„Dankbar und glücklich“

Sport / 27.07.2021 • 20:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Borchashvili holte mit Bronze die sechste ÖJV-Medaille (2/2/2) bei Sommerspielen.
Borchashvili holte mit Bronze die sechste ÖJV-Medaille (2/2/2) bei Sommerspielen.

Shamil Borchashvili erkämpft mit Bronze erste Judomedaille für Österreich in Tokio.

Tokio Judoka Shamil Borchashvili hat die österreichische Fahne nicht mehr weggeben wollen. Nach dem Gewinn der Bronzemedaille in der Klasse bis 81 kg wickelte er sich in den kühlen Katakomben des Budokan eng damit ein. „Ich bin so dankbar. Und so glücklich für Österreich, dass ich die Medaille geholt habe“, sagte der gebürtige Tschetschene, der als Zehnjähriger mit der Familie nach Österreich geflüchtet war.

Ein absolut perfekter Tag

Der 26-Jährige gewann vier von fünf Kämpfen. Der entscheidende um die Medaille war gegen den Deutschen Dominik Ressler. Es war die erste OÖC-Medaille im Judo seit Silber 2008 durch Ludwig Paischer. Es ist die dritte ÖJV-Medaille bei einem Großereignis in Folge, nachdem die deutsche 2004-Olympiasiegerin Yvonne Bönisch zu Jahresbeginn das Amt der ÖJV-Nationaltrainerin für Frauen und Männer angetreten hatte.

„Es ist ein unglaubliches Gefühl, es war ein absolut perfekter Tag. Meine Cheftrainerin hat mich so gut eingestellt. Sie hat gesagt, genieß den Tag, versuch nicht viel zu denken. Setz das, was du kannst, um, das ist mir heute richtig gut gelungen“, sagte der Tokio-Dritte. „Wenn man an sich glaubt und es träumen kann, dann kann man es auch machen.“

Eine vermeintliche Ippon-Wertung gegen Ressler nach 13 Sekunden war nach Videostudium revidiert worden („Ich wollte gleich von Anfang an Gas geben und das Ding rausholen“), beim zweiten Anlauf wenig später klappte es dann. Borchashvili zwang den Weltranglisten-10. zu Boden und fixierte ihn, bis der Sieg feststand. „Ich war heute mental so stark. Ich kann es gerade nicht beschreiben. Ich hatte gegen jeden Gegner einfach ein perfektes Konzept.“

Den Auftakterfolg feierte Borchashvili über den favorisierten Portugiesen Anri Egutidze im Golden Score mit einer Waza-Ari-Wertung. Danach setzte er sich ebenfalls in der Verlängerung gegen den israelischen Weltranglisten-Zweiten Sagi Muki (Waza-Ari) durch. Auch gegen den Usbeken Scharofiddin Boltabojew machte er Überminuten, blieb erneut im Golden Score und mit Waza-Ari siegreich.

Den Goldkampf verpasste Borchashvili im Halbfinale durch eine Niederlage gegen Saeid Mollaei aus der Mongolei. Es war ein Duell zweier Kämpfer mit Flüchtlingshintergrund. Die Familie von Borchashvili flüchtete mit den Kindern aus Tschetschenien nach Österreich, wo sie in Wels eine neue Heimat fand. 2018-Weltmeister Mollaei stammt aus dem Iran, 2019 sollte er es bei der WM laut Anordnung seiner Regierung vermeiden, auf einen Israeli zu treffen. Er setzte sich nach Deutschland ab, kämpfte infolge für die Mongolei. Mollaei gewann Silber, Olympiasieger wurde der Japaner Takanori Nagase.

„Wenn man an sich glaubt und es träumen kann, dann kann man es auch machen.“

Shamil Borchashvili jubelt nach dem Festhaltesieg im Kampf um Bronze. GEPA
Shamil Borchashvili jubelt nach dem Festhaltesieg im Kampf um Bronze. GEPA