Ein Vorarlberger stellt die Formel 1 neu auf

Sport / 27.01.2022 • 18:44 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Peter Bayer, Generalsekretär des Motorsport-Weltverbandes mit Fritz Enzinger (l.) vom VW-Konzern.gk
Peter Bayer, Generalsekretär des Motorsport-Weltverbandes mit Fritz Enzinger (l.) vom VW-Konzern.gk

FIA-Generalsekretär Peter Bayer muss Abu Dhabi aufarbeiten. Rennleiter Michael Masi soll bleiben.

Genf Die turbulenten Schlussminuten der Formel-1-Saison 2021 in Abu Dhabi wirken noch immer nach. Mercedes hat Renndirektor Michael Masi zum „Staatsfeind“ erklärt, der in der letzten Runde entthronte Champion Lewis Hamilton ist weiter im Schmollwinkel, und der Automobilverband mit dem eben neu gewählten Präsidenten Muhammed Ben Sulayem aus den Vereinigten Arabischen Emiraten muss Lösungen für mehrere Baustellen finden. Mittendrin, und zwar als Schaltstelle, ist dabei der Generalsekretär für Sport der FIA, der Vorarlberger Peter Bayer. Der 50-Jährige sagt im VN-Interview, warum er derzeit alle Hände voll zu tun hat – und wie er die Zukunft der Formel 1 einrichten will.

Planung für 2026

Die Hauptaufgaben des Bregenzerwälders, der schon dem OK der Olympischen Winter-Jugendspiele in Innsbruck 2012 und Hochseesegel-Projekten vorstand, ehe ihn Jean Todt 2017 zur FIA holte: „Die globale Organisation des Sports, dabei gehen wohl 90 Prozent der Zeit für die Formel 1 auf. Unter dem neuen Präsidenten Mohammed Ben Sulayem planen wir in enger Zusammenarbeit mit dem kommerziellen Formel-1-Chef Stefano Domenicali die Ausrichtung der Formel 1 für die nächsten Jahre – sowohl auf der technischen als auch auf der sportlichen Seite. Dazu gehören die neue Antriebseinheit ab 2026, die jetzt festzuschreiben ist, und Reglemententscheidungen wie die Sprintrennen – Anzahl, Punktvergabe etc. Und natürlich arbeiten wir auch die letzte Saison der Formel 1, insbesondere das hoch emotionale Finalrennen, auf.“

In Abu Dhabi waren wegen der letzten Safety-Car-Phase und der Rennfreigabe für die allerletzte Runde die Emotionen hochgegangen. Die FIA muss Konsequenzen ziehen. Im Mittelpunkt steht Renndirektor Michael Masi, dem Bayer klar den Rücken stärkt, wie er betont: „Wir haben in der Rennorganisation Aufholbedarf. Masi hatte in diesen Sekunden, in denen er entscheiden musste, mehrere Optionen, alle nach Reglement. Er hätte das Rennen unter Safety Car beenden können, er hätte abbrechen können (Red Flag wie in Baku), doch der Unfall Nicholas Latifis hätte das nicht gerechtfertigt. Oder er hätte machen können, was er machte, nämlich da irgendwie herauszukommen. Wäre der Mercedes-Protest nach Ablehnung durch die Stewards zum Berufungsgericht gegangen, was wäre dann herausgekommen? Ich glaube, dass die Richter gesagt hätten, es steht im Reglement anders, er hat so entschieden, also könnten wir nur das Ergebnis für ungültig erklären. Aber auch dann – bei Annullierung – wäre Max Verstappen Weltmeister gewesen. Es geht auch darum, Respekt vor dem Renndirektor zu haben. Mein Bericht wird dann an die F1-Kommission und an den Weltrat gehen.“

Unterstützung aus Genf

Bayer will eine Überforderung des Renndirektors, der bisher für alles zuständig war, vermeiden und personell aufstocken. „Es wird zur Aufteilung der vielfältigen Aufgaben des Renndirektors, der ja auch Sportdirektor, Sicherheits- und Streckendelegierter ist, kommen. Das war einfach zu viel.“ Zweiter Punkt ist das Hinterfragen des aktuellen Reglements, speziell des Themas Safety Car. Bayer, der seit Jahresbeginn auch Exekutivdirektor der Monopostoserien der FIA ist, erklärt dazu: „Wir fragten die Teams auch, ob deren Forderung, ein Rennen nicht unter SC zu beenden, noch relevant sei, was sie alle bejahten. Drittes Thema ist die Idee, eine ständige Verbindung während des Rennens zu einer ‚Mission Control‘ – wie sie die Teams zu ihren Fabriken unterhalten und die die FIA im technischen Bereich auch hat – auch für den Bereich sportliches Reglement zu schaffen. Wir überlegen, ein Backup-Team in Genf zu etablieren, das die Rennleitung unterstützen kann. Und schließlich der ständige Funkverkehr: Wer kann zu wem wann hineinfunken? Da werden wir den Leidensweg der Rennleitung abschaffen und massiv etwas ändern. Die Teamchefs werden sich auf diesem Kanal nicht mehr einschalten können. Der Renndirektor wird sich in Hinkunft auf seine Aufgabe konzentrieren können und wird nicht mehr abgelenkt.“

Ob und wie der Australier Masi im Team bleibt, ist noch offen. Doch Bayer hält viel von ihm: „Michael hat in vielerlei Hinsicht einen Superjob gemacht. Wir möchten ihn definitiv nicht verlieren. Wir haben ihm das mitgeteilt, aber auch, dass die Möglichkeit besteht, dass es einen neuen Renndirektor geben kann. Ich kann nur Vorschläge an den Weltrat unterbreiten, und die werden definitiv Michael beinhalten.“

Spannend ist, was Bayer zum bevorstehenden Beschluss des Antriebsreglements ab 2026 sagt: „Ich glaube, dass die Chance, neue Hersteller zu begrüßen, noch nie so groß war wie jetzt.“ Der VW-Konzern steht ante portas.

„Es wird zur Aufteilung der vielfältigen Aufgaben des Renndirektors kommen.“

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