlagen“, betont Marach. Der Grazer zählt seit über einem Jahrzehnt zu den weltbesten Doppelspielern, gewann 2018 die Australian Open, stand 2017 im Wimbledonfinale und hat 23 ATP-Titel und 28 Finalteilnahmen auf der ATP-Tour in seiner Erfolgsbilanz stehen. „Die Zahlen sprechen für sich. Oli ist einer der beste Doppelspieler, die ich kenne, und ich bin extrem froh und glücklich, dass ich mit ihm auf einer Seite spiele und ihn nicht als Gegner habe“, betont Oswald.

Die beiden ÖTV-Asse können auch auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit zurückblicken. 2017 holten sie sich beim ATP-250er in Gstaad den Turniersieg. Auch der letzte gemeinsame Auftritt im Februar 2018 beim Davis-Cup in St. Pölten gegen Weißrussland endete mit einem Doppelsieg der Tokio-Paarung. „Obwohl wir erst seit wenigen Tagen zusammen trainieren, hatte ich von der ersten Sekunde an ein unglaublich gutes Gefühl. Wir sprechen nicht nur dieselbe Sprache, wir haben auch in anderen Bereichen dieselbe Wellenlänge.“

Automatismen einstudiert

In den wenigen Tagen der Vorbereitung, die in Dornbirn absolviert wurde, galt es, die Automatismen auf dem Platz zu schärfen. „Da der letzte gemeinsame Auftritt doch einige Zeit zurückliegt, haben wir auf dem Flug nach Tokio auf einem Tennisboard Spielzüge einstudiert und festgelegt, welche Positionen wir bei gewissen Spielsituationen anwenden. Oli ist ein absoluter Fachmann und hat auf jeden Fall mehr Potenzial als meine letzten Partner“, erklärt Oswald.

Dass sich die beiden Familienväter auch abseits des Tennisplatzes bestens verstehen, wurde Oswald bei einem Spaziergang im Olympischen Dorf bewusst: „Als Olympiadebütant hat mich Oli mit dem Pin-Fieber infiziert. Da der Kontakt zur Außenwelt praktisch gänzlich verboten ist, ist das Tauschen der Anstecker eigentlich die einzige Möglichkeit, mit anderen Sportlern in Kontakt zu kommen und damit eine willkommene Abwechslung zum Alltag.“

Knapp 45 Grad auf dem Platz

Etwas gewöhnungsbedürftig waren auch die äußeren Bedingungen bei der ersten Trainingseinheit am frühen Nachmittag. „Neben der ohnehin hohen Luftfeuchtigkeit hat der hitzereflektierende Hartcourtbeleg die Temperatur auf knapp 45 Grad aufgeheizt. Da ist es sicher kein Nachteil, wenn wir erst in den Abendstunden antreten müssten“, so Marach. Doch so richtige Sorgen bereiten die klimatischen Umstände nicht: „Dank der jahrelangen Erfahrung auf der ATP-Tour sind solche Wechselbäder ja nicht gänzlich neu für uns und wir haben uns auch dahingehend eine Taktik zurechtgelegt“, ergänzt Oswald. „Egal ob Grand Slam, ATP-Tour oder jetzt eben Olympische Spiele: Wenn wir am Platz stehen, wollen wir den maximalen Erfolg. Wir fühlen uns wohl und wollen so lange wie möglich im Bewerb bleiben und gleichzeitig eine gemeinsame Erfolgsgeschichte starten.“ VN-JD

„Wir haben die Qualität und können an einem guten Tagen jeden Gegner schlagen.“

Der letzte gemeinsame Auftritt im Februar 2018 im Daviscup in St. Pölten gegen Weißrussland endete mit einem Zweisatzerfolg von Philipp Oswald (l.) und Oliver Marach. GEPA
Der letzte gemeinsame Auftritt im Februar 2018 im Daviscup in St. Pölten gegen Weißrussland endete mit einem Zweisatzerfolg von Philipp Oswald (l.) und Oliver Marach. GEPA