Liensberger zündete den Turbo

Sport / 04.01.2022 • 21:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mit einem skifahrerischen Kraftakt nach einem Fehler schaffte es Katharina Liensberger im zweiten Slalomlauf in Zagreb noch als Dritte aufs Stockerl.gepa
Mit einem skifahrerischen Kraftakt nach einem Fehler schaffte es Katharina Liensberger im zweiten Slalomlauf in Zagreb noch als Dritte aufs Stockerl.gepa

Trotz Fehler auf Platz drei im Weltcup-Slalom von Zagreb hinter Vlhova und Shiffrin.

Zagreb Sie fuhr schon außerhalb der Spur, lag fast im Schnee. Auf dem letzten Zacken rettete sich Katharina Liensberger in den Kurs zurück. Als Belohnung für den Kraftakt im zweiten Durchgang nach Platz fünf im ersten Lauf gab es mit Rang drei beim Weltcup-Slalom in Zagreb den nächsten Stockerlplatz für die Göfnerin, geschlagen nur von Petra Vlhova und Mikaela Shiffrin.

„Es war am Limit“

Mit viel Wut im Bauch machte Liensberger nach ihrem Fehler Tempo. „Jetzt muss ich den Turbo zünden“, sagte die 24-Jährige im Ziel. „Es war am Limit. Ich habe voll riskiert. Es war überraschend für mich, dass ich im Kurs geblieben bin. Ich habe einfach alles gegeben. Dass es jetzt für ein Podium reicht ist unglaublich.“ Auf Siegerin Vlhova fehlten diesmal 2,11 Sekunden.

Sie habe von der problematischen Stelle auf dem Hang gewusst. „Ich wollte das gut meistern, es hat mich aber hinten reingedrückt. Ich muss wohl noch ein wenig üben, dass es so gelingt, wie ich es mir vorstelle.“ Liensberger, schließlich 16. im zweiten Lauf, fühlt sich nach der Coronapause wieder fit. „Ich kann mit jedem Tag wieder mehr Kraft und Energie ins Skifahren bringen. Das gibt Vertrauen, darauf kann ich aufbauen.“

Vlhova schaffte in Zagreb den Hattrick. Die Slowakin gewann – wie in den beiden Vorjahren am Hausberg Sljeme. Die 26-Jährige ließ sich weder vom warmen Wetter, dem starken Wind noch von der mit Laub bedeckten Piste ablenken und siegte mit einer halben Sekunde Vorsprung vor Shiffrin. Sie nutzte in Lauf eins die Startnummer eins perfekt zu einem respektablen Vorsprung, den sie auch im zweiten nicht mehr hergab. Und das obwohl Shiffrin, die nach ihrer Coronainfektion wieder starten konnte, einen starken und überlegten zweiten Lauf hinlegte.

Ausgezeichnete Sechste wurde – wie kürzlich in Lienz – Katharina Gallhuber. Sie verbesserte sich im Finale mit einer soliden Fahrt von Rang 13 um sieben Plätze und wurde damit zweitbeste Österreicherin. Katharina Truppe belegte den 16. Platz (+3,90 Sekunden), Katharina Huber kam auf Rang 22, während Chiara Mair und Marie-Therese Sporer im zweiten Durchgang ausrutschten und ausfielen.

Selbstvertrauen getankt

„Jeder gute Lauf, jedes gute Rennen gibt Selbstvertrauen“, meinte Gallhuber. „Es waren heute ganz andere Bedingungen, auch da habe ich gesehen, dass ich schnell sein kann. Es war definitiv ein Fight.“ Auf die widrigen Bedingungen angesprochen, meinte die 24-jährige Niederösterreicherin: „Wir sind ein Freiluftsport, man muss es nehmen wie es ist und das Beste draus machen. An so viel Laub auf einer Piste kann ich mich nicht erinnern, aber es gibt immer ein erstes Mal.“

Truppe gestand im Ziel ihre liebe Mühe. „Das ist definitiv der Untergrund, wo ich noch viel arbeiten muss, um das perfekte Material zu finden. Ich habe mich da runter schon oft viel besser gefühlt. So eine dreckige Piste habe ich noch nie gehabt, das war definitiv ein harter Tag.“

Auf sich aufmerksam machte Ali Nullmeyer. Die 23-jährige Kanadierin wurde, offenbar unbeeindruckt von Wetter und Piste, mit Laufbestzeit im Finale Gesamt-Fünfte.

„Ich habe einfach alles gegeben, und dass es jetzt für ein Podium reicht, ist unglaublich.“

Ski-Weltcup

Damenslalom Zagreb 

1. Petra Vlhova (SVK)   1:56,99 55,99 1:01,00

2. Mikaela Shiffrin (USA)  1:57,49 +0,50 56,63 1:00,86

3. Katharina Liensberger (AUT)  1:59,10 +2,11 57,16 1:01,94

4. Wendy Holdener (SUI)   1:59,35 +2,36 56,80 1:02,55

5. Ali Nullmeyer (CAN)   1:59,57 +2,58 58,89 1:00,68

6. Katharina Gallhuber (AUT)   1:59,99 +3,00 58,71 1:01,28

7. Leona Popovic (CRO)  2:00,04 +3,05 58,80 1:01,24

8. Ana Bucik (SLO)  2:00,25 +3,26 58,47 1:01,78

9. Maria Therese Tviberg (NOR)  2:00,26 +3,27 58,81 1:01,45

10. Michelle Gisin (SUI)  2:00,27 +3,28 58,25 1:02,02

11. Paula Moltzan (USA)   2:00,32 +3,33 58,59 1:01,73

Lena Dürr (GER)   2:00,32 +3,33 57,68 1:02,64

13. Nastasia Noens (FRA)  2:00,43 +3,44 58,52 1:01,91

14. Sara Hector (SWE)  2:00,67 +3,68 58,82 1:01,85

15. Charlotta Säfvenberg (SWE)   2:00,70 +3,71 59,92 1:00,78

16. Katharina Truppe (AUT)  2:00,89 +3,90 58,92 1:01,97

22. Katharina Huber (AUT)   2:02,66 +5,67 59,97 1:02,69

Ausgeschieden im 1. Durchgang u. a.: Bernadette Lorenz (AUT), Laurence St-Germain (CAN), Martina Dubovska (CZE)

Ausgeschieden im 2. Durchgang: Marie-Therese Sporer (AUT), Chiara Mair (AUT), Anna Swenn Larsson (SWE), Mina Fürst Holtmann (NOR), Emma Aicher (GER), Andreja Slokar (SLO), Erin Mielzynski (CAN), Lara Della Mea (ITA)

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