Maskentragen definitiv kein Nachteil

Sport / 04.02.2022 • 21:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die klirrende Kälte macht den Athleten im Training zu schaffen.ap
Die klirrende Kälte macht den Athleten im Training zu schaffen.ap

Eiseskälte und Wind verschärfen frostigen Gesamteindruck.

Peking Die Schneesportler in Yanqing und Zhangjiakou sind derzeit in der Eiseskälte der chinesischen Berge gefangen. Der ohnehin frostige Eindruck, den manche bei den Olympischen Winterspiele in China derzeit wahrnehmen, wird dadurch noch verstärkt. Maskentragen ist also definitiv kein Nachteil, die Skirennläufer klebten sich im Training zusätzlich alle noch irgendwie freien Hautstellen rund um die Brille im Gesicht mit schwarzen Tapes ab.

Gefühlt um einiges kälter

Minus 23,7 Grad Celsius hatte es am Start der Abfahrt in 2179 m Höhe in den Xiaohaituo Mountains, minus 13,9 waren es in Ziel auf 1285. Gefühlt war es durch den böenartig heftig blasenden Eiswind nochmals um einiges kälter. Der durch die Luft gewirbelte Schnee fühlte sich auf der Haut wie Nadelstiche an. „Es ist extrem kalt. In der Früh beim Einfahren hatte ich mich noch nicht abgeklebt, da habe ich gemerkt, dass ich an der Nase Erfrierungen kriege“, schilderte Matthias Mayer, dick eingepackt im Zielraum.

Daniel Hemetsberger sprach ob der „brutalen Kälten“ von einer „guten Challenge“ und bedankte sich bei den Physiotherapeuten, dass sie ihm so gut „abgepickt“ hatten. Nach dem Abschwingen im Ziel brauchte er ein paar Minuten, bis er seinen „total kalten Finger“ wieder Leben einhauchte.

Im Eiskanal am Fuß des alpinen Skigebiets und gleich neben dem Olympischen Dorf wappnet sich Skeletonfahrerin Janine Flock mit Fettcreme für den Einsatz. „Wir sind nur die knappe Minute im Eiskanal und ziehen sofort die Wärmekleidung an.“

Ab minus 20 Grad ist Schluss

Im weiter von Peking entfernten Zhangjiakou sind die Biathleten und Langläufer über einen weit längeren Zeitraum dem Outdoor-Gefrierschrank ausgesetzt. „Der Wind und die Kälte machen es schwierig für uns alle. Mit dem muss jede zurechtkommen“, sagte Lisa Hauser. Die Biathletin probiert im Vorfeld der Rennen mehrere Methoden aus, etwa mit Fäustlingen und Wärmepads im Zehenbereich der Langlaufschuhe. „Aber ich habe eine Blase gekriegt.“ Laut Regelwerk des Biathlon-Weltverbands IBU kann ab minus 20 Grad nicht mehr gestartet werden, schon bei minus 15 Grad sind Konsequenzen möglich.

Ohne Sonne ist es zapfig

Aber auch den Skispringern schmerzen die Minusgrade im Gesicht. Minus 18,2 Grad waren es am Freitag beim Training. Am Vortag wurden während des dritten Durchgangs im abendlichen ersten Männer-Training sogar 19,4 Grad gemessen.

Bei den Langläufern zeigten am Mittwoch beim Wachshaus der Österreicher die Thermometer minus 25 Grad an. Später macht es die Sonne erträglicher, bei den auch abendlichen Bewerben geht es mit den Temperaturen aber wieder bergab. „Die äußeren Umstände mit der Kälte machen es schwierig“, wusste Sprinter Michael Föttinger. „Ohne Sonne ist es zapfig, wir haben die Rennen am Abend. Das wird sicher eine Rolle spielen.“

In Bewegung bleiben

Auch Olympiasiegerin Anna Gasser kommt aus dem Frösteln kaum noch heraus. „Ich hoffe auf wärmere Tage, aber ich glaube es nicht“, meinte die Snowboard-Freestylerin. Ihr Disziplin-Kollege und Freund Clemens Millauer wusste, was hilft: „Durchgehend in Bewegung bleiben. Aber das geht beim Liftfahren nicht und man hat ja auch Wartezeiten.“ Weiterer unangenehmer Nebeneffekt: „Im Training fliegt man oft her, da wäre es einfach feiner, wenn man stürzt, dass der Körper komplett aufgewärmt wäre.“ Und das ist fast unmöglich, so fährt einem die Kälte in die Knochen.

„Wir sind nur eine knappe Minute im Eiskanal und ziehen sofort die Wärmekleidung an.“

Der durch die Luft gewirbelte Schnee fühlt sich auf der Haut wie Nadelstiche an.GEPA
Der durch die Luft gewirbelte Schnee fühlt sich auf der Haut wie Nadelstiche an.GEPA
Maskentragen definitiv kein Nachteil