Corona überschattet EM – Abbruch aber kein Thema

Sport / 21.01.2022 • 22:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Generalsekretär Martin Hausleitner und die EHF sind gefordert.GEPA
Generalsekretär Martin Hausleitner und die EHF sind gefordert.GEPA

Bereits über 100 Spieler aller Teams bei EURO 2022 mit Virus infiziert.

Bratislava, Budapest Die Coronafälle nehmen zu, die Kritik auch – doch ein Abbruch der Handball-EM wird von den Organisatoren derzeit kategorisch ausgeschlossen. „Wir planen damit, das Turnier bis zum Ende durchzuführen“, bekräftigte Martin Hausleitner, Generalsekretär der Europäischen Handball-Föderation (EHF). „Die Mannschaften sind bereit, die Bedingungen anzunehmen.“

Bereits über 100 Spieler aus den 24 Mannschaften haben sich bei der Endrunde in Ungarn und der Slowakei bereits mit dem Coronavirus infiziert. Angesichts der dynamischen Entwicklung wollte Hausleitner keine Garantie geben, dass das Turnier tatsächlich regulär zu Ende gespielt wird. „Wir schauen von Tag zu Tag und wissen nicht, welche Herausforderungen morgen auf uns zukommen“, betonte der der 54-jährige Tullner. Die Omikron-Variante habe die Situation bei der EM „komplett verändert. Wir versuchen, uns Tag für Tag anzupassen“.

Ein Stück Normalität zurückgeben

Hausleitner verteidigte zugleich das Konzept, die EURO 2022 anders als die WM-Endrunde vor einem Jahr in Ägypten, nicht in einer kompletten Blase auszutragen. In der Slowakei dürfen die Hallen zu 25 Prozent ausgelastet werden, in Ungarn gibt es gar keine Zuschauerbeschränkungen. „Ich kann das nicht als fatalen Fehler bezeichnen. Ganz Europa ist kurzfristig mit Omikron konfrontiert worden“, sagte der langjährige ÖHB-Generalsekretär, der seit 2017 diese Position im Europaverband bekleidet, und ergänzte: „Wir denken so weit, dass wir den Menschen ein Stück Normalität zurückgeben wollen.“

Hausleitner betonte nachdrücklich, dass es oberstes Gebot sei, nicht die Gesundheit der Sportler, Trainer und Betreuer zu gefährden. Dazu gehört ein intensiver Medizincheck bei Spielern, die nach einer Infizierung und mindestens fünftägiger Quarantäne ins Turnier zurückkehren wollen.

Der Deutsche Handballbund (DHB) ist bei der Endrunde bisher am stärksten betroffen und hatte nach zwölf Coronafällen kurzzeitig sogar einen Rückzug erwogen. Dies wäre den DHB jedoch teuer zu stehen gekommen. „Ein Ausscheiden aus dem Turnier hätte nach unserem Rechtssystem eine Sperre der Nation bedeutet, also keine Teilnahme an einer WM-Qualifikation und schwierige Umstände hinsichtlich der kommenden EM 2024“, erklärte Hausleitner. In zwei Jahren ist Deutschland EM-Gastgeber. „Es hätte auch wirtschaftliche Konsequenzen gegeben, bei denen wir auch verpflichtet gewesen wären, sie einzufordern“, erklärte der EHF-Funktionär.

Tendenz nicht ignorieren

Einen Imageschaden für den Handball fürchtet er trotz der täglichen Hiobsbotschaften von infizierten Spielern nicht. „Es gibt in den verschiedenen Ländern verschiedenste Zugänge zum Corona-Thema. Wir müssen das große Ganze im Blick behalten und können die Tendenz nicht ignorieren. Kein Land in Europa geht in einen Lockdown. Für uns ist es keine Option, sich dieser Wirklichkeit nicht zu stellen“, so Hausleitner abschließend.

„Wir denken so weit, dass wir den Menschen ein Stück Normalität zurückgeben wollen.“

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