Aus der Quarantäne auf das Podest

Sport / 25.01.2022 • 23:01 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
ÖSV-Ass Manuel Feller holte nach Corona-Zwangspause mit fulminanter Aufholjagd und Laufbestzeit 25 Ränge auf und beendet den Nachtslalom in Schladming als Dritter hinter Linus Straßer und Atle Lie McGrath. GEPA
ÖSV-Ass Manuel Feller holte nach Corona-Zwangspause mit fulminanter Aufholjagd und Laufbestzeit 25 Ränge auf und beendet den Nachtslalom in Schladming als Dritter hinter Linus Straßer und Atle Lie McGrath. GEPA

Manuel Feller katapultiert sich in Schladming-Slalom von Rang 28 auf Platz drei. Sieg für Linus Straßer.

Schladming Linus Straßer hat ein dramatisches Nachtrennen in Schladming für sich entschieden. Der Deutsche behielt im Slalom auf der Planai die Oberhand vor dem Norweger Atle Lie McGrath (+0,03 Sek.) und Manuel Feller (+0,39). Der Tiroler verbesserte sich nach Corona-Zwangspause und schwachem erstem Durchgang mit Laufbestzeit in der Entscheidung um 25 Plätze und lieferte bei der Olympia-Generalprobe vor 1000 Zuschauern eine höchst bemerkenswerte Aufholjagd samt Laufbestzeit. „Dass das so ausgeht, ist fast nicht zu glauben. Das ist ein Wahnsinn“, jubelte ein entkräfteter Feller nach dem Rennen. „Mit dem Rücken zur Wand“ habe es für ihn „nur noch eine Devise gegeben: Vollgas.“ Dabei haderte der Tiroler nach Platz 28 im ersten Lauf noch mit seiner „sehr schwierigen Situation“. Der ÖSV-Star, der am Samstag den Kitzbühel-Slalom wegen eines positiven Covidtests verpasst hatte, hatte erst am Renntag auch von der Behörde grünes Licht für einen Start bekommen. „Es ist einfach schwierig, von der Couch auf so einen schweren Hang zu gehen“, sagte Feller.

Kurzauftritt von Jakobsen

Der 29 Jahre alte Tiroler profitierte bei seiner besten Saisonleistung freilich auch von mehreren Ausfällen, darunter der Halbzeitführende Kristoffer Jakobsen. Seinen ersten Sieg vor Augen fädelte der 27-jährige Schwede als letzter Starter im zweiten Durchgang schon nach wenigen Metern ein – und wurde damit auch seinem Ruf als „Bruchpilot“ gerecht.

Straßer, Fünfter nach Durchgang eins, nahm dankend an, für den 29-jährigen Münchener war es der erst zweite Erfolg nach dem Zagreb-Slalom 2020. Zuvor hatte der Deutsche das City Event 2017 in Stockholm für sich entschieden.

Bisher ebenfalls nicht mit zahlreichen Topresultaten dekoriert, mit 21 Jahren aber deutlich jünger, landete McGrath auf Platz zwei und brachte sich als norwegische Zukunftshoffnung ins Spiel. McGrath‘ Landsmann, der vierfache Schladming-Gewinner Henrik Kristoffersen, wurde diesmal mit 0,76 Sekunden Differenz auf Feller Vierter. Kitzbühel-Überraschungssieger Dave Ryding (+1,49) musste sich hingegen mit Platz 20 zufriedengeben.

Abgesehen von Feller herrschte beim traditionellen Flutlicht-Klassiker auf der Planai rot-weiß-rote Flaute. Probleme hatte einmal mehr Marco Schwarz. Der zweite der nur zwei Österreicher im zweiten Durchgang wurde 17. Johannes Strolz und Fabio Gstrein flogen schon im ersten Lauf von der Strecke. „Es will noch nicht so richtig von der Hand gehen. Ich probiere alles, es ist ein bissl bitter derzeit“, befand der Kärntner nüchtern. Der Slalom-Kugel-Gewinner der Vorsaison muss in Peking auf ein kleines Wunder hoffen: „Es wird schwierig, den Kopf freizukriegen, weil es Schlag auf Schlag geht. Aber bei Olympia kann immer alles passieren.“

Strolz mit Licht und Schatten

Strolz, Adelboden-Sieger und zuletzt Fünfter von Kitzbühel, zeigte immerhin, dass er schnell sein kann – wenn auch nur kurz. „Im Steilhang habe ich kurz die Balance verloren, bin mit dem Schwerpunkt nach hinten. Dann hat es mich eh gleich abgeworfen“, erklärte der Warther nach guten Zwischenzeiten. „Schade. Die Piste war perfekt, der Hang ist sowieso ein Traum. Dazu 1000 Zuschauer, die Vollgas geben, und die Kurssetzung war so, dass man volles Risiko nehmen konnte. Aber lieber so als nachher denken, wäre ich nur schneller gefahren“, meinte der 29-Jährige, der vor seinen ersten Winterspielen steht. „Ich bin sicher, ich kann davon was zu Olympia mitnehmen, denn ich weiß jetzt besser, wo ich dosieren muss.“

„Im Steilhang habe ich kurz die Balance verloren, dann hat es mich eh gleich abgeworfen.“

Strahlende Gesichter nach dem dramatischen Nightrace bei der Olympia-Generalprobe auf der Planai: Sieger Linus Straßer mit Atle Lie McGrath und Manuel Feller. GEPA
Strahlende Gesichter nach dem dramatischen Nightrace bei der Olympia-Generalprobe auf der Planai: Sieger Linus Straßer mit Atle Lie McGrath und Manuel Feller. GEPA

Ski-weltcup

Herrenslalom in Schladming

1. Linus Straßer (GER) 1:46,00  52,14 53,86

2. Atle Lie McGrath (NOR) 1:46,03  +0,03  52,21  53,82

3. Manuel Feller (AUT) 1:46,39  +0,39  53,27  53,12

4. Henrik Kristoffersen (NOR)  1:46,42  +0,42  52,54  53,88

5. Alex Vinatzer (ITA)  1:46,43  +0,43  52,94  53,49

6. Sebastian Foss-Solevaag (NOR)  1:46,45  +0,45  52,79  53,66

7. Tommaso Sala (ITA) 1:46,61  +0,61  52,58  54,03

8. Alexander Choroschilow (RUS) 1:46,62  +0,62  52,17  54,45

9. Clement Noel (FRA) 1:46,63  +0,63  51,99  54,64

10. Tanguy Nef (SUI) 1:46,64  +0,64  52,43  54,21

11. Albert Popow (BUL) 1:46,72  +0,72  52,49  54,23

12. Lucas Braathen (NOR) 1:46,77  +0,77  51,99  54,78

13. Luca Aerni (SUI) 1:46,79  +0,79  52,94  53,85

14. Timon Haugan (NOR) 1:47,06  +1,06  52,87  54,19

15. Daniel Yule (SUI) 1:47,20  +1,20  52,90  54,30

17. Marco Schwarz (AUT)  1:47,37  +1,37  53,12  54,25

Nicht für den 2. Durchgang qualifiziert: 33. Marc Digruber (AUT) 54,02/+2,70, 40. Kilian Pramstaller (AUT) 54,61/+3,29, 41. Joshua Sturm (AUT) 54,75/+3,43

Ausgeschieden im 1. Durchgang: Johannes Strolz (AUT), Fabio Gstrein (AUT), Dominik Raschner (AUT), Filip Zubcic (CRO), Armand Marchant (BEL), Alexis Pinturault (FRA), Erik Read (CAN)

Ausgeschieden im 2. Durchgang: Reto Schmidiger (SUI), Stefano Gross (ITA), Kristoffer Jakobsen (SWE), Giuliano Razzoli (ITA)

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