Game over für Novak Djokovic

Sport / 16.01.2022 • 21:07 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Graffiti mit dem Konterfei von Serbiens Tennisstar Novak Djokovic zieren viele Mauern in der Hauptstadt Belgrad.afp
Graffiti mit dem Konterfei von Serbiens Tennisstar Novak Djokovic zieren viele Mauern in der Hauptstadt Belgrad.afp

Nach Niederlage vor Bundesgericht: Heimflug statt Titelverteidigung bei den heute beginnenden Australian Open.

Melbourne Das vernichtende Verdikt der Richter war kaum ausgesprochen, da packte Novak Djokovic schon voller Enttäuschung die Taschen – den Ort seiner schmerzvollsten Niederlage wollte er so schnell wie möglich verlassen. Noch vor Mitternacht, gut fünf Stunden nach dem abgewiesenen Einspruch gegen die erneute Annullierung seines Visums, kehrte der ungeimpfte Tennisstar Melbourne am Sonntagabend mit Flug EK409 nach Dubai den Rücken. Das tagelange Hickhack lässt viele Verlierer zurück.

Das K.o. schon vor dem ersten Ballwechsel der Australian Open trug der Titelverteidiger zumindest nach außen mit Fassung. „Ich bin extrem enttäuscht über die Entscheidung“, schrieb Djokovic zwar umgehend in einem Statement, er werde diese aber „respektieren“, und er gab sich endgültig geschlagen. Ob der 34-Jährige überhaupt wieder in Melbourne aufschlagen wird, ist fraglich: Bei entzogenem Visum droht in Australien eine Einreisesperre von drei Jahren.

Scharfe Worte

Einstimmig hatten die drei Bundesrichter im juristischen Showdown mit der australischen Regierung gegen Djokovic entschieden und dem Weltranglistenersten die letzte Hoffnung auf einen Start bei den Australian Open genommen. Eine Entscheidung, die zum Politikum wurde. So reagierte Serbiens Ministerpräsident Aleksandar Vucic mit scharften Worten. Seit der Ankunft in Australien habe Djokovic „nichts als Willkür und Schikanen“ erfahren. Man habe den Tennisstar „wie einen Massenmörder“ behandelt“. Die Schikanen hätten „beispiellose Ausmaße“ angenommen. Eine „Hexenjagd“ sei entfacht worden, die Medien hätten eine „Lynchstimmung“ erzeugt.

Ähnliche Töne schlug Serbiens Ministerpräsidentin Ana Brnabic an: „Ich denke, dass die Gerichtsentscheidung skandalös ist. Ich bin enttäuscht. Ich denke, es zeigt, wie die Rechtsstaatlichkeit in einigen anderen Ländern funktioniert, oder besser nicht funktioniert.“ Brnabic ereiferte sich auch darüber, dass der Anwalt der Regierung im Verfahren vor dem Bundesgericht darlegte, dass in Serbien weniger als 50 Prozent der Bevölkerung doppelt geimpft seien.

Australiens Premier Scott Morrison hingegen begrüßte das Gerichtsurteil. „Jetzt ist es an der Zeit, mit den Australian Open weiterzumachen.“

Rückhalt durch die Familie

Die Familie des serbischen Tennisstars hat sich enttäuscht über die Ausweisung des Sohnes aus Australien gezeigt. „Wir hatten geglaubt, dass Gerechtigkeit walten würde. Dass nicht das ‚öffentliche Interesse‘ als Vorwand dienen würde für eine Entscheidung, wie sie am Ende getroffen wurde“, schrieb die Familie in einer Erklärung. Die Politik und ihre Interessen hätten über den Sport gesiegt.

„Was wir alle, und vor allem wir als Familie, jetzt tun müssen, ist, ihn mehr zu unterstützen als je zuvor“, heißt es in dem Schreiben der Angehörigen weiter. „Wir werden da sein, um die Schläge, die ihm zugefügt wurden, mit ihm zu verarbeiten.“ Zugleich sei man „stolz auf die Stärke, die er gezeigt hat, und die Kämpfe, die er mit Würde ausgetragen hat“. Djokovic werde gestärkt aus der Situation hervorgehen.

Der Fall spaltete auch die Tennisszene, Superstar Rafael Nadal zeigte sich arg genervt von der Posse. „Die Australian Open sind viel wichtiger als jeder einzelne Spieler“, sagte der Spanier, der sich mit seinem 21. Grand-Slam-Titel zum alleinigen Rekordhalter aufschwingen kann. Ein Ziel, das eigentlich auch Djokovic am 30. Jänner in Melbourne erreichen wollte. „Überrascht und geschockt“ gab sich Mats Wilander, siebenfacher schwedischer Major-Gewinner und nun für Eurosport tätig. „Ich schätze Novak sehr, aber er hat auch gewusst, dass es diese Möglichkeit gibt. Er kannte die Regeln, dass man geimpft sein muss.“ Die Karriere von Djokovic sei in Gefahr, meinte Wilander weiter. „Er muss nun etwas machen, das er nicht wirklich will.“ Man müsse jetzt sehen, wie viele Turniere Djokovic spielen dürfe. „Letztlich muss er sich impfen lassen“, sagte Wilander.

Auf Tennisstar Novak Djokovic warten schwere Wochen.afp
Auf Tennisstar Novak Djokovic warten schwere Wochen.afp
Game over für Novak Djokovic
Game over für Novak Djokovic
Novak Djokovic bei der Fahrt Richtung Flughafen. Jetzt wartet Ehefrau Jelena auf ihn.afp/2
Novak Djokovic bei der Fahrt Richtung Flughafen. Jetzt wartet Ehefrau Jelena auf ihn.afp/2

kurir.rs Das Gericht hat entschieden: Deportation für Novak! In Melbourne geschah die größte Schande in der Geschichte des Sports! Schäm dich, Australien! (…) Das Recht hat verloren, die Politik hat gesiegt.

alo.rs Eine Schande, wie man sie noch nie gesehen hat! Djokovic wird abgeschoben, bei den Australian Open wird er nicht spielen.

informer.rs Erschüttert wie noch nie! Enttäuschter „Nole“ meldete sich nach Niederlage vor Gericht zu Wort. Aus seiner Trauer macht er kein Hehl.

24sata.hr Nun doch „Djoxit“! Novak wird deportiert.“

Sydney Morning Herald Novak Djokovic kam nach Australien, um der größte Spieler in der Geschichte des Herrentennis zu werden. Er wird unter bewaffneter Bewachung als (…) toxische Ikone der Anti-Vax-Bewegung gehen.

Bild Verstörend, dass Australiens Einwanderungs-Minister Alex Hawke den Serben ernsthaft als ‚Gefahr für die öffentliche Ordnung und Gesundheit‘ einstuft. So spricht man über einen Terroristen, aber doch nicht über einen ungeimpften Tennis-Spieler!

Frankfurter Allgemeine Zeitung Das einzig Richtige wäre gewesen, den 34-Jährigen – und alle anderen Ungeimpften – gar nicht erst über die Grenze zu lassen.

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