Immer mehr, immer öfter, immer länger

Sport / 13.01.2022 • 19:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Los Angeles Rams, im Bild Jalen Ramsey (Nummer fünf), bestreiten das erste Play-off-Match an einem Montag.afp
Die Los Angeles Rams, im Bild Jalen Ramsey (Nummer fünf), bestreiten das erste Play-off-Match an einem Montag.afp

Die umfangreichste Saison der NFL-Geschichte geht in die entscheidende Phase.

Schwarzach „Geld regiert die NFL.“ Ein Umstand, den ich bereits einige Male angeführt habe, seit ich im Jänner 2019 beginnen durfte, zu den Playoffs der National Football League (NFL) für die Leserschaft der VN ein paar Zeilen über das Geschehen in der finanzkräftigsten Sportentität des Planeten zu schreiben. So freue ich mich sehr, Ihnen auch 2022 bis zum Endspiel (Super Bowl 56, am 13. Februar in Los Angeles) hoffentlich Wissens- und Lesenswertes über die NFL zu berichten. Logischerweise hat sich am Mantra „Geld regiert die NFL“ auch 2022 nichts geändert. Im Gegenteil.

Milliardenschwerer Vertrag

Ein Beispiel? Im März 2021 schließt die NFL mit ihren US-amerikanischen Fernseh-Partnern neue TV-Verträge über elf Jahre mit einem (Rekord-)Gesamterlös von zehn Milliarden Dollar (= 8,8 Milliarden Euro) pro Saison ab. Nur in den Vereinigten Staaten, wohlgemerkt. Inmitten einer Pandemie. Zum Vergleich: Die finanzkräftigste Fußballliga des Planeten – die britische Premier League – erwirtschaftet nicht einmal die Hälfte dieses Betrags aus ihren TV-Verträgen. Global. Bei deutlich mehr Spielen und fußball-bedingter höherer, weltweiter Popularität.

Bevor es überhaupt zum Abschluss dieser Rekord-Verträge kommen konnte, musste 2020 ein neuer Tarifvertrag zwischen NFL-Teambesitzern und der Spielergewerkschaft NFLPA her. Die Bedingung der Franchise Owner: Die Saison muss länger werden, denn – so die simple Rechnung – mehr Spiele bedeuten mehr Einnahmen. Ein elfjähriger Kollektivvertrag zwischen Teams und Spielern sowie die Aussicht auf damit einhergehende Planungssicherheit für Liga, Spielbetrieb, TV-Stationen und Fans war letztlich zu verlockend, um abgelehnt zu werden, und wurde folgerichtig im März 2020 unterfertigt.

In der Gelddruckmaschine namens NFL dreht es sich fast immer um irgendein „mehr“. Im konkreten Fall eben „Mehr Spiele, mehr Kohle für alle.“ Postwendend folgten nur ein Jahr später die TV-Rekordsummen, die die NFL ausverhandeln konnte. Deswegen absolvierte im Herbst und Winter 21/22 jedes Team erstmals 17 statt bisher 16 Spiele in der Regular Season. Ein 18. Spiel steht auf der Wunschliste der teils milliardenschweren Franchise-Eigner.

Ebenfalls erweitert wurden die Slots für NFL-Übertragungen. Vor nicht einmal zehn Jahren wurden die Regular Season-Spiele der NFL bis auf wenige Ausnahmen nur an Sonntagen mit einem weiteren US-Prime-Time-Spiel am Montag ausgetragen. Mittlerweile gehören ein – bei Spielern wegen der kurzen Vorbereitungszeit verhasstes – Donnerstagsspiel genauso zum fixen Inventar wie eine Handvoll Partien in London, die in den USA teils zur Frühstückszeit laufen, bis hin zu drei Samstagen am Ende der Saison, die sich die NFL unter den Nagel gerissen hat. Und da es Pandemie-bedingt auch heuer zwar zu keiner Spiel-Absage, dafür aber zu Verschiebungen gekommen ist, durften die Liga-Verantwortlichen auch gleich als Testballon ausprobieren, wie sich denn Übertragungen an einem Dienstag oder Mittwoch auf das generelle Interesse und die TV-Quote auswirken.

Super Wild Card Weekend

Gespielt wird am Wochenende zum zweiten Mal im Playoff-Format mit 14 Teams. Die beiden besten Teams der Regular Season (Green Bay & Tennessee) haben ein Freilos für Runde 1, die Teams 2 bis 7 der Setzliste fechten jeweils pro Conference die anderen drei Viertelfinalplätze aus. Die sechs Mannschaften mit Heimrecht am „Super Wild Card Weekend“ sind bei den Buchmachern allesamt favorisiert, die faustdicken Überraschungen blieben die letzten Jahre in der ersten Playoff-Runde eher aus. Mit der Übertragung einer erstmalig an einem Montag ausgetragenen Playoff-Begegnung (Los Angeles Rams vs Arizona Cardinals) wird auch der Sportsender ESPN in den USA Geschichte schreiben. Es wird kolportiert, dass nur das Übertragungsrecht dieses einen Spiels den Disney-Sender weit über 250 Millionen Dollar kosten wird. Ein Betrag so groß, dass man sich damit als Normalsterblicher 50 Jahre lange jeden Monat ca. 360.000€ ausbezahlen lassen könnte. In Österreich übertragen Puls 4, Puls 24, Pro Sieben und DAZN.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.