Erfolgsgeschichte nach Debakel

Sport / 10.02.2022 • 19:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In der Münchener Allianz-Arena wird ein NFL-Gastspiel über die Bühne gehen.REUTERS
In der Münchener Allianz-Arena wird ein NFL-Gastspiel über die Bühne gehen.REUTERS

Die Expansion der NFL nach Europa im Wandel der Zeit.

Los Angeles In zwei Tagen steigt in den Vereinigten Staaten das Spiel der Spiele. Super Bowl 56 zwischen Cincinnati und den Los Angeles Rams zieht eine Nation in seinen Bann und wird auch dieses Jahr zeigen, warum der Super-Bowl-Sonntag gemeinhin „Super Sunday“ genannt wird. Rekordumsätze bei Lieferdiensten, Rekordabsätze bei Snackherstellern und in der Getränkebranche sind am Wochenende des Finales der National Football League (NFL) eine jährlich wiederkehrende Bestätigung, dass wohl um kein anderes Sportevent herum so hemmungslos konsumiert wird.

Trotz der immensen Strahlkraft der NFL und der Super Bowl, deutlich weniger „super“ war bis vor Kurzem die Bilanz der Versuche der Internationalisierung. American Football wird wohl nicht nur aufgrund des Namens immer ein Stück weit amerikanisch bleiben. Und auch wenn ich Ihnen am Dienstag darlegen durfte, warum gerade Deutschland sich zu einem der Zielländer der NFL-Expansion mausern konnte und gestern an dieser Stelle von einer kleinen Ausbildungspipeline Österreich-USA zu lesen war, es sind vorerst nur Etappensiege. Immerhin hat die NFL durch diverse Rückschläge ihre Wachstumsstrategie überdacht und angepasst. Ende der 80er-Jahre will die NFL mit fast schon missionarischem Eifer American Football zum Exportgut machen.

Historischer Exkurs

Nicht nur am nordamerikanischen Kontinent, sondern vor allem in Europa. Die World League Of American Football (WLAF) wird 1989 ins Leben gerufen. In der Urform messen sich dort eine Handvoll US-Teams, eines aus Kanada und drei aus Europa. Damit sich die WLAF-Spielzeit nicht mit der NFL überschneidet, findet Erstgenannte im Frühjahr statt und fungiert hauptsächlich als Bewährungsprobe für Spieler, die sich bei NFL-Teams (noch) nicht wirklich aufdrängen konnten. Womit auch schon die Grundproblematik aller WLAF-Derivate umrissen wäre: das Niveau.

Die WLAF wird nach drei Jahren Pause und mehreren darauffolgenden Umstrukturierungen schließlich 1998 in die NFL Europe überführt. Fortan sollten NFL-Franchises die Möglichkeit haben, ihre erweiterten Kaderspieler in Europa unter Wettbewerbsbedingungen spielen zu lassen. Was dabei nicht bedacht wurde: dass Spieler, die selbst in den Vereinigten Staaten nur den allergrößten Insidern ein Begriff waren, in Deutschland, Spanien oder England noch viel größere „No-Names“ sind. Ebenso waren europäische Talente Mangelware und wurden – wenn überhaupt – nur spärlich eingesetzt. Statt Identifikationsfiguren für Fans und Städte zu schaffen, wurde Frühjahr für Frühjahr austauschbares Spielermaterial über den Großen Teich geschickt, um in oftmals unansehnlichen Spielen vor meist spärlichen Kulissen American Football zu „verkaufen“. Im Sommer 2007 zieht die NFL den Stecker, nachdem pro Spielzeit ca. 26 Millionen Euro Verluste angehäuft worden waren. Letztlich dürfte das Abenteuer Europa die NFL über eine Viertelmilliarde Euro gekostet haben.

Endlich Premium

Immerhin, mangelnden Lernwillen, wenn es ums Geldverdienen geht, kann man der NFL nicht vorwerfen. Schritt 1 nach dem NFL Europe-Debakel waren „echte“ NFL-Partien am europäischen Kontinent. Seit Herbst 2007 wird immer mindestens ein „Regular Season“-Spiel in England ausgetragen. Die Hauptstadt London war im vergangenen Herbst auch Schauplatz für das 29. & 30. Europa-Duell zweier NFL-Teams, alle bisherigen Gastspiele waren restlos ausverkauft. Schritt 2 ging mit Schritt 1 de facto einher und sah vor, ein breites, frei verfügbares TV-Angebot zu offerieren.

So verwundert es auch nicht, dass die NFL diesen Mittwoch bekannt gegeben hat, mit München und Frankfurt bis 2025 je einen jährlich alternierenden Schauplatz eines NFL-Spiels in der Bundesrepublik gefunden zu haben. Der Ticketbedarf übersteigt übrigens jetzt schon das Angebot.