Das perfekte Rennen brachte die Goldmedaille

Sport / 10.02.2022 • 22:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das perfekte Rennen brachte die Goldmedaille
Am Ende waren es 20 cm und ein Zielfoto, das den Olympiasieg von Alessandro Hämmerle nach dem Duell mit dem Kanadier Eliot Grondin bestätigte.

Snowboardcrosser Alessandro „Izzi“ Hämmerle kürt seine Karriere mit dem Olympiasieg.

Zhangjiakou, Gaschurn Als in der Pension Rudolph der Ausnahmezustand begann, genoss rund 7760 km östlich der beste Snowboardcrosser der Gegenwart fast schon andächtig eine große Würdigung.

Alessandro „Izzi“ Hämmerle kürt sich bei seinen dritten Winterspielen mit 28 Jahren zum Olympiasieger. Nach Platz 17 in Sotschi 2014 und Rang sieben 2018 in Pyeongchang mit der Goldmedaille bedacht.

Der Triple-Weltcupsieger hat seine Favoritenrolle mit Bravour bestätigt und dem Druck standgehalten. Weit mehr: Denn im Augenblick seines größten Triumphs offenbarte der Absolvent des Sportgymnasiums in Stams seine wahre Größe. „Ich wollte all die Menschen in meinem Umfeld nicht enttäuschen. Sie haben es mir extrem leicht gemacht. Jeder im Team reißt sich den Arsch auf. Es ist eine große Belohnung und ich bin froh, dass ich das mit dem Team teilen kann.“ Im Besonderen mit dem Wahl-Vorarlberger Julian Lüftner (29), der in einem hochklassigen Finale den undankbaren vierten Platz belegte.

Auf diesem Hang tummelten sich laut Hanno Hämmerle die Jungs den ganzen Winter. <span class="copyright">Hartinger</span>
Auf diesem Hang tummelten sich laut Hanno Hämmerle die Jungs den ganzen Winter. Hartinger
Hanno und Caterina Hämmerle feiern die Goldmedaille von Izzi. <span class="copyright">Hartinger</span>
Hanno und Caterina Hämmerle feiern die Goldmedaille von Izzi. Hartinger
Im Eingangsbereich der Pension Rudolph in Gaschurn hängt das Konterfei von Izzi. <span class="copyright">Hartinger</span>
Im Eingangsbereich der Pension Rudolph in Gaschurn hängt das Konterfei von Izzi. Hartinger

Noch eine zweite Goldchance

Zwei Österreicher im großen Finale – und dennoch blieben beide Einzelkämpfer. „Wir haben uns davor gemeinsam motiviert. Danach ist jeder in einem Tunnel und auf sich konzentriert“, erzählt „Izzi“ in stoischer Ruhe. Dabei lieferte er im Goldduell mit dem Kanadier Eliot Grondin ein „perfektes Rennen“, das erst auf der Ziellinie entschieden wurde. Ein Herzschlagfinale, das in seinem Elternhaus so manchen Sektkorken knallen ließ. Als einer der ersten Gratulanten hatte sich Markus Schairer, der SBX-Weltmeister von 2009 eingestellt. Der 34-jährige Polizist („Izzi hat es sich verdient. Ein Wahnsinn auch die Medaillen von Johannes und Thomas“) war mit dem Dienstauto vorgefahren. Dass am Ende des Goldtages die Küche in der Pension kalt blieb, verziehen die Gäste dem Hausherrn. Zumal Chefkoch Hanno gestand: „Heute will ich nicht am Herd stehen.“


In Zhangjiakou machte sich zur selben Zeit Alessandro Hämmerle Gedanken über den Mixedbewerb. „Ich werde mit Pia fahren. Es wäre ihr gegenüber unfair, als Olympiasieger nicht mit ihr anzutreten“, sagte er. Hatte er doch kurz erwogen, seinem Kumpel Julian Lüftner die Medaillenchance zu gewähren. Und er jubelte mit seinem ehemaligen Stamser Schulkollegen Johannes Strolz. Denn die Freundschaft der beiden endet nicht selten in einem abendlichen Online-Zockerspiel. „Wenn die Freundinnen mal wegschauen“, fügt er mit Augenzwinkern hinzu. Hämmerle, die perfekte Mischung zwischen Modellathlet, idealem Schwiegersohn, Sportler mit Tiefgang und einer leicht lausbubenhaften Austrahlung, ist ehrgeizig und arbeitet hart für seinen Erfolg. In erster Linie jedoch ist er für Mama Caterina einer von drei „wertvollen Söhnen“. „Das wird sich durch Olympia nicht ändern“, sagt sie. Wurden dem Trio doch andere Werte vermittelt.