Kriechmayr und der Kindergarten

Sport / 14.01.2022 • 20:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vincent Kriechmayr: Besichtigung statt Training.gepa
Vincent Kriechmayr: Besichtigung statt Training.gepa

Starterlaubnis bringt den Internationalen Verband in die Kritik.

Wengen Dass Vincent Kriechmayr mit einem extra eingeschobenen Zwei-Sekunden-Training sein Startrecht für die Wengen-Abfahrten erhalten hat, sorgt im Alpin-Zirkus für Wirbel. Im Visier der Kritik steht der Internationale Skiverband, nicht so sehr die Österreicher. Dass die FIS ihre eigenen Regeln quasi missachte, sei „ein reiner Kindergarten“, sagte etwa der Schweizer Alpin-Direktor Walter Reusser.

„Es geht überhaupt nicht um den Vincent Kriechmayr, sondern um die Reglements, die da sind, damit jeder weiß, was er zu tun hat“, erklärte Reusser. „Es gibt diverse Athleten aus verschiedenen Nationen, die hier nicht am Start sind, weil sie sich an die Regeln halten. Auf einmal werden die an einem Abend einfach gekippt. Dass ein Athlet kein Training fahren muss, ist nicht korrekt. Das ist gegen die Sicherheit.“ Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann meinte im ORF: „Man öffnet damit Tür und Tor für Diskussionen. Das ist für mich der schwierige Punkt.“ Einen offiziellen Protest legte laut FIS-Angaben aber keine Nation ein.

Kriechmayr hatte am Samstag in Österreich einen positiven Coronatest abgegeben, kurz darauf war er aber wieder negativ. Der Test, den Kriechmayr bei der FIS für die Wengen-Woche einmeldete, war negativ – damit gab es vom Weltverband grünes Licht. Weil sein positiver Befund aber bei den österreichischen Gesundheitsbehörden erfasst war, musste der Spitzensportler bis Mittwoch in Quarantäne bleiben und konnte die beiden Abfahrtstrainings nicht bestreiten.

Pseudotraining hat gereicht

Die Teilnahme an den Trainings ist gemäß der vorherrschenden Regel-Interpretation notwendig, um eine Abfahrt zu fahren. Das wischte die FIS am Donnerstag jedoch vom Tisch. Renndirektor Markus Waldner erklärte: Ein Läufer müsse nur auf der Startliste für die Trainings stehen – was bei Kriechmayr am Dienstag und Mittwoch der Fall war -, müsse einmal vom Originalstart abfahren, dann könne er sofort abbrechen und es würde als Ersatztraining zählen. Das sei in der Vergangenheit schon bei Athleten, die kurzfristig krank wurden, so praktiziert worden, sagte Waldner.

Dank einer Juryentscheidung am Donnerstagnachmittag konnte Kriechmayr am Freitag vor der ersten Wengen-Abfahrt ein „Pseudo-Training“ machen. Er fuhr um 9.44 Uhr aus dem Starthaus, schnallte nach wenigen Metern ab und ging zur Streckenbesichtigung über.

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