Mixed Zone mit Egon Theiner: Polizist in China

Sport / 05.02.2022 • 12:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mixed Zone mit Egon Theiner: Polizist in China
Nichts entgeht in China dem Auge der Polizei, auch während den Spielen. ap

„Das ist wirklich ein sehr netter und liebenswürdiger Polizist“, sagt (mehr als) eine Arbeitskollegin, und wenn ich will, dann kann ich auch einen Anflug von Romantik in ihrer Stimme erkennen. Die Faszination der Uniform gibt es auch in China, denke ich, doch ich erkenne auch an, dass gerade dieser mit einer zuvorkommenden und freundlichen Art auffällt. Das ist umso erwähnenswerter, weil die allermeisten seiner Kollegen (um nicht zu sagen: alle anderen) schroffe Gesellen sind, die mürrisch Zugangsberechtigungen von Personen und Vehikeln kontrollieren. Polizisten prägen mit ihren Autos in der Tat das Straßenbild, rund um die Wettkampfstätten gibt es nicht nur eine, sondern gleich mehrere Kontrollstellen.


Meine persönliche Erfahrung mit den Jungs ganz in schwarz mache ich auch, als ich einmal zu Fuß unterwegs bin – das ist aktuell nicht vorgesehen und erlaubt. Da sind aus dem kleinen Häuschen gleich vier Uniformierte herausgestürzt. „Stopp, stopp, stehenbleiben!“ All meine Erklärungen und Einwände bringen mich nicht weiter. Während ich mit einem parliere, schießt ein anderer Fotos von mir und meiner Akkreditierung, wieder ein anderer telefoniert aufgeregt mit seinem Vorgesetzten. Dieser kommt mit Blaulicht, lässt sich die Situation erklären. Nach einer guten Viertelstunde bedeutet man mir, dass ich gehen kann – zurück ins Hotel.
Während ich zurückwandere, denke ich mir, dass ich in meinem nächsten Leben Polizist in China werden möchte: Da kann ich dann jedem Weisungen erteilen, und wenn dieser oder diese nicht spurt, ist die Lösung ein Telefonat entfernt und die Verantwortung nicht mehr bei mir.
Dann komme ich wieder zu Sinnen. Polizist in China? Wohl nur, wenn ich auch ein netter und freundlicher Typ werden könnte, dem die Herzen zufliegen!

E<em>gon Theiner (53) arbeitet bei den Olympischen Winterspielen 2022 für das chinesische Organisationskomitee im Bereich Media Operations und kümmert sich im Zhangjiakou Genting Snow Park (Snowboard und Ski Freestyle) um Pressezentrum, Pressetribüne, Mixed Zone und Presse-Konferenzen. Ansonsten ist er Verleger (</em><a href="http://www.egoth.at/"><em>www.egoth.at</em></a><em>) und Autor – demnächst erscheint ein Buch über seine Erfahrungen in der Quarantäne von Peking.</em>
Egon Theiner (53) arbeitet bei den Olympischen Winterspielen 2022 für das chinesische Organisationskomitee im Bereich Media Operations und kümmert sich im Zhangjiakou Genting Snow Park (Snowboard und Ski Freestyle) um Pressezentrum, Pressetribüne, Mixed Zone und Presse-Konferenzen. Ansonsten ist er Verleger (www.egoth.at) und Autor – demnächst erscheint ein Buch über seine Erfahrungen in der Quarantäne von Peking.