Deutsch-amerikanische Freundschaft

Sport / 07.02.2022 • 22:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Deutsche Football-Fans dürfen sich freuen: Drei Städte rittern darum, Zielstadt für NFL-Spiel zu werden.epa
Deutsche Football-Fans dürfen sich freuen: Drei Städte rittern darum, Zielstadt für NFL-Spiel zu werden.epa

Wie Deutschland in Sachen American Football zum „Zielland“ der National Football League wurde.

Los Angeles Dass sich in der Nacht von Sonntag auf Montag auch in Österreich wieder Zehntausende anschicken, das wichtigste American Football-Spiel des Jahres mit der 56. Auflage der Super Bowl vor den TV-Bildschirmen zu verfolgen, ist für viele mittlerweile liebgewonnene Tradition.

Noch interessanter gestaltet sich die (historische) Entwicklung aber in der Bundesrepublik Deutschland. Denn dort fand sich nicht zuletzt durch die amerikanischen Armeestützpunkte und den damit verbundenen Austausch mit Politik, Ländern und letztlich der Bevölkerung schon deutlich früher als in Österreich ein Durchschlag des US-amerikanischen Nationalsports.

Ein langer Weg im Fernsehen

Bereits Mitte der 80er Jahre gab es mit Super Bowl 20 die erste Übertragung des Endspiels (in Österreich erst 1997), damals jedoch noch gute vier Wochen (!) zeitversetzt zum ursprünglichen Austragungstermin – unter anderem vom späteren Fußballchef-Kommentator Marcel Reif (Premiere bzw. Sky) mit deutscher Sprache versehen. Ende der 1980er-Jahre folgten dann erste deutsch kommentierte Live-Übertragungen im TV, mit der Gründung der World League Of Football bzw. NFL Europe sollte in den 90ern der nächste Schritt in Richtung „Eroberung des deutschen Marktes“ erfolgen. Ein Konzept, das nur bedingt aufging, auch weil der gegen Ende namentlich in „NFL Europa“ gemündete europäische Liga-Zusammenschluss zu über 80 Prozent aus deutschen Teams bestand. Mehr zum Start und Ende dieses Konstrukts in ein paar Tagen an dieser Stelle (Anm. des Autors).

NFL-Übertragungen wanderten bei unserem nördlichen Nachbarn schließlich ins Bezahl-Fernsehen und damit auch ein klein wenig in die Bedeutungslosigkeit. Was die NFL damals (noch) nicht verstand: Die Regelhürde des American Football-Sports lässt sich fürs hiesige Publikum mit – im Idealfall – frei empfangbaren und vor allem regelmäßigen Übertragungen deutlich leichter überspringen als mit hinter Bezahlschranken versteckten Spielen, die sich nicht ausschließlich, aber tendenziell eher an eine erfahrenere Klientel richten.

Diesen Umstand machte sich Mitte der 2010er Jahre der ProSiebenSat1-Media-Konzern zunutze und sicherte sich ein umfangreiches Rechtepaket, das sich über die gesamte Saison von September bis Februar erstreckte und nicht nur – wie die Jahre zuvor die wichtige Playoff-Phase – abdeckte. Gleichzeitig besaß die vor sich hin marodierende Marke „ran“ auch ein Jahrzehnt nach der Highlight-Show der deutschen Fußball-Bundesliga noch immer genug Zug- und Strahlkraft, dass sie den Leuten zumindest ein Grundinteresse bei den fortan „ran NFL“ titulierten Übertragungen abringen konnte. Sendungsformat und On-Air-Personalities trugen Ihres dazu bei, um ein lange nicht für möglich gehaltenes Football-Feuer in Deutschland zu entfachen.

Regular-Season-Spiel in Deutschland

Die für Neulinge sehr einsteigerfreundlich konzipierten ran-Sendungen wurden von der NFL bereits 2016 um ein Rechtepaket für das Streaming-Portal DAZN erweitert. Mit dem eingangs erwähnten „Streaming Abos“ gab es in Deutschland binnen weniger Monate so viele verschiedene Arten NFL-Football zu konsumieren wie nie zuvor. Und das Publikum dankte es. Mit fast durchgängigen Zuseher-Wachstumsraten jenseits der 20 Prozent (pro Jahr versteht sich) war auch der NFL klar, dass dies nicht mehr nur kurzfristiger Trend sein konnte.

So überrascht es wenig, dass in einer repräsentativen Umfrage der „AGF-Videoforschung“ American Football dieser Tage hinter Platzhirsch Fußball auf Platz zwei der beliebtesten TV-Sportarten genannt wurde. Vor Skispringen, Biathlon oder Handball. Großes Interesse bedeutet gleichzeitig viele Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Und nichts versteht die NFL besser als Monetarisierung. Gleich vier NFL-Teams sicherten sich deswegen im Dezember 2021 exklusive Vermarktungsrechte in Deutschland. Nur Mexiko und Großbritannien sahen sich mit noch größerem Interesse von NFL-Franchises konfrontiert.

Im Rahmen der Super-Bowl-Woche folgt nun ein weiterer Meilenstein in dieser neuen deutsch-amerikanischen Football-Freundschaft, wenn verkündet wird, wo im Herbst 2022 erstmals ein Regular-Season-Spiel auf deutschem Boden stattfindet. Mit Frankfurt, Düsseldorf und München rittern gleich drei Metropolen darum, Zielstadt im NFL-Zielland zu werden.