Das Herz schlägt wieder für den Fußball

Sport / 03.01.2022 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Herz schlägt wieder für den Fußball
Raul Marte ist nach Herzproblemen wieder voll fit und arbeitetan seinem Comeback für Austria Lustenau.studio Fasching

Herzprobleme bescherten Raul Marte kein gutes Jahr 2021. Doch der Youngster von Austria Lustenau geht positiv in die Zukunft.

Lustenau “Über alles hat der Mensch Gewalt, nur nicht über sein Herz.” Ein Zitat des deutschen Dramatikers und Lyrikers Friedrich Hebbel, das Raul Marte im abgelaufenen Jahr am eigenen Leib erfahren hat. Der Mittelfeldspieler von Austria Lustenau musste nämlich aufgrund von Herzproblemen die ganze erfolgreiche Herbstsaion seiner Mannschaft von der Tribüne aus verfolgen. Und das mit zarten 19 Jahren, als Mensch, der gerade damit startete, seinen Traum als Profifußballer beim Zweitligisten zu leben.

“Mein Motto heute: Alles Negative in Positives umwandeln.”

Raul Marte, Spieler SC Austria Lustenau

Erster Schutzengel

Am 1. Juli 2021, Marte steckte mit der Austria unter Neo-Trainer Markus Mader gerade mitten in der Saisonvorbereitung, hielt ein Schutzengel erstmals die Hand über den gebürtigen Bresner, als er am Abend mit dem Fahrrad nach Hause fuhr und herzbedingt kollabierte. “Ich war gerade auf dem Heimweg nach einem Fußballspiel, als mir plötzlich übel wurde. Ich stieg vom Fahrrad, musste mich übergeben und verlor darauf das Bewußtsein”, erinnert sich Marte. Zu seinem Glück sah ihn ein befreundeter Autofahrer, der sofort Rauls Vater informierte. “Ich dachte mir im ersten Moment nichts dabei, bin auch nicht ins Krankenhaus. Aber als ich die Geschichte meinem Berater Hannes Aigner erzählte, riet dieser mir, mich sofort untersuchen zu lassen.” Gesagt, getan. Die Diagnose war erschütternd. Bei den Untersuchungen stellte man bei Marte, der in dieser Zeit unter starken Schmerzen litt, eine Herzmuskelentzündung fest. Die Ärzte, die keinen Grund für die Entzündung feststellen konnten, verordneten dem laufstarken Mittelfeldspieler eine vierwöchige Pause, “die ich dann aber selbst verlängerte. Ich wollte einfach auf Nummer sicher gehen”, so Marte, der zugibt, “dass ich richtig fertig war. Ich hatte Respekt vor der Krankheit, immerhin geht es da um das Herz. In dieser Zeit war ich negativ drauf, habe mir auch zusätzliche Probleme eingebildet”.

Schutzengel Nummer zwei

Den nächsten Rückschlag erlitt Marte, immer noch im Rehamodus, Mitte September. Vor den Augen seiner Familie kollabierte der 19-Jährige ein zweites Mal. Untersuchungen zeigten zum Glück, dass mit dem Herz soweit alles gut war. Dennoch löste dieser Vorfall ein Umdenken beim ältesten der drei Marte-Kinder aus Brederis (eine Schwester/18 und ein Bruder/15) aus. Er kontaktierte weitere Ärzte und fand in Dr. Marc Sohm vom Olympiazentrum in Dornbirn eine große Hilfe. “Marc hat mir vor allem bei der Ernährungsumstellung geholfen, die ja für die Blutwerte sehr förderlich ist. Zudem wurde ich bei einem Spezialisten in Konstanz nochmals durchgetestet. Dort wurde mir gesagt, dass ich durchaus wieder langsam an leichtes Training denken kann”, blickt Marte auf diese Zeit zurück, “in der ich auch wieder begann, positiv zu denken. Ich habe mir für mich das Motto ausgesprochen, alles Negative in Positives umzuwandeln. Dafür habe ich mir auch einiges an Literatur zugelegt, obwohl ich überhaupt keine Leseratte bin”, erzählt der Maturant des BG Mehrerau.

“Der Start war schwer, weil mir ja immer mein Herz im Kopf herumschwirrte. Aber jetzt macht es Spaß, denn ich habe wieder volles Vertrauen in meinen Körper.”

Raul Marte, Spieler SC Austria Lustenau

Wieder im Training

Seit sechs Wochen steht Marte im Training, ein eigens für ihn konzipiertes Programm soll ihn an die Kampfmannschaft heranführen. Während also seine Mitspieler im Urlaub sind, arbeitet Marte an seinem Comeback. “Der Start war schwer, weil mir ja immer mein Herz im Kopf herumschwirrte. Aber jetzt macht es Spaß, denn ich habe volles Vertrauen in meinen Körper.” Weihnachten 2021 wird für Marte sicher ein besonderes, “weil ja meine Familie und Freunde mitgelitten haben. Ihnen gilt mein ganzer Dank, sie haben mich in dieser schweren Zeit immer voll unterstützt.” Er vergisst auch nicht auf die Austria: “Es war schon toll zu sehen, als Haris Tabakovic nach einem Tor mein Trikot in die Höhe hielt. Das hat mir einen Motivationsschub für das neue Jahr gegeben.”

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