Deshalb kehrt der Dreifach-Sieger zurück

Sport / 11.01.2022 • 16:51 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Deshalb kehrt der Dreifach-Sieger zurück
René Rast startet 2022 wieder in der DTM-Rennserie. ABT Sportsline

Jetzt ist es offiziell: Der dreimalige Meister René Rast (35) kehrt nach einjähriger Auszeit zur neuen Saison in die DTM zurück. Das gab das Audi-Team ABT Sportsline bekannt. Der gebürtige Mindener und Wahl-Bregenzer wird an der Seite des Südafrikaners Kelvin van der Linde an den Start gehen. 

München René Rast kehrt 2022 zurück in die DTM. 2016 bestritt der heute 35-jährige Wahl-Bregenzer die ersten drei DTM-Rennen seiner Karriere. 2017 fuhr der gebürtige Mindener seine erste komplette Saison und wurde im Premierenjahr direkt DTM-Champion, 2018 fehlten ihm nur vier Punkte zur erfolgreichen Titelverteidigung. Im Jahr 2019 und 2020 folgten Titel zwei und drei.

Wie war die Fahrer-Abstinenz in der bis zum Schluss sehr spannenden DTM-Saison 2021 für Sie?

Ich habe die DTM das ganze Jahr beobachtet, nicht nur, weil ich lange Teil der DTM war, sondern weil es mich auch einfach total interessiert hat. Ich war auch bei einigen Rennen vor Ort und habe ansonsten während meiner Formel-E-Einsätze regelmäßig die DTM-Sessions geschaut. Die Saison war wahnsinnig spannend. Also losgelassen habe ich nie. Und es hat mich immer gereizt, wieder selbst zu fahren, deswegen komme ich nun auch in die DTM zurück.

Sie waren 2021 immer mal wieder an der Strecke, haben drei Rennwochenenden als TV-Experte begleitet. Welche Beobachtungen, Erfahrungen und Erkenntnisse nehmen Sie mit in die Saison 2022?

Die DTM hat sich weiterentwickelt, nicht nur von den Autos her, sondern auch vom Fahrerfeld. Viele Fahrer sind sehr jung, manche mit wenig Erfahrung, teilweise aber auch mit viel Erfahrung. Die Fahrer und Fahrerinnen stehen zum Teil noch am Anfang ihrer Karriere, haben alle noch Ziele, sind hungrig, wollen was erreichen. Dementsprechend gab es ordentlich Action auf und auch neben der Strecke. Ich fand die DTM actionreicher als die Jahre zuvor und spannend bis zum Schluss. Man konnte nicht vorhersehen, wer letztendlich Meister wird. Und so war es am Ende ja auch, erst in der letzten Runde des letzten Rennens stand Maximilian Götz als DTM-Meister 2021 fest.

Sie haben mit Kelvin van der Linde einen sehr starken, sehr GT-erfahrenen Teamkollegen. Und damit nicht genug, Ihr habt auch das gleiche Management. Sehen Sie ihn mehr als – überspitzt gesagt –„Freund oder Feind“?

Beides! Kelvin und ich kennen uns schon sehr lange, sind 2014 das erste Mal miteinander gefahren. Wir sind mittlerweile gute Freunde und haben einen engen Kontakt. Ich denke, dass wir voneinander profitieren können. Auf der Strecke sind wir natürlich keine Feinde, aber Konkurrenten. Jeder kämpft in erster Linie um seine eigenen Punkte und jeder will natürlich Meister werden. Daher: Auf der Strecke schenken wir uns nichts, abseits der Strecke werden wir uns gegenseitig helfen. Vielleicht er mir ein bisschen mehr, weil er natürlich die Erfahrung mit dem Auto hat. Wir werden vermutlich sehr viel miteinander „spielen“. Und natürlich, wenn er am Ende noch um die Meisterschaft kämpft und ich nicht mehr, dann werde ich selbstverständlich alles für das Team tun.

Sie sind genau zehn Jahre älter als Kelvin van der Linde, haben drei DTM-Titel mehr als er, sind der erfolgreichste Audi-DTM-Pilot in der Geschichte. Ist das kein Vorteil?

Vielleicht habe ich etwas mehr Rennerfahrung, aber ich glaube, dass das in der jetzigen DTM gar nicht viel zählt. Das sind andere Autos, andere Fahrer, teilweise andere Regeln. Das wird ein komplett neues Kapitel für mich, in dem ich noch extrem viel lernen muss. Klar, ich habe die Erfahrung von drei DTM-Titeln und dadurch vielleicht auch weniger Druck, unbedingt noch einen DTM-Titel einfahren zu müssen. Das bringt mich vielleicht mental in eine ruhigere Ausgangsposition. Aber: Ich möchte natürlich weitere Titel gewinnen!

Zuletzt haben Sie sich in der DTM dauerhaft mit Nico Müller duelliert. Freuen Sie sich auf ein Revival mit ihm?

Definitiv! Nico ist einer der besten Fahrer, die ich kenne. Ein richtig guter Allrounder, ein fairer Fahrer. Ich freue mich auf ein Wiedersehen und bin gespannt, wie wir uns auf der Strecke begegnen werden.

Sie sind in der DTM bisher für das Team Rosberg (2017 – 2020) gestartet. Ihr neues Team heißt nun ABT Sportsline. Wie sehen Sie diese Konstellation, quasi gegen Ihr ehemaliges Team zu fahren, mit dem Sie ihre größten DTM-Erfolge geholt haben?

Das wird kein Problem sein, das ist Motorsport. Ich habe auch noch viele Freunde und Bekannte im Team Rosberg, aber da nimmt mir keiner übel, dass ich jetzt für ein anderes Team fahre. Ich bin vergangenes Jahr ja schon mit ABT in der Formel E gefahren, auch da hat man nicht gemerkt, dass wir zuvor vier Jahre gegeneinander gefahren sind, sondern das war direkt ein Miteinander.

2021 sind Sie ausschließlich in der Formel E gefahren – für Audi Sport ABT Schaeffler. Ihre ehemalige Renncrew wird mit Ihnen auch die DTM-Saison bestreiten. Ist es als Rennfahrer von Vorteil, ein bekanntes, eingespieltes Team um sich herum zu haben?

Genau, meine Ingenieur- und Mechanikercrew wird in der DTM fast identisch sein wie in der Formel E. Wir sind ein sehr gut eingespieltes Team. Und ja, man spricht die gleiche Sprache und muss sich nicht erst neu kennenlernen. Das ist definitiv ein Vorteil.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rückkehr in die DTM vor?

Ich muss jetzt unbedingt die ersten Runden im neuen Auto drehen. Ansonsten trainiere ich im Simulator und wir haben bereits viele Meetings. Momentan kann ich aber noch nicht sehr viel mehr machen.

Welchen Fahrer fürchten Sie am meisten in der DTM?

Fürchten ist das falsche Wort. Ich glaube, der stärkste Fahrer und derjenige mit den besten Chancen auf den Titel ist tatsächlich Kelvin van der Linde aus dem eigenen Team. Man wird auch immer am eigenen Teamkollegen gemessen, und er ist zur Zeit mit Sicherheit der Stärkste im Audi – und dann eben noch im gleichen Team. Das heißt, er wird die Messlatte sein.

Last but not least: Welche Wünsche haben Sie persönlich für die Saison 2022?

Aus sportlicher Sicht möchte ich natürlich erstmal viel lernen. Es wäre schön, wenn ich meine DTM-Erfolgsgeschichte fortsetzen könnte. Ein vierter DTM-Titel wäre toll. Aber da mache ich mir für das erste Jahr keine großen Hoffnungen. Hin und wieder bei einem Rennen mal ein Podium oder ein Sieg wäre schön. Ein Durchmarsch wie 2019 oder 2020 wird es aber ganz sicher nicht werden. Ich gucke, was passiert und versuche, bei jedem Rennen zu punkten. Ein Podiumsergebnis am Ende des Jahres wäre gigantisch.

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