Trainer, Skiausrüster, Ex-Stars über Johannes Strolz: “Der Knoten ist geplatzt”

Sport / 10.01.2022 • 15:10 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Trainer, Skiausrüster, Ex-Stars über Johannes Strolz: "Der Knoten ist geplatzt"
2018: Den VN gab Johannes Strolz immer wieder Einblicke in seine sportlichen Ziele.

Sensationserfolg von Johannes Strolz in Adelboden begeistert die Trainer und Vorarlbergs Ski-Granden.

Adelboden Das Chuenisbärgli ist ein gutes Pflaster für Österreichs Slalomläufer. Nach den Erfolgen von Marcel Hirscher (zuletzt 2018 und 2019) und dem Premierensieg von Marco Schwarz im Vorjahr feierte Johannes Strolz in Adelboden seinen allerersten Sieg im Ski-Weltcup. Und im Skizirkus waren sich alle einig: Keiner hat sich diesen Sieg, der übrigens mit 45.000 Euro dotiert ist, so verdient wie der sympathische 29-Jährige aus Warth.

„Wenn man weiß, was der Johannes über die Jahre schon mitgemacht hat, und dann kommt er so zurück. Man kann ihm nur gratulieren“, jubelte Andreas Puelacher, Rennsportleiter der ÖSV-Herren. „Es freut mich brutal für den Johannes. Ein Beißer und ein richtig netter Bursche, der sich da so zurückkämpft“, betonte Österreichs Ski-Alpinchef Patrick Riml.

Neue Chance

Technikcoach Marko Pfeifer freute sich „irrsinnig“ mit Strolz, dem nun auch ein Olympia-Ticket so gut wie sicher ist. „Es war keine leichte Entscheidung im Frühjahr, als wir gesagt haben, ‚Strolzi‘ ist nicht mehr im Kader. Aber wir haben gesagt, wenn er sich da alleine durchkämpft, werden wir ihm im Herbst die Chance geben“, berichtete der Kärntner. „Das hat ihn auch vom Kopf stärker gemacht. An dem ist er in den letzten Jahren ja mehr oder weniger gescheitert, Ski gefahren ist er immer gut. Ich glaube, jetzt ist der Knoten geplatzt.“
Beim Mannschaftstraining sei Strolz zuletzt immer dabei gewesen. „Da war er mit Feller zusammen immer der Schnellste. Also er ist sauschnell gefahren, und heute gewinnt er“, sagte Pfeifer, für den die österreichische Slalom-„Krise“ schon wieder Geschichte ist. „Wir haben trotzdem an uns geglaubt, die Burschen sind mental stark geblieben. Wir haben zu Weihnachten sehr intensiv, sehr gut gearbeitet. Das Ergebnis war natürlich irrsinnig wichtig und eine irrsinnige Erleichterung.“

„Johannes war an diesem Tag der Beste. Für mich war klar, dass er auf einem hohen Niveau fährt.“

Rainer Salzgeber, Head-Rennsportleiter

Dosiertes Risiko

„Er war an diesem Tag einfach der Beste“, lobte Rainer Salzgeber, Rennsportleiter der Skifirma Head. „Schon in Madonna di Campiglio ist er im ersten Lauf extrem gut gefahren, hat dann leider eingefädelt. Und auch bei den Trainings war er immer sehr gut. Für mich war klar, dass er auf einem sehr hohen Niveau fährt“, so der ehemalige Rennläufer aus dem Montafon. „Man hat bei Johannes gesehen, dass der Sieg, wenn er passieren soll, auch passiert.“
Marc Girardelli, langjähriger Weggefährte von Vater Hubert, kann die Emotionen von Johannes nach seinem Sieg nachvollziehen. „Was ihm selbst im Slalom nicht gelungen ist, nämlich im Weltcup ganz oben zu stehen, hat jetzt sein Sohn geschafft. Da werden auch bei Hubert die Tränen kullern. Im Finale am Chuenisbärgli war Hannes sicherlich nicht der Topfavorit. Aber die schweren Sichtverhältnisse liegen dem Warther, er attackierte intelligent. Er brachte auf dem sehr schweren Hang eine fehlerfreie Fahrt mit dosiertem Risiko ins Ziel. Damit setzte er seine nachfolgenden Konkurrenten so sehr unter Druck, dass sie entweder Fehler machten oder ausfielen. Nur Manuel Feller konnte ihn noch ernsthaft gefährden, er musste sich aber mit dem zweiten Platz begnügen.“

Ein miteinander

Für den Vorarlberger Skiverband war das Wochenende eine Erfolgsgeschichte. „Die Skifamilie ist stolz auf die erfolgreichen AthletInnen und gratuliert herzlich“, so Präsident Walter Hlebayna. „Wir freuen uns für Johannes Strolz, der als VSV-Kaderläufer den Slalom in Adelboden gewinnen konnte. Und natürlich auch für Julian Lüftner, der seit mehreren Jahren im Ländle seine sportliche Entwicklung vorangetrieben hat. Erfolge sind eine Frage der Haltung, sie sind durch die Zusammenarbeit und das Miteinander ungemein vieler Athleten, Betreuer, Funktionäre, Helfer, Eltern, Mitglieder sowie Sponsoren, Gönner, Partner und Unterstützer zustande gekommen“, lobt Hlebayna alle im Skiverband tätigen und alle unterstützenden Personen.

Groß war auch die Freude bei Sebastian Manhart, dem Geschäftsführer des Olympiazentrums Vorarlberg. „Endlich hat er ins Ziel gebracht, was er kann“, brachte er es auf den Punkt. Zumal der 46-Jährige genau weiß, was der Warther in den vergangenen Jahren investiert hat.

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