Bischofshofen springt für „Windsbruck“ ein

Sport / 04.01.2022 • 18:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Föhn sorgt für Absage am Bergisel und für Dreischanzentournee.

Innsbruck Nichts geht in Innsbruck: Wegen eines Föhnsturms wurde das dritte Tourneespringen am Bergisel abgesagt und heute, Mittwoch, in Bischofshofen nachgeholt. Markus Eisenbichler und Karl Geiger hockten dick eingepackt im Team-Container, während der Föhnsturm am Bergisel erbarmungslos tobte: Die Jagd der deutschen Skisprungstars auf Topfavorit Ryoyu Kobayashi ist in Innsbruck vom Winde verweht worden, nach der unvermeidlichen Absage kommt es nun mit zwei Springen in Bischofshofen am Mittwoch und Donnerstag zur zweiten „Dreischanzentournee“ der Geschichte.

Verständnis in Delegationen

„Es war die richtige Entscheidung, es war zu gefährlich zum Springen. Innsbruck ist eben die klassische Föhnhauptstadt“, sagte der deutsche Bundestrainer Stefan Horn­gacher, der mit seiner Mannschaft am Dienstagnachmittag noch in Richtung Bischofshofen aufbrach. Angesichts der Böen von über 80 km/h am Hausberg von „Windsbruck“ hatte der Österreicher „kein gutes Gefühl“.

Weil zudem die gefräste Anlaufspur bei Plusgraden in der Tiroler Landeshauptstadt stark nachgab, war die Absage schließlich unausweichlich – um exakt 15.00 blies Sandro Pertile, Renndirektor des Weltverbandes FIS, alles ab.

„So ist unser Sport eben. Gegen den Wind macht man nicht viel. Wir wären gerne gesprungen, aber die Sicherheit der Athleten hat Priorität“, sagte der Italiener, der zunächst die Startzeit von 13.30 Uhr vier Mal verschoben hatte. Weil der Bergisel die einzige Tourneeschanze ohne Flutlicht ist, war eine weitere Verschiebung unmöglich.

Die Springer, deren Geduld über mehrere Stunden auf eine harte Probe gestellt worden war, reagierten schließlich erleichtert. „Ich glaube nicht, dass es hier zu einem fairen Springen gekommen wäre“, sagte Österreichs Weltmeister Stefan Kraft. Er hatte sich mit seinen Teamkollegen die Zeit mit Darts-Duellen in der Kabine vertrieben.

Innsbruck vom Tisch

Plan B der Jury um Pertile, der nach der Absage mit den Organisatoren diskutiert, beinhaltete keinen neuen Versuch in Innsbruck. „Ich denke, dass es nicht möglich ist, es hier noch einmal zu probieren“, sagte Pertile: „In Bischofshofen sind wir flexibler, da haben wir Flutlicht.“

Dort kommt es am Tag vor dem Tourneefinale zu Springen Nummer drei, vor dem eine Qualifikation (13 Uhr) ausgetragen wird. Die ursprünglich für Mittwoch angesetzte Vorausscheidung findet nun am Donnerstag (14.30 Uhr) vor dem finalen Springen statt. Beide Wettbewerbe finden im ersten Durchgang im K.-o.-Modus statt. So ähnlich war auch im Jänner 2008 verfahren worden, nachdem ebenfalls in Innsbruck der Wettbewerb wegen eines Föhnsturms ausgefallen war.

Erst zum sechsten Mal seit 1953 wurde ein Tournee-Wettkampf zeitlich und/oder örtlich verlegt, gänzlich ausgefallen ist noch kein einziger. Die Organisatoren haben noch ein Polster, um die Tournee auch diesmal mit vier Springen auszutragen: Für Samstag und Sonntag sind zwei zusätzliche Weltcups in Bischofshofen vorgesehen, die „umgewidmet“ werden könnten.

Innsbruck machte wieder seinem Ruf als launische Schanzen-Diva alle Ehre. „Der Bergisel ist halt ab und zu a blede Sau“, hatte Eisenbichler, der an gleicher Stelle 2019 Weltmeister geworden war, genau vor einem Jahr festgestellt.

„Ich glaube nicht, dass es hier zu einem fairen Springen gekommen wäre.“

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