„Eine Olympiamedaille ist das größte der Gefühle“

Sport / 10.02.2022 • 20:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Andrea Tagwerker fieberte bei den beiden Medaillengewinnen von Thomas Steu vor dem Fernseher mit.

Bludenz Als Andrea Tagwerker bei ihrer dritten Olympiateilnahme am 16. Februar 1994 in Lillehammer die Bronzemedaille im Einsitzer holte, war Thomas Steu gerade sieben Tage alt. 28 Jahre später fieberte die Grande Dame des Vorarlberger Rodelsports „mit demselben Eifer wie früher als Aktive vor dem Fernseher mit und freute sich extrem über die beiden Medaillen ihres Nachfolgers: „Wegen Familie und Beruf bin ich zwar nicht mehr so eng mit dem Rodelsport verbunden wie früher. Man sieht mich zwar nicht mehr so oft wie früher an der Bahn, aber im Herzen werde ich immer mit dem Rodelsport ganz eng verbunden sein. Wenn ich noch einmal auf die Welt kommen würde, würde ich es wieder genau so machen wie vor 30 Jahren“, erklärt die 51-Jährige.

Nicht nur die Rodelbewerbe bei Olympischen Spielen, auch die Weltcuprennen sind ein absoluter Pflichttermin bei den Tagwerkers und da versammelt sich die gesamte Familie vor dem Fernseher. „Neben den Einsätzen der Österreicher fiebern wir natürlich besonders intensiv bei den Rennen von Steu und den Müller-Brüdern Jonas und Yannick von der ersten bis zur letzten Fahrsekunde mit.“

Viele große Erfolge

Für die viermalige Olympiastarterin, die bei Weltmeisterschaften drei Goldene und eine Silberne holte, einmal Weltcup-Gesamtsiegerin wurde und je drei EM-Silberne und Bronzene gewann, haben die Silberne und Bronzene von Steu in Peking eine ganz besondere Bedeutung. „Zu meiner Zeit war es so, dass der Rodelsport nur jeweils bei Olympia in den Fokus rückte und ansonsten wenig mediale Aufmerksamkeit bekam. Durch die vielen Erfolge hat sich dies zum Glück geändert. Unabhängig davon ist eine Olympiamedaille das größte der Gefühle, was man als Sportler erreichen kann. Vom Stellenwert glänzen die Silberne und Bronzene von Thomas meiner Meinung nach wie Gold. Über eine Olympiamedaille, egal was für eine Farbe, redet man das ganze Leben und sie verliert nie ihren Wert.“

Fehlende Zuschauer ein Manko

Ein kleiner Wermutstropfen bei den Spielen in Peking aus Sicht von Tagwerker sind die fehlenden Zuschauer. „Vor und beim Wettkampf selber bekommt man nicht so viel mit. Doch bei der Siegerehrung ist es schon bitter, wenn nur eine Handvoll Zuschauer auf den Rängen jubeln.“ Neben diesen Glücksgefühlen erinnert sich Tagwerker immer wieder an ihre Olympiateilnahmen zurück. „Eine Besonderheit waren auch die Besuche der anderen Bewerbe. Ich war z. B. bei den Olympiasiegen 1988 von Anita Wachter, vier Jahre später bei Hubert Strolz und 1998 bei Mario Reiter jeweils live dabei und werde diese Eindrücke nie vergessen.“ VN-JD

„Über eine Olympiamedaille, egal was für eine Farbe, redet man das ganze Leben und sie verliert nie ihren Wert.“