Teure Spiele, große Unsicherheit

Sport / 28.01.2022 • 20:23 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

China wird sich bei den Olympischen Winterspielen bestmöglich präsentieren.

Wien Karl Stoss, der Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees, spricht im Interview mit der Austria Presse Agentur über die Winterspiele in Peking, die große finanzielle Belastung für das ÖOC, die Corona-Angst, Erwartungshaltung und mögliche Wettbewerbsverzerrung.

Es werden mit 5,5 Millionen Euro teure Spiele für das ÖOC, 2018 in Pyeongchang waren es noch 4,5 Mill. Wie kann man das kompensieren? Mit noch mehr Medaillen?

Stoss (lacht) Ich hoffe, die Medaillen werden uns dann das Recht dazu geben, mehr auszugeben. Aber Spaß beiseite: Es sind einfach aufgrund der enorm gestiegenen Transportkosten sehr teure Spiele für uns. Wir haben aber das große Glück, dass wir eine sehr breite und große Unterstützung vonseiten des Sportministeriums und der Sponsoren haben, damit wir das auch finanziell verkraften. Wir haben die letzten Jahre auch dafür Rücklagen gebildet, die wir jetzt dafür hernehmen können, um dann am Ende des Jahres positiv zu bilanzieren.

Sieht man sich den Aufwand und die Beschränkungen an – wie groß ist der Wunsch nach wieder einmal „normalen“ Spielen?

Stoss Aufgrund der zeitlichen Differenz zwischen Tokio und Peking war man sich eigentlich schon in Tokio sicher, dass es ähnlich oder gleich ablaufen wird. Aber wir alle sehnen nichts mehr herbei als wieder einen Normalzustand und wünschen uns den natürlich für unsere nächsten Spiele, die 2024 in Paris und 2026 in Mailand/Cortina beide in Europa stattfinden werden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass bis dahin die Pandemie ein Ende hat und wir wieder ganz normale Spiele mit dem Sport im Vordergrund durchführen können.

Die Corona-Angst geht um, es wird vermutlich in vielen Nationalteams den einen oder anderen Fall geben. Wie sehen Sie die Problematik der Wettbewerbsverzerrung?

Stoss Wir haben eine enorm hohe Unsicherheitsquote, die jeder der Athletinnen und Athleten auch mit sich trägt, das ihn und uns auch belastet. Man wird erst am Ende der Spiele sagen können, ob es ausgleichende Gerechtigkeit war oder nicht. Wir wünschen uns, dass es ähnlich oder gleich abläuft wie in Tokio, wo kein einziger österreichischer Athlet positiv getestet wurde. Wir werden alles daran setzen, dass es so ist. Aber garantieren können wir das nicht. Hoffen wir, dass es zwischen den Nationen trotzdem ein sehr fairer Wettbewerb sein wird.

Es ist nicht nur Covid, es sind auch die Themen Menschenrechtsverletzungen und politischer Boykott, die die China-Spiele enorm belasten. Ihre Meinung dazu?

Stoss Das ist alles präsent. Wir haben aber eine klare Antwort: der Sport darf darunter nicht leiden und man darf nicht die Sportlerinnen und Sportler dafür missbrauchen. Deshalb gibt es auch eine Diplomatie und eine Politik, die diese Probleme zu lösen hat. Wir haben leider keine andere Alternative gehabt, weil es gab ja bei der Auswahl nur zwei Bewerber, Almaty/Kasachstan und Peking/China. Unter den jetzigen Voraussetzungen muss man von Glück reden, dass damals die Entscheidung mit nur vier Stimmen Unterschied auf China gefallen ist, wenn Sie sich an die letzten Wochen und die bürgerkriegsähnlichen Zustände in Almaty erinnern. Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass eine Bewerbung aus Österreich stattgefunden hätte, aber das wurde breit abgelehnt.

Sie sind ein Asienfan: Was haben die Chinesen auf die Beine gestellt, was erwartet uns?

Stoss Es erwarten uns perfekt organisierte Spiele, Eröffnungsfeier und Schlussfeier. China wird alles daran setzen, sich bestmöglich der Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Die Sportstätten sind exzellent, das wissen wir von all jenen, die bei vorolympischen Wettkämpfen waren. Die Eröffnungsfeier wird revolutionär. Aber das viel Wichtigere ist, dass sich die Athletinnen und Athleten wohlfühlen, bestvorbereitet zu den Wettkämpfen kommen, gute Voraussetzungen finden und natürlich die entsprechenden sportlichen Erfolge haben.

Stoss Sie sagten, eine Medaillenanzahl zwischen 14 und 17 wäre ein großer Erfolg. Wird man das eventuell vor dem Hintergrund der Corona-Problematik später relativieren müssen?

Stoss Absolut. Das wird die größte Herausforderung für uns alle. Da muss sich jeder selbst an der Nase nehmen, sich bestmöglich zu schützen. Wir versuchen das mit allen möglichen Maßnahmen. Wir müssen die Gesundheit der Athleten ganz klar in den Mittelpunkt stellen und hoffen, dass es möglichst wenig bis gar keine Fälle gibt und alle auch an den Start gehen können.

Bei einem positiven Test wartet die Quarantäne. Welche Informationen haben Sie über diese Einrichtungen?

Stoss Was wir von der ärztlichen Kommission erfahren haben, sollen das bestausgestattete Krankenzimmer sein, die wir vorfinden werden, falls der Fall des Falles eintritt. Das werden keine Kammerln sein, keine Container sein, sondern das werden ordentliche Zimmer sein. Allerdings kann ich keine Garantie dafür übernehmen, was passiert, wenn es zu einem Massenausbruch kommt – ob das dann auch noch behandelt werden kann in der Art und Weise.

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