„Das ist ein unglaublicher Traum“

Sport / 09.01.2022 • 20:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Johannes Strolz ist nach seinem Slalomsieg in Adelboden überwältigt, lebt seine Emotionen beim zweitplatzierten ÖSV-Kollegen Manuel Feller aus.
Johannes Strolz ist nach seinem Slalomsieg in Adelboden überwältigt, lebt seine Emotionen beim zweitplatzierten ÖSV-Kollegen Manuel Feller aus.

Johannes Strolz triumphiert beim Slalom-Klassiker in Adelboden

Adelboden Er vergrub sein Gesicht immer wieder in den Händen, schaute ungläubig vom Sessel des Führenden aus auf die Chuenisbärgli-Piste hoch. Ob die beiden Halbzeitführenden Manuel Feller und Fabio Gstrein, der im Zielhang einfädelte, ob Henrik Kristoffersen, Alexis Pinturault, der ebenfalls ausfiel, Linus Strasser, Luca Aerni oder Ramon Zenhäusern – sie alle bissen sich an der Bestzeit des Warthers die Zähne aus. Die fünftbeste Marke im zweiten Lauf bescherte dem 29-Jährigen, mit der Startnummer 38 ins Rennen gegangen, nach der siebtbesten Fahrt im ersten Durchgang beim Slalomklassiker in Adelboden den ersten Triumph im Ski-Weltcup. Der Polizist triumphierte erstmals in der Königsklasse, hatte bisher einen zehnten Platz in Madonna 2020 als bestes Resultat in der Königsklasse stehen. „Jetzt hat es sich endlich ausgezahlt, was ich hineingehaut habe über die letzten Jahre. Das ist ein unglaublicher Traum.“

Kaderlos und ohne Service

Kaderlos und ohne Servicemann überraschte Strolz in seinem 64. Weltcupeinsatz die Skiwelt. „Das Wichtigste ist, dass ich meiner Familie Danke sage, dass sie immer hinter mir gestanden ist und mich unterstützt hat. Ich habe immer dran geglaubt, dass ich das Zeug dazu habe. Endlich habe ich es einmal zeigen können.“ Die Karriere des Sohnes des Kombinations-Olympiasiegers Hubert ist von Rückschlägen begleitet. „Irgendwann fängt man dann schon an, ein wenig zu überlegen: Kann ich es schaffen?“, gibt Strolz zu. „Aber irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass es noch nicht alles war, was ich gezeigt habe. Ich bin ein Mensch, der viel nachdenkt und immer alles genau machen will. Vielleicht habe ich endlich ein Mittelmaß gefunden zwischen Perfektion und das Ganze passieren zu lassen.“

Nach dem elften Zwischenrang in Madonna habe ihm der ÖSV einen Servicemann, zusammen mit Dominik Raschner, angeboten. „Ich habe überlegt und war dankbar für das Angebot. Dann habe ich mich aber entschieden, es weiter selbst zu machen. Weil es für mich vor diesem Slalommonat zu riskant gewesen wäre, irgendein Experiment einzugehen. „Ich werde aber von der Servicecrew des ÖSV immer unterstützt, wo ich es brauche.“ Die Winterspiele in Peking sind aktuell kein Thema für den Sieger des insgesamt 300. Rennens im Ski-Weltcup. Ich habe so viel im Kopf, darüber kann ich mir keine Gedanken machen. Ich freue mich heimzukommen, möchte mich ausruhen und auf die nächsten Rennen vorbereiten.“

Hofknicks vor dem Sieger

Feller, mit 17 Hundertstel Rückstand Zweiter, machte im Ziel einen doppelten Hofknicks vor dem Kollegen: „Der Strolzi ist kaderlos. Es können sich nur wenige von uns vorstellen, wie zäh das ist. Er steht am Nachmittag im Keller und richtet sich seine Ski selber. Was er gezeigt hat, ist eine unglaubliche Leistung.“

„Ich hatte das Gefühl, dass ich noch nicht alles gezeigt habe. Endlich konnte ich es umsetzen.“

Johannes Strolz ist in den Spuren von Vater Hubert unterwegs.VN
Johannes Strolz ist in den Spuren von Vater Hubert unterwegs.VN

Ski-Weltcup

Herrenslalom, Adelboden

1. Johannes Strolz (AUT)  1:50,05    54,23 55,82

2. Manuel Feller (AUT) 1:50,22 +0,17 54,06 56,16

3. Linus Straßer (GER)  1:50,34  +0,29  54,68  55,66

4. Ramon Zenhäusern (SUI)  1:50,53  +0,48  54,22  56,31

5. Luca Aerni (SUI) 1:50,63  +0,58  54,11  56,52

6. Loic Meillard (SUI)  1:50,65  +0,60  54,86  55,79

7. Alex Vinatzer (ITA)  1:50,71  +0,66  55,35  55,36

8. Daniel Yule (SUI)  1:50,73  +0,68  54,56  56,17

9. Giuliano Razzoli (ITA)   1:50,80  +0,75  54,42  56,38

10. Luke Winters (USA 1:50,82  +0,77  54,83  55,99

11. Marco Schwarz (AUT)  1:50,83  +0,78  54,50  56,33

12. Henrik Kristoffersen (NOR) 1:50,90  +0,85  54,15  56,75

13. Tanguy Nef (SUI)  1:50,94  +0,89  54,71  56,23

14. Lucas Braathen (NOR)   1:51,04  +0,99  54,57  56,47

16. Dominik Raschner (AUT)  1:51,14  +1,09  55,38  55,76

17. Marc Digruber (AUT)   1:51,33  +1,28  54,39  56,94

Ausgeschieden im 1. Durchgang: Christian Hirschbühl (AUT), Sebastian Foss-Solevaag (NOR), Clement Noel (FRA), Kristoffer Jakobsen (SWE), Stefan Hadalin (SLO), Manfred Mölgg (ITA)

Ausgeschieden im 2. Durchgang: Fabio Gstrein (AUT), Alexis Pinturault (FRA), David Ryding (GBR)

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