Emotionale Katharina Liensberger dankt ihrem Opa

Sport / 10.02.2022 • 05:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Emotionale Katharina Liensberger dankt ihrem Opa
Eine stolze Katharina Liensberger hat nach dem Gewinn der olympischen Slalom-Silbermedaille ihr sympathisches Lächeln wieder gefunden. gepa

“Mein Opa ist heute mitgefahren”, sagt die 24-jährige Göfnerin und widmet die Slalom-Silbermedaille bei den Olympischen Winterspielen ihrem verstorbenen Großvater.

Yanqing Die Bilder ihrer Medaillengewinne bei der WM 2021 in Cortina d‘Ampezzo – Gold im Parallel-Riesentorlauf (16. Februar), Bronze im Riesentorlauf (18.) und Slalom (20.) – gingen um die Welt. Unbekümmert, mit einem Lächeln im Gesicht, skitechnisch auf höchsten Level fahrend, nervenstark und voller Demut eroberte Katharina Liensberger die Ski-Welt. Knapp ein Jahr später krönte die 24-Jährige ihre bisherige Karriere mit dem Gewinn der Silbermedaille im olympischen Slalom der Winterspiele in China. Eine Medaille, die große Emotionen auslöste bei der Göfnerin.

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„Es war in dieser Saison so viel, das nicht so gelaufen ist, wie ich es gern gehabt hätte, es waren so schwierige Zeiten“, warf Liensberger einen Blick zurück auf die vergangenen Monate. Sie sprach dabei ihre Corona-Infektion („Ich war zuhause, habe nur einen Tag trainiert und bin zum Rennen gefahren“) ebenso an, wie das Ableben ihres Großvaters zu Jahresbeginn („Mein Opa ist heute mit mir mitgefahren“), oder auch den inneren Antrieb, die Supersaison 2020/21 zu bestätigen oder gar noch zu toppen. „Es war extrem viel Belastung, gerade mental. Auch mein Körper hat nicht immer mitgespielt. Ich habe einfach gemerkt, dass ich all meine Energie brauche, um das zu zeigen, was ich kann.“ Genau das tat sie zu morgendlicher Stunde in Österreich: Liensberger hat gezeigt, dass sie schnell fahren kann, dass es ihr Spaß bereitet, auf dem Niveau mitfahren zu können. „Ich bin einfach dankbar und mega-happy. Danke an alle, die mich auf meinem Weg unterstützten und danke an alle, die mitgefiebert haben.“

Der Teddy und die Medaille

Das Drehbuch des Olympiaslaloms war spannungsgeladen. Fünf Läuferinnen musste Liensberger abwarten, ehe eine Medaille feststand. Als schließlich auch die Führende Lena Dürr zurückfiel, war es Silber. „Nach der Zieldurchfahrt hätte ich natürlich lieber Platz eins gesehen“, gestand sie in den Abendstunden eines intensiven Tages. „Ich habe zwar gewusst, dass es ein guter Lauf von mir war. Aber plötzlich wurde mir bewusst, dass ich jetzt nichts mehr tun kann. Ich konnte nur noch warten – und habe wirklich gezittert.“ In der Sekunde der Erlösung ließ sie ihren Gefühlen freien Lauf. Tränen der Erlösung, der Freude, und ein Freudentanz mit Goldmedaillen-Gewinnerin Petra Vlhovha.


Dabei geht Liensberger mit offenen Augen durchs Leben und deutet mitunter gern ein Zeichen. Bei der WM in Cortina sahen ihr Servicemann und sie ein Eichhörnchen an der Strecke. „Da wusste ich: Die WM wird gut“, erklärte die Vorarlbergerin damals, war doch ein Eichhörnchen das WM-Maskottchen. In Yanqing nach ihren Tierbeobachtungen gefragt, erwähnte sie einen speziellen Vogel, ihr Servicemann Raphael wollte das nicht so recht glauben. „Ich bin im Training einmal gestürzt, da hat er zu mir gesagt, ach was, die Vögel sind doch nur in deinem Kopf. Aber es waren tatsächlich welche da.“


Und nun liegt die Silberne auf ihrem Bett in ihrem Olympiazimmer. Noch ist der Platz neben ihrem Teddy dafür reserviert. „Zu Hause finde ich einen geeigneten Ort“, sagte sie am Ende des Tages voller Stolz. Was ihren Schlaf betrifft, so verriet sie: „Wenn ich müde bin, dann schlafe ich gut ein. Bin ich einmal drüber, dann braucht es einige Zeit. Ganz egal wie, heute schlafe ich mit einem Lächeln ein. Und morgen mache ich frei.“ Danach wartet das Training für das Teamevent.