„Fitness bewahrte mich vor Verletzungen“

Sport / 05.01.2022 • 21:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Winter arbeitet Fabienne Wohlwend verstärkt an ihrer Fitness.vn
Im Winter arbeitet Fabienne Wohlwend verstärkt an ihrer Fitness.vn

Motorsportlerin Fabienne Wohlwend (24) blickt zuversichtlich auf die kommende Saison.

Schellenberg, Göfis Die Liechtensteinerin Fabienne Wohlwend ist die einzige Rennfahrerin aus dem deutschsprachigen Raum in der Frauenrennserie WSeries, die seit dieser Saison im Rahmenprogramm der Formel 1 unterwegs ist. Dank zweier Podestplätze zu Saisonbeginn in Spielberg und Silverstone und dem sechsten Rang in der Gesamtwertung hat sich die 24-Jährige einen Fahrervertrag für die kommende Saison gesichert und wird auch dann wieder auf den selben Rennstrecken wie Max Verstappen oder Lewis Hamilton um wertvolle Punkte fahren.

„Nach dem sehr positiven Saisonstart hatte ich mit den Unfällen in Spa und Zandvoort zwei Rückschläge, aber Motorsport ist wie eine Achterbahnfahrt und kann nicht immer so laufen, wie man es sich wünscht“, so die Liechtensteinerin. Dass sie sich bei den nicht ganz schön anzusehenden Unfällen in Belgien und den Niederlanden nicht verletzte, liegt auch ein Stück in Vorarlberger Händen. „Meine super körperliche Fitness hat mich vor Verletzungen bewahrt. Daran arbeite ich mit dem Göfner Max Cavada täglich sehr intensiv“, so Fabienne Wohlwend. Denn dieser Punkt werde im Motorsport am meisten unterschätzt: „Jeder kann 300 Kilometer am Stück fahren und denkt, es sei nicht schwer, Autorennen zu fahren. Aber in unseren Rennboliden, einem Formel-3-Fahrzeug, haben wir keine Servolenkung, keinen Bremskraftverstärker, kein ABS und keine Traktionskontrolle. Ohne diese technischen Hilfen sind Arme, Oberkörper und auch Beine extrem gefordert. Und bei den hohen Fliehkräften ist auch die Nackenmuskulatur ein großes Thema.“

Neben der Fitness ist auch eine schnelle Verarbeitung dieser Ereignisse wichtig. Dabei sei sie froh, dass sie Unfälle schnell analysieren und auch mental gut verarbeiten könne. Die Bilder würden oft schlimmer aussehen, als sie es erlebe, wie der Abflug in Zandvoort beweist. „Weil viel Dreck aufgewirbelt wird, sieht es relativ schlimm aus. Allerdings habe ich es selbst gar nicht so wahrgenommen.“

80.000 Dollar Preisgeld

Entschädigt hat sie sich für diese Saison in der WSeries mit einem Preisgeld von 80.000 Dollar, das sie in ihre weitere Karriere investieren wird. „Die Testtage muss ich ja weiterhin selbst finanzieren, und auch in den anderen Rennserien gibt es nur wenige Cockpits, in denen man Geld erhält und nicht investieren muss. Das ist in der WSeries etwas ganz Außergewöhnliches. Ich lebe von diesem Traum und kann neben dem Preisgeld dankenswerterweise auch auf ganz viele, sehr treue Sponsoren zählen. Sie ermöglichen mir, mich voll und ganz auf das Racing zu konzentrieren“, so Wohlwend, die bis vor Kurzem auch in der Ferrari Challenge sehr erfolgreich aktiv war. Dort erreichte sie zweimal den Vize-Europameistertitel und fuhr als erste Frau auch einen Sieg im Weltfinale ein. Da die Partnerschaft mit dem Zürcher Rennstall Octane126 2021 zu Ende ging, sind ihre genauen Pläne für das neue Jahr noch nicht unter Dach und Fach. Seit Jahren liebäugelt sie allerdings mit der Langstreckenserie und hat dafür auch die Lizenz auf dem Nürburgring absolviert. Ob es bereits 2022 zusätzlich zur WSeries in diese Richtung geht oder doch eher in eine andere GT-Serie, sei derzeit noch offen. Das Training kommt bei der Schellenbergerin jedoch auch über die Winterpause nicht zu kurz, um dann topfit in die neue Saison starten zu können. FLO

„Jeder kann 300 km am Stück fahren und denkt, es sei nicht schwer, Autorennen zu fahren.“

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