„Großer Fehler“

Sport / 07.01.2022 • 21:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vor dem Hotel von Novak Djokovic formierte sich ein kleiner Protest.AP
Vor dem Hotel von Novak Djokovic formierte sich ein kleiner Protest.AP

Boris Becker kritisiert Novak Djokovic, Australien wehrt sich.

Melbourne An seiner Verbundenheit zu Novak Djokovic lässt Boris Becker keinen Zweifel – er würde seinen ehemaligen Schützling sogar „fast als Familie betrachten“. Doch die irre Einreise-Posse in Australien um den besten Tennisspieler der Welt, der in einem Abschiebehotel in Melbourne auf die Gerichtsverhandlung am Montag über seine Ausweisung wartet und auch das orthodoxe Weihnachtsfest isoliert verbrachte, lässt dessen früheren Trainer nur kopfschüttelnd zurück. Derweil bedankte sich Djokovic via Instagram bei den „Menschen auf der ganzen Welt für ihre anhaltende Unterstützung. Ich kann es fühlen, und ich weiß es sehr zu schätzen“, schrieb Serbiens Tennis-Idol.

Fehlende Impfung als „Fehler“

Becker denkt allerdings, dass der Serbe „einen großen Fehler begeht, wenn er sich nicht impfen lässt“, das schrieb der dreimalige Wimbledonsieger in einem Gastbeitrag für die englische Zeitung Daily Mail. Und dieser Fehler beschränke sich längst nicht nur auf die Australian Open (ab 17. Januar), bei denen der ganz offensichtlich ungeimpfte Djokovic mit einer medizinischen Ausnahmegenehmigung seinen Titel verteidigen will und über Anwälte um seinen Start kämpft. Als Fehler empfinden Djokovic, der unter Becker von 2014 bis 2016 sechs Grand-Slam-Titel gewann, und seine erboste Familie die Situation nicht. Diese sehen sich in der Opferrolle und sorgten mit einer von Vater Srdjan angeführten Protestinszenierung für Verwunderung.

„Jesus wurde gekreuzigt und hat es ertragen. Novak wird nun auf die gleiche Weise gekreuzigt, er wird durchhalten“, sagte Srdjan Djokovic am Donnerstag auf einer kruden Pressekonferenz in Belgrad. Zudem behauptete er, sein Sohn werde in Melbourne „in einem Gefängnis“ gefangen gehalten. Anschließend führte er vor dem serbischen Parlament mit Megafon eine Demonstration von Fans an.

Es waren Aussagen, die die australische Regierung so nicht auf sich sitzen lassen will, weshalb Innenministerin Karen Andrews am Freitag reagierte. „Herr Djokovic wird in Australien nicht gefangen gehalten, es steht ihm frei, jederzeit auszureisen“, sagte sie gegenüber australischen Medien. Laut Andrews habe Djokovic, der sich schon mehrmals als Impfgegner positioniert hatte, zwar ein Visum ausgestellt bekommen. Aber die Grenzbehörden hätten nach der Ankunft festgestellt, dass dieser die Einreisebedingungen nicht erfülle, weil er nicht vollständig geimpft sei.

Kommunikationschaos

Mittlerweile zeichnet sich ein immer klareres Bild ab, wie das Chaos um Djokovic zustande kam. Tennis Australia (TA), Ausrichter des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres, soll schon im November von der nationalen Regierung schriftlich darauf hingewiesen worden sein, dass eine überstandene COVID-Erkrankung in den vergangenen sechs Monaten nicht automatisch zur Einreiseerlaubnis und der Befreiung von der Impfpflicht führt. Sie solle zwar zur Teilnahme am Turnier an sich berechtigen, aber nicht zur Einreise. Dennoch habe Djokovic am Flughafen auf eine Genesung verwiesen.

„Jesus wurde gekreuzigt und ertrug es. Novak wird nun auf die gleiche Weise gekreuzigt.“

Das Visum der Tschechin Renata Voracova sei ungültig, betonten Grenzbeamte.AFP
Das Visum der Tschechin Renata Voracova sei ungültig, betonten Grenzbeamte.AFP

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